Winterthur

«Ein Schwulen-Gen gibt es nicht»

Auf Einladung der EDU hat Rolf Rietmann vor Freikirchengängern das Thema Homosexualität erörtert. Und dabei erklärt: «Wegbeten geht nicht, das ist der falsche Ansatz.»

Im Zentrum Grüze hat Rolf Rietmann am Dienstagabend seinen Vortrag gehalten.

Im Zentrum Grüze hat Rolf Rietmann am Dienstagabend seinen Vortrag gehalten. Bild: Marc Dahinden

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Man weiss es: Freikirchen pflegen zur Homosexualität eine etwas eigene Beziehung. Das wurde schon in der Einladung zum Vortragsabend am Dienstag in der Chile Grüze deutlich. «Die meisten Schwulen würden einen anderen Lebenssitil wählen, wenn sie könnten», hiess es darin. Und EDU-Präsident Ueli Brugger erinnerte in seiner Begrüssung der rund 60 Anwesenden daran, dass Gott geraten hatte, nicht von den verbotenen Früchten zu essen.

Nach einem Gebet für Rolf Rietmann, begann dieser zu reden.Rietmann ist freikirchlicher Theologe, Sexualberater und Leiter der Beratungsstelle Wüstenstrom in Pfäffikon. Selber sei er als Kind missbraucht worden, sagte er eingangs, er sei schwul gewesen und schwer pornosüchtig. Doch nun habe er eine Frau und zwei Buben. Er schaue zwar weiter gerne schöne Männer an, habe aber keine sexuellen Gefühle.

Ein Recht auf Veränderung

Redner Rietmann unterhielt sein Publikum mit vielen Zitaten und Forschungsresultaten aus sexualwissenschaftlicher und sozialpolitischer Literatur. «Ein Schwulen-Gen gibt es nicht», meint er erkannt zu haben. «Die Schwulenbewegung informiert sehr einseitig», und «Gewalt in homosexuellen Beziehungen ist ein Riesenthema».

Eine US-Studie weise nach, dass «25 bis 75 Prozent der homosexuellen Beziehungen von häuslicher Gewalt betroffen sind». Davon sei in der öffentlichen Diskussion aber nie die Rede, das sei stossend und ungerecht. «Wer darf sich um diese Menschen kümmern?», fragte er.

Damit war Rietmann bei seinem Kernanliegen: Er beansprucht das Recht aller Homosexuellen, sich beraten lassen zu dürfen, wenn sie sich unwohl fühlen, und so einen «Veränderungsprozess» in Gang zu setzen.

Rietmann benutzt abwechslungsweise die Begriffe «Homosexuelle», «Schwule und Lesben» sowie «Betroffene». Er sagt: «Der einzelne Betroffene darf entscheiden. Wenn er eine Veränderung will, darf er Hilfe holen.» Und er sagt auch: «Ich mag keine Schwulenwitze, das sind keine Menschen zweiter Klasse.» Er vertrete «liberale Positionen», behauptet er und regt sogar an, dass freikirchliche Gemeinden Schwule zum Gespräch einladen, um sie ihrer oft erlebten Einsamkeit zu entziehen. «Ich weiss, dass das schwierig ist», schiebt er nach.

Eine tief liegende Sehnsucht

Dann sagt er einen Satz, den er wiederholen muss, weil ihn eine Zuhörerin aufschreiben will. Er geht so: «Homosexualität ist eigentlich der Lösungsversuch einer tiefer liegenden Sehnsucht.» Er behandele nicht Homosexualität an sich, sondern arbeite an Lebensthemen, dann ändere sich oft die Einstellung.

Wir sind bei der abschliessenden Fragerunde. «Wenn jemand so empfindet und will geheilt werden: Ist das in jedem Fall möglich?» Nein, antwortet Rietmann: «Ich gebe keine Veränderungsgarantie.» Doch Jüngere seien «einfacher zu verändern als Ältere». Es könne auch durchaus vorkommen, dass eine solche begleitete Veränderung nur ein Stück weit von der Homosexualität wegführe.

Auch das sei OK: «Wenn einer sich zu 80 Prozent verändert und dann eine Frau findet, dürfen sie sicher heiraten.» Letztlich, und das waren Rietmanns Schlussworte, entscheide «der Betroffene selber: Er steht vor Gott und verantwortet sein Leben vor Gott.» (landbote.ch)

Erstellt: 25.05.2016, 16:21 Uhr

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