Winterthur

Rieter plant Neubau in Töss

Die Maschinenfabrik Rieter will ihre rund 700 Arbeitsplätze in einem Hightech-Neubau zusammenlegen. «Ein starkes Bekenntnis zum Standort Winterthur», sagt Konzernleitungsmitglied Thomas Anwander.

Eingang des Rieter-Firmengeländes. Die Halle 40, rechts im Bild, soll schon 2018 abgerissen werden und letztlich einem Neubau weichen.

Eingang des Rieter-Firmengeländes. Die Halle 40, rechts im Bild, soll schon 2018 abgerissen werden und letztlich einem Neubau weichen. Bild: Archiv: Marc Dahinden

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Dass Rieter in Töss Veränderungen plant, war bekannt. Das Areal des Textilmaschinen-Herstellers ist nach der Schliessung der Fertigung letztes Jahr zu gross geworden. Politiker und Anwohner werweissten schon, wie die frei werdenden Flächen dereinst als Wohn- und Gewerbeareal genutzt werden könnten.

Doch heute Freitag überraschte Rieter mit ganz anderen Neuigkeiten: Das 222-jährige Unternehmen will sich auf dem Firmengelände an der Klosterstrasse völlig neu aufstellen. Auf rund 30 000 Quadratmetern Fläche sollen ein Kundenzentrum, die Forschungs- und Entwicklungsabteilung, die Montage und die Verwaltung Platz finden. Diese bisher auf dem ganzen Gelände verstreuten Aufgaben sollen in einem modernen Neubau zusammengefasst werden, der im westlichsten Arealteil, nahe der Zürcherstrasse zu stehen kommt.

Vorbild Google

Das neue Gebäude solle eine «Visualisierung dessen sein, wofür Rieter steht», sagt Thomas Anwander. «In China und Indien wird man immer günstiger produzieren können. In der Schweiz müssen wir uns durch höchste Innovation und Qualität abheben.» Die Winterthurer neigten manchmal dazu, in Industrie-Nostalgik zu verfallen und den alten Zeiten als Arbeiterstadt nachzutrauern, so Anwander. «Das neue Hauptquartier zeigt ganz deutlich: Wir blicken nicht nach hinten, sondern nach vorne, in die Zukunft.»

Und diese Zukunft heisst Industrie 4.0, also die ständig fortschreitende Automatisierung und Digitalisierung aller Herstellungsprozesse. Um die klügsten Ingenieure und Software-Entwickler anzuziehen, müsse man auch ein attraktives Arbeitsumfeld bieten, sagt Anwander. Statt enger Flure und Einzelbüros solle es helle, offene Räume geben, wo Spezialisten verschiedener Disziplinen zusammen Lösungen entwickeln können. «Es wird nicht wie bei Google, aber an diesen Massstäben werden wir heute gemessen», sagt Anwander.

Wettbewerb zwischen fünf Planungsbüros

Einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag will sich Rieter den neuen Sitz voraussichtlich kosten lassen. «Rieter gibt damit ein starkes Bekenntnis zum Standort Winterthur ab», sagt Anwander. Der Neubau soll kein reiner Showroom und Bürokomplex sein. Auch weiterhin sollen hier auch Textilmaschinen montiert werden. «Solange unsere Kunden bereit sind, für ‹Swiss Origin› einen Aufpreis zu zahlen, werden wir dies auch anbieten», sagt Anwander. Bereits jetzt sind aber mindestens drei Viertel der rund 700 Winterthurer Mitarbeiter in Büros und Labors tätig, und nicht in Montagehallen.

Der Zeitplan ist ehrgeizig. Im November startet der Architekturwettbewerb, im März sollen die Planungsbüros ihre Entwürfe abgeben und in etwa einem Jahr will der Verwaltungsrat einen definitiven Entscheid fällen. «Unser Ziel ist ein Baustart im vierten Quartal 2019. Bis Mitte 2021 möchten wir einziehen», sagt Anwander. Mit dem Stadtrat habe man bereits Vorgespräche geführt, die Signale seien positiv. «Das Land liegt bereits in der Industriezone, wir rechnen darum mit einem raschen Projektverlauf.» Zum Wettbewerb eingeladen wurden fünf erfahrene Planungsbüros aus dem Kanton Zürich, darunter die zwei Winterthurer Büros RLC Architekten und BDE Architekten.

Die Halle 40 soll bald abgerissen werden

Voraussichtlich schon im nächsten Jahr erfolgt der Abriss der Werkhalle 40. Sie liegt auf dem Gelände des ehemaligen Klosters Töss. Rieter möchte damit den Behörden genügend Zeit geben, archäologische Sondierungen und allfällige Rettungsgrabungen durchzuführen. Mit den derzeitigen Mietern, darunter die Brühlgut-Stiftung, stehe man in Verhandlungen.

Im zweiten Schritt kommt das "Rieter-Quartier"

Über den Rest des Geländes will man sich bei Rieter in einem zweiten Schritt Gedanken machen. «Der Verwaltungsrat trennt das bewusst in zwei Schritte», sagt Anwander. Fest steht: Mit der Konzentration im westlichsten Arealteil verringert Rieter innerhalb der nächsten Jahre ihren Fussabdruck massiv und spielt innerhalb ihres 100 000 Quadratmeter grossen Grundstücks eine zusammenhängende Fläche frei, die zu begehrtem und gut erschlossenem Bauland werden könnte. Genug Platz für ein kleines neues «Rieter-Quartier» neben dem Eichliacker.

(Landbote)

Erstellt: 06.10.2017, 16:17 Uhr

Das Rieter-Areal in Töss.

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