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«Dieser Ausfall war sicherheitsrelevant»

Auch in Winterthur fielen in der Nacht auf Mittwoch die Notfallnummern aus. Die Stadtpolizei informierte online, die Feuerwehr reagierte vor Ort.

Schutz&Rettung Zürich, aber auch die Stadtpolizei reagierten auf Twitter und Facebook auf den zwischenzeitlichen Ausfall der Notfallnummern 117, 118 und 144.
Schutz&Rettung Zürich, aber auch die Stadtpolizei reagierten auf Twitter und Facebook auf den zwischenzeitlichen Ausfall der Notfallnummern 117, 118 und 144.
Twitter

«Achtung! Wegen einer grösseren #Störung ist die Stadtpolizei Winterthur im Moment nur via Handy erreichbar. (...) Die Notrufnummer 117 funktioniert zurzeit nicht!». Über die Sozialen Medien versuchte die Stadtpolizei Winterthur in der Nacht auf Mittwoch, die Winterthurer Bevölkerung zu warnen und verwies dabei auf zwei Handy-Ersatz-Nummern.

Grund dafür war eine Panne bei der Swisscom. Wegen Wartungsarbeiten waren zwischen 22.33 Uhr und 00.10 Uhr in weiten Teilen der Schweiz die Notrufnummern 112, 117 (beide Polizei), 118 (Feuerwehr), 144 (Sanität) und 147 (Dargebotene Hand) ausgefallen. Auch internetbasierte Dienste, Swisscom TV, sowie Festnetz- und Internet-Mobiltelefonie über Voice over LTE funktionierten nicht mehr.

Nur Polizei informierte online

Direkt betroffen waren auch die lokalen Blaulichtorganisationen. Auf der Hauptwache der Stadtpolizei waren sämtliche Leitungen tot. Intern, aber auch nach aussen konnte man nur über Mobilfunk telefonieren. Die «117» sei für die Polizei nach wie vor der wichtigste Alarmierungskanal, betont Stapo-Medienchef Michael Wirz: «Insofern müssen wir solche Ausfälle sehr ernst nehmen. Sie sind sicherheitsrelevant.» Im Ernstfall könnten die Behörden auch über Funk oder ein sogenanntes Lage- und Informationssystem kommunizieren.

Weil die Berufsfeuerwehr von Schutz&Intervention Winterthur (SIW) keinen eigenen Social Media-Kanal bedient, konnte man die Bevölkerung dort nicht unmittelbar informieren. Grund dazu hätte es gegeben. Per «118» war die Feuerwehr über eine Stunde lang nicht erreichbar und komplett vom Notrufsystem abgekapselt. Technisch waren der Feuerwehr die Hände gebunden. Sämtliche Anrufe auf die 118 gehen bei der bei Einsatzleitzentrale am Flughafen Zürich ein und werden von dort aus weitergeleitet. Bei einer Panne der Notfallnummer informieren muss folglich Schutz&Rettung Zürich, was über Twitter auch passierte.

Stützpunkt beleuchtet

Reagiert hat die Feuerwehr gleichwohl. «Wir haben unseren Stützpunkt an der Zeughausstrasse beleuchtet, damit man uns im Notfall sicher findet. Auch die Einsatzzentrale wurde personell besetzt», heisst es auf Anfrage. Zudem sei die Feuerwehr jederzeit über die Ersatznummern von Schutz&Rettung Zürich und der Stadtpolizei erreichbar gewesen. Deren Twitter-Accounts folgen jeweils 8000 beziehungsweise 1600 Personen.

Für SIW einen eigenen Social Media-Auftritt zu lancieren, sei in Diskussion. Deren Kommunikationsstelle ist mit 60 Prozent dotiert. Tweets und Posts, zum Beispiel zum Einsatz beim Sturm «Sabine», werden derzeit über die Accounts der Stadt abgesetzt.

Ausrücken musste die Feuerwehr in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch offenbar nicht. Auch bei der Polizei und dem Kantonsspital Winterthur (KSW), wo die 144 blockiert war, gingen im Nachhinein offenbar keine Beschwerden wegen der Netz-Panne ein. Beim KSW lief offenbar auch das interne Kommunkationssystem stabil.

Zweiter Provider nötig?

Bereits im Januar hatten Störungen im Swisscom-Netz die Notfallnummern in weiten Teilen der Schweiz lahmgelegt. Gemäss der Nachrichtenagentur Keystone-SDA hat das Bundesamt für Kommunikation nach dem zweiten Ausfall innert eines Monats nun «eine vertiefte Abklärung der Ursachen» angekündigt.

Auch der Winterthurer Gemeinderat und IT-Unternehmer Fredy Künzler (SP) hat sich per Twitter in die Diskussion eingeschaltet. Er schlägt vor, eine der zwei wichtigsten Notrufnummern über einen anderen Voice-Provider als die Swisscom laufen zu lassen. Dann funktioniere zumindest eine Nummer, wenn das Netz eines Anbieters ausfalle. Weil die Notrufzentralen heute komplett auf dem Swisscom-Netz basieren, bleiben auch Anrufe von anderen Netzen aus im Off hängen.

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