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Fliegen in Winterthur

Wer sich nicht traut, mit dem Fallschirm aus dem Flugzeug zu springen, kann sich den Wunsch vom Fliegen bald in Winterthur erfüllen. Drei Jungunternehmer bauen im Ohrbühl den ersten Windkanal der Deutschschweiz, gestern war Spatenstich.

Reto Welti, Andri Steinmann und Tobias Oertle zeigen das Modell für den ersten Skydiving Windkanal in der Deutschschweiz.
Reto Welti, Andri Steinmann und Tobias Oertle zeigen das Modell für den ersten Skydiving Windkanal in der Deutschschweiz.
Marc Dahinden

Es war ein bemerkenswerter Satz: «Vielleicht wird auch der Stadtrat als ganzes Gremium einmal abheben und in die Luft gehen», sagte Stadtpräsident Miachel Künzle (CVP) gestern morgen, und wäre der Kontext nicht der Spatenstich für das Projekt «Windwerk» gewesen, wer weiss, was er damit hätte gemeint haben können. Im Ohrbühl entsteht in den nächsten Monaten der erste Indoor-Skydiving-Windkanal der Deutschschweiz. Die Initianten, drei junge Fallschirmspringer, luden Medien und Politik gestern auf das Baufeld ein und stellten das Projekt und seine Beteiligten vor. Darunter sind auch drei bekannte Unternehmer aus der Region: Der Treuhänder Bruno Bosshard und Frank Studerus, Geschäftsführer einer Netzwerktechnologiefirma – beide einst Fallschirmspringer – sowie Zani-Geschäftsführer Gerhard Künzler investieren ins über 10 Millionen Franken teure «Windwerk».

Ein 17 Meter hoher Flugturm

Das Projekt passe perfekt nach Winterthur, sagte Tobias Oertle, der einzige Winterthurer unter den Initianten. «Nach dem Skillspark und der Gokartbahn fehlt der Stadt noch ein Windkanal.» Und sein Geschäftspartner Reto Welti sagt es so: «Winterthur braucht eine Anlage, die im Durchschnitt jede Minute jemanden glücklich macht.» Das 25 000 Quadratmeter grosse Grundstück im Ohrbühl haben die drei Jungunternehmer dem Bauunternehmen Zani abgekauft. Dasselbe Unternehmen baut nun das 25 Meter hohe und 10 Meter tiefe Gebäude mit dem Windkanal. Dieser wird 17 Meter hoch werden und einen Durchmesser von knapp über 4 Meter haben. Die Technik liefert ein deutschen Hersteller. 280 km/h wird die maximale Windstärke betragen. «Damit können aber nur Profis fliegen», sagt Oertle. Für Anfänger wird der Wind auf etwa 160 km/h gedrosselt – was immer noch knapp 30 km/h stärker ist als Ophelia, der Sturm, der gestern über Irland fegte. Als Zielpublikum des Windkanals sehen die Initianten nicht nur gestandene Fallschirmspringern, sondern alle, die einmal den freien Fall erleben wollen, sich aber nicht trauen, mit einem Fallschirm am Rücken aus einemFlugzeug zu springen. «Solange man sich an die Anweisungen der Instruktoren hält, sind die Flüge risikolos», sagt Oertle. Das Erlebnis wollen die drei Initianten auch Firmen anbieten. Windwerk soll für Teamausflüge und Abteilungsanlässe gebucht werden können. Neben den sogenannten «Frist Flyern» soll der Windkanal professionellen Fallschirmspringern und Indoor-Skydiver als Trainingsanlage dienen. Oertle, Steinmann und Welti sind selber um die ganze Welt gereist, um trainieren zu können. «Es ist ein viel effizienteres Training», sagt Oertle, «nicht wetterabhängig, günstiger, und man kann unbegrenzt viele Flüge machen.» Sprünge aus dem Flugzeug würden pro Tag 10 bis 12 drinliegen, was einer Flugzeit von 400 Sekunden entspreche.

Schweben anstatt zu fallen

«Im Windkanal kann man sich auch besser auf die Körperposition fokussieren und man hat keinen Fallschirmcontainer, der es schwieriger macht, die Bewegungen zu kontrollieren», sagt Oertle. In der Luft verändern schon die geringsten Bewegungen die Höhe des Fliegers. «Da man im Windkanal auch viel weniger Platz hat, als im Himmel, lernt man, diese Bewegungen zu verfeinern», sagt Oertle. Beim Flug im Himmel könne man primär die Geschwindigkeit beeinflussen, mit der man von 3500 Metern auf 1000 Meter herrunterfällt. Im Kanal hingegen schwebt man und fliegt je nach Körperhaltung nach oben oder nach unten. Die Frage, was ökologischer ist, der Windkanal oder der Sprung aus dem Flugzeug, können die Initianten nicht beantworten. «Klar, die Anlage braucht viel Energie», sagt Steinmann. «Aber Bergbahnen zum Beispiel schlagen uns noch bei Weitem.» Ihr Strom stamme zu hundert Prozent aus Wasserkraft und als erstes Windkanal-Projekt werde im «Windwerk» die Abwärme für Heizung und Warmwasser genutzt. Ende 2018 soll das «Windwerk» eröffnen. Dann kann jeder fliegen, der will. Zu einem Einstiegspreis von 89 Franken.

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