Unter dem Strich

Demonstration mit Nebenwirkungen

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Die Klimademo vom Samstag brachte mich zum Umsteigen. Statt mit Bus und Zug fuhr ich mit dem Auto. Schon seit Tagen hatte Stadtbus Verspätungswarnungen ausgegeben, diese hatten die elektronischen Anzeigen dominiert, man hätte meinen können, die Demonstration finde schon jetzt statt, nicht erst am Samstag. Mit dem Auto liess sich die angekündigte Störung dann weiträumig umfahren.

Anstelle der Abfahrtszeit der Busse konnten die Fahrgäste schon am Donnerstag auf den Anzeigen lesen, dass sie genügend Reisezeit einplanen sollten. Insbesondere um den Hauptbahnhof war mit Ausfällen zu rechnen. Das war sicher gut gemeint. Es fragt sich jedoch, wie man eine Reise planen soll, wenn auf die Verbindungen kein Verlass ist. Allenfalls könnte man dann die Fortbewegung via Bus wie ein riskantes Spiel betreiben. Das liesse sich vielleicht, zusammen mit den anderen Wartenden, als eine Art Lotto aufziehen.

Wäre Stadtbus wirklich an meinem Fortkommen interessiert, hätte die Anzeige lauten müssen: «Bitte greifen Sie in der fraglichen Zeit auf Ihre privaten Verkehrsmittel zurück: Fahren Sie Velo oder Auto oder gehen Sie zu Fuss.»

In der Zeitung war dann zu lesen, die Klimademonstranten hätten nach der Demo aufgeräumt, der Neumarkt sei danach eher noch sauberer gewesen als sonst. Das ist wirklich eine Leistung. Ich habe diesen Platz noch kaum je verdreckt angetroffen. Damit verlieren die Gegner der Klimademonstranten eines ihrer Hauptargumente. In Leserbriefen hatten sie den Demonstranten vorgeworfen, sie würden ihren Müll liegen lassen.

Es fragt sich allerdings, ob jemand, der eine Serviette nach Gebrauch auf die Strasse wirft, wirklich die Berechtigung verliert, für die Verringerung des CO2-Ausstosses zu demonstrieren. Die Strassenreinigung mag in Städten wie Mexico City und Mumbai unberechenbar sein, in Winterthur ist sie gut organisiert. Der Schutz vor der Klimaerwärmung, sollte er denn überhaupt möglich sein, ist hingegen überhaupt nicht organisiert. Wenn ein Demonstrant also, statt sich um den Abfall zu kümmern, seine Energie für den Kampf gegen den Klimawandel einsetzt, so ist sie gut investiert.

Saubere Plätze mögen gut sein für das Image der Klimabewegung. Dem Klima nützen sie nichts.

Nachdem der Vorwurf der Unsauberkeit vom Tisch ist, zumindest in Winterthur, bin ich gespannt, was sich die Gegner der Klimademonstranten als nächstes einfallen lassen. Denn dass ihnen etwas einfallen wird, ist fast sicher. Sie werden die Vorwürfe, die gegen uns alle erhoben werden, nicht auf sich sitzen lassen. Dass diese berechtigt sind, scheint ausser Frage. Alles andere als klar ist hingegen, was wir, vom Demonstrieren einmal abgesehen, tun können.

Vielleicht wäre es das Gefährlichste, was der Klimabewegung passieren könnte, wenn sie – was jetzt schon fast der Fall ist – allgemein akzeptiert würde. Alle würden nicken und sich gegenseitig beglückwünschen. Politiker würden die Forderungen mit Verständnis entgegennehmen. Eine Bewegung der Weissen Westen könnte entstehen. Die «Weltwoche» könnte Greta Thunberg für den Friedensnobelpreis vorschlagen. Die Autohersteller könnten mit Exponenten der Bewegung Werbeverträge für ihre neuen Elektro-Autos abschliessen. Vielflieger Roger Federer könnte jeden Turniersieg mit dem Satz kommentieren: «Und ausserdem: Bitte unterstützt die Klimabewegung.» Skirennfahrer könnten ein Argument finden, das für Kunstschnee spricht. Dann hätten wir wieder ein reines Gewissen. (Landbote)

Erstellt: 09.04.2019, 14:56 Uhr

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