Winterthur

Nach langem Stillstand wird bald konkret beim Umbau des Technikums

Eigentlich solltebereits gebaut werden. Doch die Bildungsdirektion hatte den 300-Millionen-Franken-Umbau des ZHAW-Techni­kum-Areals zwei Jahre langauf Eis gelegt. Nun wird das Projekt wieder angestossen.

Zur Eulach hin soll ein grosszügiger öffentlicher Park entstehen. Im Hintergrund: Das neue Laborgebäude, wie es einmal aussehen könnte.

Zur Eulach hin soll ein grosszügiger öffentlicher Park entstehen. Im Hintergrund: Das neue Laborgebäude, wie es einmal aussehen könnte. Bild: zvg

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Die Bilder sind vielen nur noch vage vor Augen: Studenten und Familien ruhen sich entlang der auffällig breiten Eulach auf einer grosszügigen Parkterrasse aus, während im Hintergrund die Glasfassaden mächtiger moderner Kuben schimmern. Das Technikum der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) sollte auf seinem Campus T eine komplett neue Infrastruktur bekommen, gebaut in Etappen. 300 Millionen Franken wollte der Kanton investieren, 2012 hatten die Bildungs- und die Baudirektion die Ergebnisse der Testplanung für das riesige Umbauprojekt präsentiert. Die Nutzfläche sollte um fast 40 Prozent auf über fünf Fussballfelder vergrössert werden, denn die Anzahl Studierende wächst seit Jahren und wird weiter wachsen (siehe Kasten).Schon in diesem Jahr, so die damalige Ankündigung, hätten im südlichen Teil des Campus die ersten Arbeiten starten sollen. Doch es kam anders: Erst in ein paar Wochen lanciert das Hochbauamt nun die Vorqualifizierung für den Architekturwettbewerb, wie es auf Anfrage heisst – fast fünf Jahre verspätet.

2014: Der Tritt auf die Bremse

Grund für die Verzögerung: Das Projekt wurde Anfang 2014 sistiert. Weil das Geld fehlte, war es aus dem Entwicklung- und Finanzplan gefallen. Weiter ausgebremst hat den Campus-Umbau dann Ende Jahr die Diskussion um einen möglichen Umzug des Techs nach Dübendorf in den Innovationspark. Nach lauten Protesten war diese Idee zwar wenige Monate später wieder vom Tisch, doch die Planung für das Campus- T-Projekt wurde erst Anfang 2016 wieder aufgenommen. Nun ist sie Teil der langfristigen Investitionsplanung.

Stillschweigend sistiert

Öffentlich kommuniziert wurde die Sistierung nie, auch die zuständigen Kommissionen im Kantonsrat waren nicht im Bild. Die Institutsleitung aber waroffenbar informiert. «Vollständig und fristgerecht», wie Martina Hirayama, die Direktorin der School of Engineering (SoE), sagt. Forschungsprojekte oder dergleichen seien wegen der mehrjährigen Verzögerung keine gescheitert.

Dass die Platznot akut ist, zeigt allerdings, dass die SoE über die Jahre weiter ausgefranst ist und zusätzliche Fläche anmieten musste, auf dem Lagerplatz, entlang der Technikumstrasse und sogar mitten in der Altstadt an der Oberen Kirchgasse. Dank Bündelung an einem Standort seien künftig auch «innovative Unterrichtsformen» in einer modernen Infrastruktur möglich, die der wachsenden Anzahl Studierender gerecht werde.

Projekt bleibt gleich

Abgespeckt hat der Kanton den Umbau offenbar nicht. «An den bisherigen Plänen hat sich nichts Wesentliches verändert», sagt Wolfgang Annighöfer, der Leiter Finanzen und Bauten bei der Bildungsdirektion. Das heisst: Mehrere Gebäude werden abgerissen und neu gebaut, und entlang einer verbreiterten Eulach entsteht ein «grosszügiger Wasserpark», der öffentlich zugänglich ist. Ersetzt werden das Bibliotheksgebäude hinter dem Hauptgebäude sowie sämtliche Bauten entlang der Wildbachstrasse im Anschluss an den hufeisenförmigen Ostflügel. Dazu zählen das Chemiegebäude, das Maschinenlabor, das Gebäude der Verfahrenstechniker und vor allem das klotzige Laborgebäude zur Eulach hin.

Die Bauten hin zur Technikumstrasse bleiben wohl unangetastet. Der grosse Wurf entsteht auf der Rückseite hin zur Eulach.

Wie der Campus dereinst aussehen könnte, zeigt das Siegerprojekt der Testplanung, das von den Architekten der Zürcher Dürig AG stammt. Ihr Entwurf sah hinter dem Hauptgebäude einen kleineren Anbau für das Auditorium vor und versetzt dahinter entlang der Wildbachstrasse einen grossen und einen kleinen Kubus, beide mit leicht gegeneinander verschobenen Geschossen (siehe oberstes Bild). Auch das Physikgebäude würde möglicherweise ersetzt. Zur Eulach hin entstünde dadurch viel Platz für einen grünen, terrassenartig abgestuften Wasserpark mit Bäumen, was die Jury damals vor fünf Jahren besonders überzeugt hat.

Von Hochhäusern als «Landmarks» riet die Jury ab, und gar nicht infrage kommt ein Abriss der markanten historischen Gebäude an der Technikumstrasse. Hier legte die kantonale Denkmalpflege ihr Veto ein. Im Ost­gebäude läuft es daher auf einen Hofausbau hinaus.

Baustart ohne Abriss

Nach der Vorqualifikation, die in den nächsten Wochen startet, soll der Projektsieger 2018 feststehen. Frühestens 2022 könnten die Arbeiten dann beginnen, offenbar mit einem Neubau eines kleinen Forschungsgebäudes an der Ecke Wildbachstrasse/Rosenstrasse.

Einen richtungweisenden Entscheid will die Bildungsdirektion laut Annighöfer noch bis Ende Jahr fällen, nämlich ob die ZHAW ihren Hauptsitz nun definitiv in die Lokstadt aufs Sulzer-Areal verlegen wird. ()

Erstellt: 27.11.2017, 18:32 Uhr

Die ZHAW wächst, aber nicht an jedem Institut

Winterthur ist mit über 9000 Studierenden der mit Abstand grösste Standort der ZHAW (Stand 2016, Wädenswil: rund 1600, Zürich: rund 1300). Besonders beliebt ist die School of Management and Law (4517, +9 Prozent im Vorjahresvergleich), gefolgt von der School of Engeneering (2061, +4%) und dem Bereich Gesundheit (1500, +6%). Einzig bei den Architekten und Bauingenieuren ist die Zahl gesunken (441, –6%). Beim Kanton geht man davon aus, dass in Winterthur bis 2020 gegen 10 000 Personen Vorlesungen und Kurse besuchen werden. Auch die Weiterbildungen sind beliebt. 2016 machten 4300 Personen ein Certificate of Advanced Studies (+20%).

Am Standort Wädenswil wächst die ZHAW ebenfalls. Vor drei Wochen hat der Regierungsrat beim Parlament einen Kredit von 48 Millionen Franken für den Um- und Ausbau eines neuen Labors beantragt.

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