Winterthur

«Girls, Girls, Girls»

Der Chor Peperoncini begeistert seit über zwanzig Jahren mit zeitlosen Popsongs ein treues Publikum.

Die Peperoncini-Sängerinnen, hier traditionell mit Rockband, inszenieren ihre Auftritte. Foto: PD

Die Peperoncini-Sängerinnen, hier traditionell mit Rockband, inszenieren ihre Auftritte. Foto: PD

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Rund 35 Frauen singen zurzeit bei den Peperoncini. Das sei die Maximalgrösse, sagt Dirigent René Schelldorfer. «Wir erhalten viele Anfragen von Frauen, die gerne mitsingen würden, und könnten locker einen zweiten Chor gründen.»

Die Sängerinnen sind zwischen 25 und 40 Jahre alt, Schelldorfer ist 54. Der Chor halte ihn jung, sagt der Musiker aus Veltheim, der hauptberuflich an der Pädagogischen Hochschule Zürich Sekundarlehrer im Fach Mathematik ausbildet; seit kurzem leitet er dort auch den Mitarbeitenden-Chor.

«Extrem cool» findet Schelldorfer an den Peperoncini dies: «Alle übernehmen eine Aufgabe, es ist ein Miteinander.» Für die Konzerte, die nie ein Motto haben, aber stets inszeniert werden, braucht es zum Beispiel Kostüme und eine Saaldekoration. Meist wird im Gaswerk gesungen, begleitet von einer Rockband. Jetzt steht aber ein opulentes Spezial-Konzert an, mit einem Brass-Quartett. Das passt besser in die Aula der Kantonsschule Büelrain.

Lebendige Proben

Schon 1997, als vier junge Absolventinnen der Kantonsschule Rychenberg den Chor gründeten, war das Interesse gross. So musste zeitweise ein Mindestalter von 18 Jahren eingeführt werden. Seither sind die Sängerinnen älter geworden, aber durch Wechsel hat sich der Chor im Gegenzug stets wieder verjüngt.

Ihn mit Männerstimmen aufzustocken, stand nie zur Diskussion. In einem reinen Frauenchor herrsche eine andere Stimmung, sagt Schelldorfer, und das sei immer geschätzt worden. Zudem sei es nicht einfach, singende Männer zu finden.

An den Proben der Peperoncini ist die Atmosphäre lebendig. Da müsse er hin und wieder ordnend eingreifen. Aber das sei gut so. Denn der Schwung und die Energie wirke auf alle belebend.

«Der Dirigent holt alles aus den Sängerinnen heraus.»

Das merkt man auch den Aufnahmen an, die auf der Webseite des Chors zu hören sind. Der Sailors-Evergreen «Girls, Girls, Girls» etwa ist mitreissend gesungen, «Viva la vida», einer der schönsten Coldplay-Songs, klingt warm und fröhlich.

Nach dem Mathematik-Studium an der ETH Zürich hängte Schelldorfer mit 30 Jahren eine Ausbildung an der Jazzschule Zürich (heute ZHdK) an, und lernte bei Karl Scheuber dirigieren. Rund fünf Jahre lang spielte er dann mit einem Trio regelmässig als Jazzpianist im Gartenhotel.

Dort fragte ihn eines Tages eine der vier Chorgründerinnen, die den Bassisten kannte, ob er nicht ihren Chor leiten wolle, sie seien auf der Suche nach einem Dirigenten. «Sie begeisterten mich schnell mit ihrem Schwung», erinnert sich Schelldorfer. Seit dem Jahr 2000 führt er den Chor, abgesehen von einer dreijährigen Pause. Er selbst arrangiert die Songs, gesungen wird auswendig, die Sängerinnen müssen daher zuhause üben.

Braucht es den Dirigenten dann an den Konzerten überhaupt noch? «Natürlich», sagt Schelldorfer: «Er gestaltet und erinnert an das Eingeübte. Und das Wichtigste: Er holt alles aus den Sängerinnen heraus.» Die lassen sich davon anstecken, schon vor dem Auftritt. «Auf ein Konzert hin treffen sich die einzelnen Stimmen zuhause zum Üben.»

Das Vergnügen steht bei den Peperoncini zwar im Zentrum. Aber wenn man etwas davon haben wolle, müsse man die Stücke können, sagt Schelldorfer, der selbst seit ein paar Jahren als Tenor im Kammerchor Winterthur singt.

Schliessen sich Pop-/Rockmusik und Klassik eigentlich aus? Die Unterschiede seien vor allem stilistischer Natur, sagt Schelldorfer. Beim Popgesang sei man näher bei der Sprechstimme. Eine gute, tragende Stimme brauche man für beides. «Wir haben einige Sängerinnen, die Gesangsunterricht nehmen.»

An den Konzerten wechseln sich schnelle und langsame Songs, klanglich komplexe und stark rhythmisierte Stücke ab. Immer dabei ist der Pianist Raphael Nater, der fest zum Chor gehört. Die Peperoncini singen auch an Geburtstagen und Hochzeiten, für eine geringe Gage.

Sechshundert Zuhörer

Zu den drei Konzerten vom Wochenende werden je rund zweihundert Zuhörer erwartet. Nicht jeder Chor kann auf eine so treue Anhängerschaft zählen. «Wir sind gut abgestützt mit Familienmitgliedern und Ehemaligen», sagt Schelldorfer. Auch einen Gönnerverein haben die Peperoncini. Die Mitglieder erhalten pro Jahr ein kleines Extrakonzert.

www.peperoncini.org Freitag, 20 Uhr, Samstag 14.30 und 20 Uhr. Aula der Kantonsschule Büelrain, Rosenstrasse 1.

(Der Landbote)

Erstellt: 19.03.2019, 15:49 Uhr

René Schelldorfer.

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