Winterthur

«Media-Markt ist die bessere Marke»

Wegen leerer Ladenflächen kam das Kesselhaus kaum aus den Negativschlagzeilen heraus. Nun hoffen alle, dass mit dem Media-Markt-Einzug die Kehrtwende gelingt.

Der 40-jährige Domenico Bazzano ist Geschäftsführer sowohl der neuen Filiale im Kesselhaus als auch jener in Hegi.

Der 40-jährige Domenico Bazzano ist Geschäftsführer sowohl der neuen Filiale im Kesselhaus als auch jener in Hegi. Bild: Marc Dahinden

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So geschäftiges Treiben herrschte im Kesselhaus schon lange nicht mehr. Angestellte räumen Gestelle ein und wechseln Schilder aus. Am Donnerstag soll alles bereit sein für die Eröffnung der neuen Media-Markt-Filiale.

Nachdem Saturn, der zum gleichen Unternehmen gehörte, vor zwei Jahren auszog, standen die Räume trotz bis 2020 laufendem Mietvertrag leer. Nun versucht der Elektronikriese noch einmal, im Kesselhaus Fuss zu fassen (siehe rechts). Geschäftsführer Domenico Bazzano erklärt, was man diesmal besser machen will.

Sie waren Geschäftsführer des 2013 geschlossenen Saturn, nun kehren Sie mit einem Media-Markt an den gleichen Ort zurück. Weshalb glauben Sie, dass Sie mit Media-Markt mehr Erfolg haben werden?
Domenico Bazzano: Media-Markt ist eine viel stärkere Marke, als Saturn es war. Sie ist in der Schweiz deutlich besser etabliert. Hinzu kommt, dass sich die Voraussetzungen gebessert haben: Das Kesselhaus erhält bald eine direkte Fussgängeranbindung zum Bahnhof und im nahen Superblock arbeiten inzwischen rund 2000 Leute. So kommen hoffentlich mehr Besucher ins Kesselhaus. Vor allem aber treten wir mit einem neuen Kleinflächenkonzept auf. Dieses sieht vor, Märkte mit kleineren Flächen bis 1200 Quadratmeter und urbanem Sortiment in zen­trumsnahen Citylagen zu eröffnen. Wir setzen auf portable Geräte wie Smartphones, Smartwatches und Fitness-Gadgets, aber auch auf Kaffeemaschinen oder Beautyprodukte wie Epiliergeräte.

Im Kesselhaus hat der Media-Markt rund 3000 Quadratmeter Ladenfläche, das ist doch keine Kleinfläche?
Das stimmt. Wir setzen das Kleinflächenkonzept dar­um nur im oberen Geschoss um. Dieses umfasst rund 1100 Quadratmeter. Auf dem verbleibenden Raum im Untergeschoss haben wir eine Ausstellung mit Grossgeräten wie Kühlschränke oder Waschmaschinen. Zudem bieten wir mit über 70 000 CDs, Filmen und Games die grösste Unterhaltungsabteilung der Schweiz.

Es scheint, als ob Sie das untere Geschoss einfach irgendwie füllen mussten, ist Ihnen die Fläche fast eher eine Last?
Überhaupt nicht. Wir haben dank der grossen Fläche Freiräume, die die meisten anderen Media-Märkte nicht haben. Wir haben eine Game-Zone mit acht Plätzen und die Unterhaltungsabteilung soll zum Verweilen einladen. Der Kunde kann in jede CD reinhören. Zudem wird es eine Bühne geben, auf der wir Konzerte veranstalten. Ich hoffe, Baschi oder Dodo nach Winterthur zu bringen.

Ist es möglich, mit so grosser Fläche rentabel zu arbeiten?
Ich denke schon. Ich bin auch Geschäftsführer des Media-Marktes in Hegi und wir können viele Syner­gie­n nutzen. Die ganze Administration ist in Hegi. Wir haben im Kesselhaus 19 Mitarbeitende, bei Saturn waren es zu Beginn 49.

Konkurrenzieren Sie mit dem neuen Markt nicht den bestehenden in Hegi?
Wir rechnen damit, dass sich ein Teil des Umsatzes verschiebt. Dennoch erhoffen wir uns einen Mehrumsatz, schliesslich bieten wir in den zwei Märkten ein komplementäres Sortiment. In Hegi findet man eine grössere Auswahl an Computern, TV- oder Haushaltgeräten, weil die Leute dort eher mit dem Auto hinfahren. An der zentralen Citylage setzen wir auf portable Artikel. Wir haben hier auch kein grosses Lager.

Verweisen Sie Kunden nach Hegi weiter, wenn sie im Kesselhaus etwas nicht finden?
Nein, das ist nicht nötig. Wir verlinken im neuen Media-Markt das reale mit dem virtuellen Einkaufen. Wir haben grosse Touchscreens, die über das gesamte Media-Markt-Angebot informieren. Jedes Produkt kann dank einem QR-Code direkt per Smartphone in die Filiale bestellt werden. Wie haben Sie geöffnet? Können Kinobesucher abends im Laden stöbern?
Vorderhand ist dies nicht möglich. Wir haben von 10 bis 18.30 Uhr geöffnet. Wir starten gemächlich, auch aus Kostengründen. Lieber bauen wir später aus, als dass wir Rückschritte machen müssen.

Erstellt: 22.09.2015, 18:38 Uhr

Saturn-Auszug löste Krise im Kesselhaus aus

Vor über fünf Jahren feierte schon einmal ein Elektronikriese im Kesselhaus Eröffnung. Saturn zog ein, schloss die Filiale aber bereits nach rund drei Jahren wieder.

Damals zog sich Saturn ganz aus der Schweiz zurück, vier der sechs Filialen wurden von Media-Markt übernommen. Jene in Winterthur wurde aufgegeben, sie habe sich enttäuschend entwickelt, hiess es. Das Aus von Saturn stellte die anderen Kesselhaus-Mieter vor Probleme. Weil die Laufkundschaft ausblieb, mussten drei der fünf Imbissstände im Food-Court schliessen. Der Skaterladen Doodah gab ebenfalls auf. Nachmieter suchte man vergeblich. Die Kesselhaus-Besitzerin UBS hatte auch keine Eile: Saturn hatte einen 10-Jahres-Vertrag unterzeichnet, Doodahs Mietvertrag lief bis 2017.

Doodah will trotz Media-Markt-Einzug nicht zurückkehren. Gemäss der Vermieterin Wincasa laufen aber derzeit «vielversprechende Verhandlungen» mit neuen Mietern. Konkrete Namen könne man jedoch noch nicht nennen.

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