Winterthur

Parlament will mehr Frauen im städtischen Kader

Mindestens jede dritte Kaderstelle in der Stadtverwaltung soll eine Frau besetzen. Dies beschloss gestern der Gemeinderat. Vehement dagegen stemmten sich zwei Frauen.

Im städtischen Kader soll der Frauenanteil auf mindestens 35 Prozent steigen.

Im städtischen Kader soll der Frauenanteil auf mindestens 35 Prozent steigen. Bild: pd

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Am härtesten fochten gestern im Gemeinderat die Frauen eine Frage aus: Soll in der Stadtverwaltung mindestens jede dritte Kaderstelle von einer Frau besetzt werden?

Für diese «verbindliche Zielvorgabe» von mindestens 35 Prozent setzte sich eine Mitte-links-Mehrheit, angeführt von den Grünliberalen, ein und durch. «Heute hat ein Mann eine dreieinhalbmal grössere Chance, in die städtische Führungsetage zu kommen, als eine Frau», argumentierte die Erstunterzeichnerin, Katrin Cometta (GLP).

«Heute hat ein Mann eine dreieinhalbmal grössere Chance, in die städtische Führungsetage zu kommen, als eine Frau»

Dabei sei erwiesen, dass ein höherer Frauenanteil Klima und Effizienz in einem Betrieb verbessere. Zudem definiere man hier lediglich Ziele. 35 Prozent, das sei keine Maximalforderung. Würden sie nicht erreicht, müsse man sich gegenüber dem Rat erklären. Sanktionen aber seien nicht geplant, und je nach Departement und Frauenanteil liesse sich der Anteil anpassen.

Chantal Leupi (SVP) mokierte sich über den Vorstoss. Die gesetzliche Grundlage, die Gleichstellung zu fördern, bestehe bereits, während Iris Kuster (CVP) es für effektiver befand, Gender-Stereotype schon im Kindergartenalter abzubauen. Die Frauenförderung liege ihr am Herzen: «Aber ich will keine Quotenfrau sein.»

Während Doris Hofstetter (Grüne) daraufhin daran erinnerte, dass die Schweiz in den internationalen Gleichstellungsrankings zuletzt abgerutscht war, verwies die FDP auf die Diversity-Strategie der Stadt, die es umzusetzen gelte. «Zudem wird hier eine eindeutige Stadtratsaufgabe dem Parlament zugeteilt», kritisierte Urs Hofer.

De facto eine Quotenregelung

Auch Stadtpräsident Michael Künzle (CVP) äusserte sich skeptisch – und stolperte in einem Nebensatz prompt über ein Gender-Stereotyp: In gewissen Abteilungen und Departementen sei die Zusammensetzung nun einmal «von Natur aus» gegeben. In der Praxis sei eine Zielvorgabe nichts anderes als eine Quotenregelung.

Die Motion wurde mit 31:25 Stimmen an den Stadtrat überwiesen, der nun eine Gesetzesvorlage ausarbeiten muss.

(Der Landbote)

Erstellt: 17.04.2018, 09:39 Uhr

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