Olympische Spiele

Dieses Mal ist die Olympia-Debatte ernst gemeint

Stadtrat Stefan Fritschi würde es begrüssen, wenn 2026 olympische Disziplinen in Winterthur stattfinden könnten. Was im vergangenen Winter eine Satire-Aktion gegen die Standortförderung war, wird jetzt real diskutiert. Die bürgerlichen Parteien sind offen, die linken skeptisch.

Zielbau Arena: Hier könnte 2026 olympisches Curling gespielt werden.

Zielbau Arena: Hier könnte 2026 olympisches Curling gespielt werden. Bild: zvg

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Anfangs 2016 lancierte eine Gruppe von lokalen Radiomachern und Künstlern eine Winterthurer Kandidatur für die Sommerolympiade 2024, als Aufstand gegen die hiesige Standortförderung. Doch nun ist die Winterolympiade im Gespräch. Und diese Diskussion ist keine Satire. Am 12. Februar stimmt der Kanton Graubünden darüber ab, ob er für die Olympischen Winterspiele 2026 kandidiert. Diese sollen nicht nur im Bündnerland, sondern in der ganzen Schweiz verteilt, stattfinden.

Die Satire-Aktion gegen die Standortförderung im vergangenen Winter. Facebook: Radio Stadtfilter

Die Stadt Zürich sprach sich kürzlich gegen eine enge Partnerschaft aus. Sie will keine neuen Anlagen bauen und auch keine finanziellen Garantien übernehmen. Deshalb fragte die Regierung Graubündens nun Städte wie Rapperswil, Schaffhausen und Winterthur an. Stadtrat Stefan Fritschi (FDP) vom Departement Schule und Sport sprach mit dem Bündner Regierungsrat. Fritschi ist begeistert: «Die Zielbauarena wäre ideal für Frauen-Eishockey, Short Track und Curling. Der Skillspark eine gute Trainingsmöglichkeit für die Sportler.» Zudem könnte Winterthur, auch wegen der Nähe zum Flughafen, ein geeignetes Zentrum für Medienschaffende und Teilnehmer sein.

Standort Winterthur fördern

Die bürgerlichen Parteien reagieren positiv auf die Idee. «Die Partnerschaft mit dem Kanton Graubünden nicht zu prüfen, wäre ein Fehler», sagt Stefan Feer, Fraktionspräsident der FDP. Die Stadt positioniere sich so als guter Werbeträger. Mit wenig Aufwand könne viel erreicht werden. Auch die SVP steht einer Abklärung positiv gegenüber.

«Stefan Fritschi will sich mit dieser  Offensive nur ins  Gespräch bringen.»Christian Griesser, 
Fraktionspräsident Grüne

Fraktionspräsident Daniel Oswald sagt aber: «Winterthur hat sicher keinen grossen finanziellen Spielraum.» Michael Zeugin von der GLP sieht in der Winterolympiade eine Chance, Winterthur als Tourismusdestination international bekannt zu machen. «Jedoch sicher nur mit der bestehenden Infrastruktur.» Er denkt, dass die Stadt Zürich etwas verpassen könnte. «Auch als der Think Tank «Club of Rome» nach Winterthur kam, haben die Zürcher diesem letztlich nachgetrauert.»

Kleinere Brötchen backen

Anders sieht die Gemütslage bei den linken Parteien und der EVP aus. «Ich bin nicht euphorisch», sagt EVP-Fraktionspräsidentin Lilian Banholzer. Neue Anlagen und finanzielle Unterstützung kämen bei der jetzigen finanziellen Situation nicht in Frage. «Wenn schon, will ich nicht nur Randsportarten, sondern mindestens das Skispringen in Winterthur», sagt Christian Griesser von den Grünen ironisch. Er findet den Event eine «Schuhnummer zu gross» für Winterthur. Es sei sowohl ökologisch als auch ökonomisch realitätsfremd. «Aus dem Traum kann ein Albtraum werden», sagt Griesser. Stefan Fritschi wolle sich mit seiner Offensive nur ins Gespräch bringen. Auch Silvio Stierli von der SP kritisiert Stadtrat Fritschi: «Er soll sich für den Sport in der Bevölkerung einsetzen. Die Sauna Geisselwald hat geschlossen; es gibt kein neues Hallenbad.» Die Stadt specke im Sportbereich ab und sei gleichzeitig bereit für solche finanzielle Abenteuer. (Landbote)

Erstellt: 23.01.2017, 17:18 Uhr

Umfrage

Was einst als Witz begann, wird jetzt ernsthaft diskutiert: Bürgerliche Politiker wollen die Olympischen Spiele nach Winterthur holen! Was halten Sie von der Idee?

Das wäre genial! Unsere Stadt braucht solche Visionen.

 
14.8%

Ein typischer Fall von Grössenwahn. Die lokale Politik sollte sich besser mit anderen Dingen beschäftigen.

 
78.8%

Ich hätte lieber die Fussball-WM.

 
6.4%

250 Stimmen


Stefan Fritschi, Stadtrat FDP

Sie sagten kürzlich: «Die Türen Winterthurs sind offen für die Olympischen Spiele.» Lehnen Sie sich damit nicht etwas zu weit aus dem Fenster?

Nein. Die Kandidatur steckt noch in den Kinderschuhen. Die Stadt Winterthur muss zeigen, dass sie für visionäre Ideen offen ist: wirtschaftliche, kulturelle oder sportliche. Wir müssen nicht von Anfang an abblocken. Stolpersteine wird es noch genug geben.

Man bekommt den Eindruck, dass Sie sich persönlich für dieses Projekt begeistern können.

Ja, vielleicht. 1998 durfte ich an den Olympischen Winterspielen in Japan beim Biathlon dabei sein. Ich erlebte diesen speziellen Spirit, was mich sehr fasziniert hat. Auch finde ich es schade, wenn solche Anlässe nur noch in Ländern mit Diktatoren stattfinden können.

Was bringt es der Stadt Winterthur, wenn sie olympische Disziplinen beheimatet?

Ein solcher Grossevent kann Impulse für die ganze Region geben. Für den Breitensport, die Bewegungsförderung und nicht zuletzt für die Wirtschaft. Wenn so ein Sportfest vor der eigenen Haustüre stattfindet, kann die Begeisterung überschwappen.

Zürich sprach sich gegen eine enge Partnerschaft aus. Finanzielle Risiken waren der Hauptgrund. Wieso soll Winterthur anders entscheiden?

Im Gegensatz zu Zürich ist Winterthur nicht per se ein Magnet für die Welt. Wir müssen für die Aufmerksamkeit kämpfen und brauchen solche Anlässe. Die Finanzen müssen später geprüft werden. Bis jetzt haben wir noch keinen Rappen ausgegeben. Wenn man jemandem sagt, er soll ein Schiff zusammenschustern, ist das schwierig. Doch wenn man die Sehnsucht nach dem endlosen Meer überbringen kann, wird eher ein Schiff gebaut.

Viele Olympische Spiele waren überhaupt nicht nachhaltig.

Das ist ein Problem das wir ernst nehmen müssen. Doch beim Gespräch mit dem Bündner Regierungsrat habe ich gespürt, dass die Kandidatur gut durchdacht und nachhaltig ist. Das Dossier überzeugt mich.

Wie geht es jetzt weiter?

Zuerst muss Graubünden abstimmen. Wird das Bündner Volk eine Kandidatur erlauben, entscheiden das Sportparlament und der Bundesrat, ob die Westschweizer oder die Bündner Kandidatur weiterverfolgt wird. Später müsste die Stadt Winterthur über eine mögliche Partnerschaft diskutieren. (tiw)

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