Winterthur

Frauen an den Bass!

Die Bandworkshops von «Helvetiarockt» sollen mehr junge Musikerinnen auf die Bühne locken. In Winterthur proben fünf Frauen fürs erste Konzert, und greifen dafür zum Bass und zu den Drum-Sticks.

Ob mit Rock’n’Roll oder Alicia Keys: Die Kurseiterinnen Carola Wirth (4.v.l) und Vanja Vukelic (6.v.l) wollen, dass junge Frauen den Sprung in eine Band wagen. ngu

Ob mit Rock’n’Roll oder Alicia Keys: Die Kurseiterinnen Carola Wirth (4.v.l) und Vanja Vukelic (6.v.l) wollen, dass junge Frauen den Sprung in eine Band wagen. ngu Bild: Nathalie Guinand

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Die Rampensau, sie rockt die Bühne – oder würde es vielmehr, wenn ihr nicht die vielen Rampeneber breitbeinig vor dem Scheinwerferlicht stünden. Bei Bands dominieren nach wie vor die Männer, beim Rock, beim Jazz, beim Blues, überall. Frauen, die E-Gitarre, E-Bass oder Schlagzeug spielen, sind so selten wie Mariachis im Mariental, und noch seltener gründen Frauen eine Band, mit der sie es später live krachen lassen. Der Verein Helvetiarockt will das ändern. Schweizweit bietet er in 15 Kantonen achtmonatige Bandworkshops für Frauen an, zum zweiten Mal nun auch in Winterthur. Die Kurse sollen Berührungsängste abbauen und Musikerinnen motivieren, dranzubleiben. In einem Proberaum der Musikschule Prova vis-à-vis des Musikklubs Salzhaus treffen sich Laura (25), Naomi (22), Geraldine (19), Virginia (18) und Jade (16) nun einmal pro Woche, letzten Donnerstagabend zum zweiten Mal.

Drummerin gesucht

«Wer geht ans Schlagzeug? Wer spielt Bass?», fragen die Kursleiterinnen Carola Wirth und Vanja Vukelic in die Runde. Kurz ist still. Dann schnappt sich Virginia den Bass und Geraldine die Drum-Sticks, eine kleine Jamsession beginnt. Zu siebt spielen sie den Refrain von Alicia Keys «Fallin’» im Loop, einer Endlosschlaufe, zwei Akkorde und ein Refrain, der sich mehrstimmig singen lässt. «Mädels, probiert auch die mittleren und hohen Lagen zu singen», sagt Wirth, macht es vor und stämpfelt den Takt mit. «Das ist ein super Training, um zu lernen, gegenseitig aufeinander zu hören», erklärt sie später. Dann werden Instrumente gewechselt. Beim nächsten Mal gehe es darum, dem Ganzen etwas mehr Struktur zu geben, sagt Wirth. «Und irgendwann lassen wir sie einfach machen.» Ziel ist es, ein Repertoire von mindestens fünf Songs einzuspielen und live zu performen, und zwar mit Verve.

«Wir wollen auf die Bühne!»

Die meisten der fünf jungen Frauen haben schon Gesangsstunden genommen und spielen ein Instrument. Sie sind vor allem gekommen, um Bühnenerfahrung zu sammeln. Teil des Workshops sind auch ein Konzertauftritt und ein Tag im Studio, um ein Stück aufzunehmen. «Wir sehen uns zum ersten Mal, aber es groovt schon richtig, auch zwischenmenschlich», sagt Naomi. Ihre erste Band hat sich schon bald wieder aufgelöst. Nachfolgerinnen fand sie keine.

Vanja Vukelic, die seit Jahren mit Neckless und seit kurzem mit ihrem Solo-Projekt Mama Jefferson als Bassistin unterwegs ist, sieht drei Gründe, warum Frauen auf der Bühne noch immer untervertreten sind: «Erstens braucht es Überwindung, in eine Männerdomäne einzudringen. Man muss sich mehr beweisen und manchmal die Ellbogen ausfahren. Das können Frauen vielleicht ein bisschen weniger gut. Zweitens sehen Eltern ihre Tochter nach wie vor lieber Querflöte spielen als Schlagzeug, und drittens muss man sich seine musikalischen Vorbilder erst suchen.» Auch sie selber hatte keins. «Meine Mutter ist eine sehr taffe Frau, die mir viel vorgelebt und mich immer unterstützt hat», sagt sie.

Schwarz sieht Vukelic für die Schweizer Musikbranche frauenmässig nicht. Sexismus gäbe es auch da. «Aber wer etwas kann, wird akzeptiert und gepusht.» Ihre Kollegin Carola Wirth, Sängerin, Gitarristin, Produzentin und als Berufsmusikerin ebenfalls mit zig Bands unterwegs, sieht es ähnlich.

Bis 2020 will Helvetiarockt 300 Musikerinnen dazu animieren, den Sprung in eine Band zu machen oder eine zu gründen. «Ob gemischt oder nicht, spielt keine Rolle. You got to get it while you can», sagt Vukelic. Gesagt hat das auch – Janis Joplin.

www.femalebandworkshops.ch (Landbote)

Erstellt: 07.11.2016, 13:15 Uhr

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