Stadtbus

Stadt setzt auf Erfahrung von auswärts

In der Schweiz laufen mehrere Versuche mit selbstfahrenden Bussen. Winterthur will davon profitieren, ohne teilzunehmen.

Das selbstfahrende Postauto in Sitten begeistert Touristen.

Das selbstfahrende Postauto in Sitten begeistert Touristen. Bild: Sedrik Nemeth

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Eineinhalb Jahr dauerte der Versuch mit selbstfahrenden Bussen in Sitten. Nun wird der Betrieb verlängert und die Strecke der Smart Shuttle genannten Fahrzeuge verdoppelt. Katharina Merkle, Sprecherin der Postauto AG, ist hoch zufrieden: «In der Versuchszeit haben wir 32 000 Fahrgäste befördert.»In Winterthur reichten letztes Jahr die CVP, FDP und GLP eine Interpellation ein. Die Unterzeichner wollten vom Stadtrat wissen, wie er die Möglichkeiten von selbstfahrenden Bussen einschätze.

Von Sitten bis Schaffhausen

In der Antwort des Stadtrats steht der Satz: «Derzeit sind keine alltagtauglichen Fahrzeuge verfügbar». Der Rest des stadträtlichen Schreibens zählt Gründe auf, worum die Stadt Winterthur keine smarten Busse einsetzen könne. Neuhausen kann das. Zug auch bald. Und vielleicht sogar das bündnerische Maienfeld. Klar gibt es mit den Smart Shuttles noch technische Probleme. Ganz so schlau ist die Technologie vorderhand nicht. In Sitten gab es einen kleinen Unfall. Das selbstfahrende Postauto streifte eine geöffnete Hecktüre. In Zug haben die dort federführenden SBB den Versuchsbetrieb auf einen nicht genannten Zeitpunkt im Jahr 2018 verschoben. Die Betreiber mussten den Hersteller des selbstfahrenden Busses wechseln. Das sind jedoch wichtige Lernprozesse. Warum also zieht Winterthur nicht mit?

Das selbstfahrende Postauto unterwegs in Sitten. Postauto AG via Youtube

Im Gespräch erklärt der zuständige Winterthurer Stadtrat Stefan Fritschi schlüssiger als in der schriftlichen Antwort, warum in Winterthur keine smart Shuttles fahren: «Es macht keinen Sinn, wenn in der Schweiz an hundert Orten gleichzeitig selbstfahrende Busse getestet werden», sagt Fritschi. Man profitiere ja auch so von der Erfahrung der verschiedenen Versuchsbetriebe. Zumal Winterthur mit anderen Verkehrsbetrieben gut vernetzt sei. Der Direktor von Stadtbus Winterthur, Thomas Nideröst, sitzt an einer Schlüsselstelle. Er präsidiert die Kommission «Technik und Betrieb Bus» beim Verband öffentlicher Verkehr.

Das klingt nach Rosinenpicken. Fritschi widerspricht dem nicht, ergänzt dann aber: «Es gibt auch Versuche in Winterthur, die allen Verkehrsbetrieben zu Gute kommen, einfach auf ganz anderen technischen Gebieten.»

Technostadt am Rhein

Bruno Schwager, Leiter der Schaffhauser Busbetriebe, bestätigt die gute Zusammenarbeit unter den Verkehrbetrieben der Schweiz. Sein Fokus liegt aber derzeit auf dem eigenen Projekt mit selbstfahrenden Bussen. Bereits im Februar geht die Strecke vom Rheinfall zur nächsten Busstation in Neuhausen in Betrieb. Der Partner bei diesem Projekt ist die kanadische Firma Trapeze. Sie entwickelt Informations- und Leitsysteme für den öffentlich Verkehr. So zum Beispiel stammen die Anzeigebildschirme in den Fahrzeugen des ZVV von Trapeze. In Neuhausen befindet sich der Hauptsitz der Mobilitätssparte des internationalen Unternehmens.

«Wir haben hier in Neuhausen eine ideale, das heisst besonders steile Versuchstrecke», sagt Schwager. Man wolle es dem selbstfahrenden Bus so schwierig wie möglich machen. So könne man während des Versuchsbetriebs die meisten Erfahrungen zu sammeln. Das Fernziel des Versuchs ist es laut Schwager, Schaffhausen zu einem Kompetenzzentrum für intelligente Verkehrslösungen zu machen. Die Versuchstrecke in Neuhausen ist als erste weltweit in das Liniennetz eines öffentlichen Verkehrsbetriebs eingebunden.

Auf die Wahlen hin ist das Schlagwort von der Smart City Winterthur in aller Munde. Bis allerdings Smart Shuttles durch die Strassen der Stadt fahren, wird es noch Jahre dauern. (Landbote)

Erstellt: 10.01.2018, 16:03 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare