Wülflingen

Neues Kraftwerk am Töss-Wasserfall: Die Fronten bleiben verhärtet

Investoren und Gegner eines neuen Kleinwasserkraftwerks an der Töss trafen sich nochmals, um die Differenzen zu klären. Gebracht hat es wenig. Die Entegra Wasserkraft AG erwägt nun einen Bau auf der anderen Uferseite.

Am linken Ufer war das Flusskraftwerk geplant, direkt unter dem Wasserfall, doch auch Bäume hätten gefällt werden müssen. Die Stadt und der Verein Aqua Viva rekurrierten dagegen.

Am linken Ufer war das Flusskraftwerk geplant, direkt unter dem Wasserfall, doch auch Bäume hätten gefällt werden müssen. Die Stadt und der Verein Aqua Viva rekurrierten dagegen. Bild: M. Dahinden

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Geplant war es am linken Tössufer mit einer Turbine direkt unter dem tosenden Wasserfall, doch dort wird das geplante Kleinwasserkraftwerk Wespimühle wohl nicht mehr gebaut. «Dieses Projekt haben wir auf Eis gelegt», sagt Peter Eichenberger, der Projektleiter der Entregra AG aus St.Gallen. Zusammen mit der Winterthurer Baufirma Leemann+Bretscher träte sie als Investorin auf und wäre am Kraftwerk beteiligt. Doch bei diesem Projekt stockt und staut es schon seit Jahren. Einsprachen dagegen kamen von der Stadt, den Anwohnern und dem Naturschutzverein Aqua Viva. Ende letzten Oktober trafen sich die Parteien letztmals an einem runden Tisch. Auch der Kanton, unter dessen Hoheit die Flüsse liegen, schickte Vertreter der Denkmalpflege und dem Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (Awel) und der Fischerei- und Jagdverwaltung.

Das Sitzungsprotokoll liegt dem Landboten vor. Es zeigt, dass die Gegner des Kraftwerks kein Jota von ihrer Position abweichen: Die Stadt will die Töss als Naherholungsgebiet aufwerten und verweist auf ihr verbindliches Leitbild von 2013. Wasser soll im künftigen Tösspark «erlebbar» werden, beim Tösswasserfall beispielsweise über einen Aussichtsbalkon am Wehr. Beim Tiefbauamt befürchtet man, dass ein neues Kraftwerk sich zu stark mit den Tösspark-Plänen beissen würde. Ein Landschaftskonzept samt Visualisierung sei zwingend. Aqua Viva qualifiziert das Projekt als «ökonomische Maximalvariante».

Den Einwand, ein Fischaufstieg reiche als ökologischer Ausgleich nicht aus, lässt das kantonale Amt für Landschaft und Natur aber nicht gelten. Ohnehin kommen von Kantonsseite kaum Vorbehalte. Die Behörden stufen das Projekt als grundsätzlich bewilligungsfähig ein, was sie vor knapp zehn Jahren in einem Vorentscheid schon einmal festhielten.

Neuer Typ Wasserkraftwerk mit versenkter Turbine

Zur Zeit wägt die Entegra AG ab, ob sie die Planung für ein weiteres sogenanntes Ausleitkraftwerk bei der Wespimühle in Angriff nimmt, wie es heute bereits eines gibt. Das Wasser wird dabei auf Höhe Wasserfall über einen Kanal ausgeleitet und fliesst über eine Druckleitung knapp 100 Meter weiter zur Turbine in der Wespimühle. Dort fällt es und fliesst danach über einen Unterwasserkanal wieder zurück in den Fluss. Nach diesem Prinzip liefert das Wasserkraftwerk bereits Strom für über 30 Einfamilienhäuser. Bis 2010 wurde damit in der Wespimühle auch Korn gemahlen.

«Die Wespimühle wäre nicht betroffen»

Die neue zweite Turbine mit der zehnfachen Leistung würde in einem Schacht ausserhalb der Wespimühle versenkt: «Die Mühle selber würde nicht tangiert», sagt Eichenberger. Wohl aber der Unterwasserkanal, über den das Wasser hinter der Wespimühle zurück in die Töss fliesst. Weil die Anlage im kantonalen Schutzinventar steht, könnte dieser nicht ohne Weiteres aufgehoben werden. Die Wespimühle deswegen aus dem Inventar zu streichen, dürfte auf Widerstand stossen, wie dies bei deren geplantem Umbau der Fall ist (siehe Info-Box links).

«Es gäbe wohl auch auf der anderen Seite des Flusses Widerstand», befürchtet Eichenberger. Zum Beispiel sei wegen der Bauarbeiten mit Einsprachen der benachbarten Wohneigentümer zu rechnen. Über deren Land führt der Zulaufkanal. Darin müsste die neue Rohrleitung zur Mühle eingegraben werden, ein offenbar recht aufwendiges Unterfangen. Die Stadt dürfte ähnliche Bedenken anbringen. Weil bei der neuen Variante mehr Wasser ausgeleitet würde, könnten zeitweise nurmehr 600 Liter pro Sekunde in die Tiefe stürzen – kein Tösspark-Spektakel, wie es sich die Stadt vorstellt.

Bei den Bauherren wägt man nun Kosten und Nutzen ab. Die staatlichen Subventionen für Strom aus Wasserkraft fliessen nicht mehr, wie noch vor zehn Jahren. ()

Erstellt: 22.07.2018, 14:58 Uhr

Zivilklage eingereicht

Im Streit um das Vermögen des Vereins Pro Wespimühle zeichnet sich zwischen den Parteien offenbar ein Kompromiss ab. Diese haben sich dem Vernehmen nach vor zwei Wochen vor dem Friedensrichteramt getroffen. Ehemalige Mitglieder hatten gegen den Vereinsvorstand Klage eingereicht, nachdem dieser den Verein im kleinen Kreis aufgelöst hatte, statt im Plenum, und ohne sämtliche Mitglieder einzuladen. An der letzten Sitzung wurde dann entschieden, das Vereinsvermögen von knapp 30 000 Franken dem Verein Dorfmuseum Wülflingen zu überweisen. Dieser will das Geld in ein Museum investieren, das im Erdgeschoss der Wespimühle geplant ist, und die Besitzerin der Baufirma L+B will in obergeschossige Büros einziehen. Dafür müsste die schutzwürdige Mühle umgebaut werden.

Dagegen wehren sich die Kläger. Sie sähen es lieber, wenn die 1428 erstmals urkundlich erwähnte Mühle wieder im Schaubetrieb laufen würde. Offenbar hat man vor dem Friedensrichteramt nun diverse Szenarien gewälzt. Nun entscheiden die Baukommission und die kantonale Denkmalpflege, wie es weitergeht. Letztere hatte ein erstes Baugesuch zurückgewiesen. Die Zivilklage ist sistiert. hit

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