Winterthur

Ein Schritt vom Mausoleum zu einem modernen Museum

Der Betrieb des Museums Oskar Reinhart wird ab 2017 noch stärker von der öffentlichen Hand mitfinanziert. Das ist ein Resultat des lange erwarteten Museumskonzeptes.

Öffentliches Geld, mehr Freiheiten und die Integration der Sammlung Briner und Kern bringen Bewegung ins Museum Oskar Reinhart.

Öffentliches Geld, mehr Freiheiten und die Integration der Sammlung Briner und Kern bringen Bewegung ins Museum Oskar Reinhart. Bild: Nathalie Guinand

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Das Museum Oskar Reinhart am Stadtgarten, das mit den «Kreidefelsen auf Rügen» von Caspar David Friedrich über ein Aushängeschild der Museumsstadt Winterthur verfügt, glich lange einer muffigen Gedenkstätte für seinen Gründer, den Kunstsammler Oskar Reinhart (1885–1965). Auflagen für die Hängung der Bilder schränkten den Spielraum stark ein.

Doch niemand will immer wieder dieselben Bilder in derselben Reihenfolge sehen. Das Museum galt zu Recht als verstaubt. Der Kanton Zürich strich es aus der Liste der Museen mit überregionaler Bedeutung. Zudem geht der Stiftung, die den Museumsbetrieb finanziert – während das Haus der Stadt gehört –, das Geld aus. Die Auflösung der Sammlung schien nur noch eine Frage der Zeit zu sein.

Die Stadt springt ein

Jetzt hat der Stadtrat beschlossen, in die Bresche zu springen und den Museumsbetrieb zusammen mit dem Kanton und privaten Geldgebern zu finanzieren. Dies tönte Museumsdirektor Marc Fehlmann gestern an bei einer Medienführung durch den neu eingerichteten Saal mit Gemälden von Ferdinand Hodler. «Das Museum Oskar Reinhart gehört nach Winterthur und wird weiterhin hier bleiben», sagte Fehlmann. Es enthält unter anderem die wichtigste Sammlung deutscher Kunst des 19. Jahrhunderts ausserhalb Deutschlands.

Im bereits verabschiedeten Museumskonzept, das nächsten Dienstag der Öffentlichkeit vorgestellt wird, dürfte das Museum Oskar Reinhart neu unter das Dach des Kunstvereins kommen. Dieser betreibt bereits das Kunstmuseum. Auch für die Sammlung Briner und Kern, die in das Museum Oskar Reinhart integriert werden soll, zeichnet sich eine Lösung ab. Der Verein der Freunde des Museums Oskar Reinhart hat für den Umbau einen sechsstelligen Betrag gesammelt, der ebenfalls am Dienstag der Stadt übergeben werden soll; die übrigen Kosten des Umbaus trägt die Stadt als Eigentümerin.

Mit Angaben zur Herkunft

Rechtzeitig zum Geburtstag von Oskar Reinhart, der sich heute zum 130. Mal jährt, hat Fehlmann nun einen Saal mit Werken von Ferdinand Hodler neu eingerichtet – die Bilder stammen aus Beständen der Stiftung und des Kunstmuseums. Alles in allem verfüge Winterthur damit über eine Hodler-Sammlung, die so gut sei wie jene in Bern, Zürich und Genf, sagte Fehlmann.

Die Ironie der Geschichte: Eine Wand zeigt abwechselnd helle und dunkle Bilder. Diese Hängung stammt von Reinhart selbst, sie musste 1995 einer kunsthistorischen Sicht weichen. Fehlmann ist überzeugt: «Reinharts Lösung war die beste.» Beispielhaft sind auch die Angaben zur Herkunft der Bilder.

Sie sind von Bedeutung, weil Reinhart einen Grossteil seiner Sammlung zwischen 1933 und 1939 erwarb, als viele jüdische Sammler enteignet wurden oder zum Verkauf gezwungen waren. Bis 2017 sollen alle relevanten Werke der Sammlung so beschriftet werden. Das Museum Oskar Reinhart ist das erste der Schweiz, das dies macht. (Landbote)

Erstellt: 10.06.2015, 21:46 Uhr

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