Architekturtag

Gedankenspiele zur Zukunft der Stadt

Ist Winterthur nicht ganz dicht? Diese Frage stellt am Samstag der Winterthurer Architekturtag und liefert mit einer grossen Ausstellung und Referaten im Rathausdurchgang selbst ein paar Antworten – ernste und spielerische zugleich.

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«Zu vermieten: lichtdurchflutete 4½-Zimmer-Wohnung an zentraler Stadtlage, mitten im pulsierenden Winterthur, mit unverstelltem Blick aufs Untertor und den Heiligberg, 10 Gehsekunden vom HB entfernt. 4100 Fr., exkl. NK.» Zugegeben, das Inserat ist frei erfunden, aber das Bild des Minihochhauses auf dem Pilzdach dazu (Bild 1) sieht beinahe aus wie echt. Es handelt sich dabei um einen der Beiträge zum Winterthurer Architekturtag, der am nächsten Samstag über die Bühne geht und einem aktuellen Thema gewidmet ist: der Verdichtung.

Mal utopisch, mal ironisch

«Wir wollten das Thema nicht hyperintellektuell behandeln, sondern möglichst anschaulich in die Bevölkerung tragen», sagt Peter Wehrli, der die Architekturtage mitveranstaltet. Darum habe man sich für eine Ausstellung im Rathausdurchgang entschieden. Dort sind am Samstag 100 Plakate zu sehen. Wehrli spricht von einer «Collage», mit mal realistischen, mal utopischen, mal ironischen Beiträgen.

Die Auswahl reicht von Fotos bereits realisierter Projekte über ausgewählte Stadtansichten bis hin zu Fantasiebildern wie der Elbphilharmonie über dem Hauptbahnhof (Bild 2). Auch realistische «Fotoschummeleien» finden sich unter den Plakaten, etwa ein Bild, das zeigt, wie der Neumarkt nach einer Aufstockung einzelner Altstadthäuser aussehen könnte (Bild 3). Ergänzend kommen diverse Planungsunterlagen hinzu. Abstraktere wie jene zur bipolaren Stadt. Aber auch konkrete, wie ein Plakat, das zeigt, wie sich der Winterthurer Boden pro Person gerechnet auf Wald, Siedlungs- und Landwirtschaftsfläche aufteilt (Bild 4).

Etwas einseitige Resonanz

Mit der Ausstellung habe man einfach einmal die unterschiedlichen Gedanken zum Thema sammeln wollen, sagt Wehrli. 500 Personen wurden ursprünglich eingeladen, sich mit Beiträgen zu beteiligen, darunter auch Persönlichkeiten aus Kunst und Politik. «Es war unser Ziel, ein möglichst breites Spektrum zu haben», so Wehrli. Die Resonanz ausserhalb von Architekturkreisen blieb dann aber eher gering.

Dabei wird sich zumindest die Politik bald mit der Zukunft Winterthurs auseinandersetzen müssen. Die Stadt hat unter dem Titel «Winterthur 2040» eine Testplanung ausgeschrieben und bereits zwei Teams ausgewählt, die den Auftrag bearbeiten werden. Im Frühling 2019 sollen die Ergebnisse vorliegen. «Wir wollen eine räumliche Entwicklungsper­spektive gewinnen zu Themen wie qualitätsvolle Innenentwicklung, Verkehr und demografischer Wandel», sagt Peter Baki vom Amt für Städtebau. Es sei eine anspruchsvolle Aufgabe. «Wir sprechen heute von der Digi­talisierung, von Smart Citys und selbstfahrenden Autos, aber niemand weiss wirklich, was das in zwanzig Jahren heisst.»

Platz für 125 000 Einwohner

Baki hält an den Architekturtagen einen Vortrag (ab 14 Uhr), in dem er sich mit dem Zukunftsbild der Stadt bis 2030 und darüber hinaus befasst. Mit den bestehenden Baulandreserven sei in Winterthur Platz für 125 000 Einwohner, sagt Baki. Wenn die Stadt darüber hinaus wachse, brauche es Entwicklungsperspektiven.

Nebst Baki spricht am Samstag auch Regula Iseli, Leiterin des Instituts Urban Landscape an der ZHAW, über Verdichtung und Qualität und Verkehrsplaner ­Lukas Fischer über Dichtestress. Und damit der Architekturtag auch ja nicht zu trocken wird, steuert Slam-Poet Renato Kaiser zu jedem Thema ein paar Pointen bei. (Der Landbote)

Erstellt: 13.09.2017, 13:15 Uhr

Infobox

Alle Infos zum Architekturtag am 16. September unter www.architekturtag.ch. Die Ausstellung wird in der Folge im Forum Architektur gezeigt, mit einer Podiumsdiskussion zur ­Finissage am 28. September.

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