Winterthur

Die Hitze war Programm

Bei spanischer und italienischer Musik war das Classic Open Air im Rychenbergpark am ­Samstagnachmittag ein südliches Fest. Träge stiegen nur die Luftballons in den glühenden Sommerhimmel.

Das Musikkollegium spielt am Classic Open Air im Rychenbergpark auf. Die Musik könne das Wetter beeinflussen, hiess es.

Das Musikkollegium spielt am Classic Open Air im Rychenbergpark auf. Die Musik könne das Wetter beeinflussen, hiess es. Bild: Michele Limina

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Es hätte ein Wettbewerb um Gratiseintritte für die kommende Saison des Musikkollegiums werden sollen. Aber die Last der Karten war am Sonntagnachmittag kurz vor sechs Uhr für die Ballons zu gross, und so musste man sie eben ganz unbeschwert steigen lassen. Wer die verpasste Chance bedauerte, durfte daran denken, dass gleich schon das Eröffnungskonzert am 28. August ohnehin ein Freikonzert sein wird.

Die Freikonzerte sind eine alte Tradition des Winterthurer Musiklebens. Dasjenige zum Saisonschluss wurde früher nach dem Stadtheiligen benannt, auch wenn es musikalisch da eher lockerer zu- und herging. Als Wiedergeburt und Superlativ des «Albanikonzerts» kann nun das zweite Classic Open Air gelten, zu dem das Orchester nun erstmals zum Saisonfinale zur Freilichtbühne im Rychenberg geladen hat.

Klassik und Sommerfest

Vorprogramm und anschliessender Barbetrieb erweiterten den Klassikanlass zum Sommerfest, und dar­auf freuten sich offenbar viele. Die Classic-Open-Air-Liegestühle waren bald in Beschlag genommen, wenn auch nicht mehr so locker über den Park gestreut. Diesen teilte die Sonne nämlich streng in Wüstengebiete und Oasen, und im Schatten der grossen Bäume herrschte bald Gedränge.

In einem lauschigen Winkel erzählte Jolanda Steiner vom Bärenprinzen, eine nordische Geschichte, die mit Nyckelharpa (Torbjörn Näsbom), Violine (Pär Näsbom) und Gitarre (Perry Stenbäck) auch nordisch untermalt wurde. Den Kontrapunkt zur beschaulichen Märchenstimmung lokalisierte man schnell: Vom Serenadenplatz her tönte es südamerikanisch heiss nach Salsa. Vor und nach der Klassik hiess es hier Caliente mit Sabor Latino.

Stille mit Lautsprecher

Klassik ist ein weites Feld, und sie kann das Wetter beeinflussen. Hans-Ulrich Munzinger jedenfalls war als launiger und pointierter Moderator überzeugt, dass mit dem südlichen Programm – Manuel de Fallas Ballettsuiten «El sombrero de tres picos» sowie Ballettmusik und schmissige Trompetenkonzerte des Opernkomponisten Amilcare Ponchielli – die Gluthitze mit programmiert worden ist. Umso mehr muss als Programmierfehler abgebucht werden, dass «Der Tanz der Stunden» aus Ponchiellis berühmtester Oper «La gioconda» an diesem Julitag um mindestens eine Stunde zu früh angesetzt war.

Immerhin: Die Vögel waren bereits zum Abendkonzert aufgelegt, und da sie zum erweiterten Instrumentarium eines jeden Open-Air-Orchesters gehören, war ihr Beitrag auch willkommen. Überhaupt war der Rychenbergpark ein wunderbarer musikalischer Ort voller feiertäglicher Ruhe. Dass die Finessen von Ponchiellis und de Fallas Instrumentationskunst sich im weiten Park nicht verloren, war zwar auch der gut geregelten elektronischen Verstärkung geschuldet, aber Stille ist ja in jedem Fall, indoor wie outdoor, ein entscheidender Mitspieler in der klassischen Musik. Temperamentvolle Rhythmik, schweres Geschütz von Bässen und Schlagzeug und zündende Melodik – das alles kam mit Verstärkung aber ebenfalls spektakulär zum Zug. Der Trompeter Giuliano Sommerhalder brachte die Ventile zum Glühen, war aber auch ein wunderbarer Belcanto-Sänger auf seinem Instrument. Als Paganini der Trompete bezeichnete ihn Munzinger zu Recht.

Auch das Orchester unter der schwungvollen Leitung von Pavel Baleff verdiente den grossen Applaus für den stimmungsvollen Einsatz in allen Sektionen und virtuosen Aperçus vom Piccolo bis zum Fagott. Eine Zugabe musste her: Der Zarzuela-Komponist Géronimo Giménez lieferte mit «La boda de Luis Alfonso» die Steilvorlage für den feurigen Kehraus.

Erstellt: 05.07.2015, 20:30 Uhr

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