Bühne

Es spukt im Trödelladen

Das «Theater Schloss Hegi» zeigt im Burgkeller ein Kriminalstück, das zum Aufführungsort passt.

Die verarmten Zwillinge Nora und Dora.

Die verarmten Zwillinge Nora und Dora. Bild: Enzo Lopardo

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Am Donnerstag war Premiere im Schlosskeller Hegi. «S’Gheimnis vo de 14 Nothelfer» heisst das Stück des Theater Schloss Hegi. Das Stück stammt von Bernhard Wiemker, die Mundartfassung von David Steger, der auch auf der Bühne steht. Die Nothelfer im Stück sind keine Sanitäter, sondern Heilige. So hilft Dionysius bei Kopfschmerzen, Vitus bei Wahnsinn. Dies erklärt Basil Scheck, Regisseur des Amateurtheaters, in einer launig-humoristischen Begrüssungsrede. Dann öffnet sich der Blick auf die Bühne, die einen überladenen Trödelladen zeigt, beziehungsweise einen Antiquitätenhandel, wie es der Besitzer Jonathan Nickel ausdrücken würde.

Der Alte ist gerade dabei seine Putzfrau zu entlassen. Er ist ein pedantischer, geiziger, selbstsüchtiger Kerl. Seine allerdings untalentierte Hilfskraft traktiert er mit Altherrenwitzen. Wenn Sie das nächste Mal zu spät komme, werde sie wohl sagen: «de Zug hät en Platte gha».

Schreck und Spuk

Das Stück ist offensichtlich eine Komödie. Sie spielt in der Gegenwart, obwohl der Laden, der Inhaber und dessen Umgangsformen aus einer vergangenen Epoche zu stammen scheinen. Auf der Bühne ist von der A1 die Rede, und Handys spielen eine Rolle. Bald zeigt sich auch, dass das Stück in klassischer Weise einfach gebaut ist. Es spielt nur im Trödelladen. Die Handlungszeit ist ein Tag. Das hat den Effekt, dass sich das Publikum ohne viel Interpretationsarbeit ins Stück hineingeben kann. Eine Abfolge von Wortwitzen und Running-Gags sorgt für Kurzweil. Bei jedem Schreck auf der Bühne fällt Luzi, die Maske des Luzifers aus Borneo, von der Wand: ein guter Theatertrick. An Schrecken und sogar Spuk fehlt es nicht.

«Wir stammen aus einem reichen Emmentaler Geschlecht, sind nun aber in diesem verarmten Winterthur gelandet».Aus dem Theater

Die Strafe für sein bockiges Getue holt den Ladenbesitzer Nickel bald ein, und zwar in Gestalt von sieben (statt 14) Nothelfern. Es sind Tonfiguren, die ihm die zwei verarmten Zwillingsschwestern Nora und Dora andrehen. Hier hat der Autor eine böse Pointe eingeflochten: «Wir stammen aus einem reichen Emmentaler Geschlecht, sind nun aber in diesem verarmten Winterthur gelandet». Das Publikum nimmt das mit Humor und spendet zum ersten Mal Szenenapplaus. Auch die folgenden Szenen werden mit Applaus bedacht.

Natürlich ein Raubüberfall

Der rote Faden der Handlung ist, wie Nickel die sieben Nothelfer nach und nach abhandenkommen. Natürlich ist ein Raubüberfall auf den Trödelladen geplant. Das Stück ist ja ein Krimi. Das Publikum erfährt das, als Gangster Harry mit seinem Chef telefoniert, während natürlich Nickel ahnungslos bleibt. Das treibt die Spannung an. Harrys Gegenspieler ist der Polizist Choper, ein freundlicher Mann mit Westschweizer Akzent. Mit seinem Pflichtbewusstsein stiftet Choper allerdings nur Verwirrung.

Den ersten Nothelfer verkauft Nickel noch ganz normal im Laden, mit schönem Gewinn. Die nicht mehr ganz junge Nerva Bündeli – der Name ist Programm – will eine Figur ihrem Freund schenken und ihn so dazu bringen, sich mit ihr zu verloben. Sie ist ausser sich vor Freude, als sie die Figur mitnimmt. Das Publikum klatscht zu diesem Abgang und fragt sich zugleich, ob es mit dieser Verlobung klappen wird.

Im letzten Akt mildert sich Nickels Charakter. Er stellt die Kunststudentin Pina ein, die echt einen drauf hat und der er sogar zuhört. Sie findet nämlich heraus, dass die sieben Nothelfer eine geheime Botschaft enthalten. Am Ende kämpfen alle um die letzte noch im Laden verbliebene Tonfigur, denn sie ist die einzig wertvolle. Worin besteht ihr Wert? Und wer hat die Figur am meisten verdient? Die Antwort darauf ist eine philosophische.

«S’Gheimnis vo de 14 Nothelfer», Schloss Hegi, bis zum 5. Oktober. Tickets gibt es hier.

Erstellt: 13.09.2019, 13:33 Uhr

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