Plakatkunst

Kunst für den Fussball-Club

Bei der visuellen Werbung ist der FC Winterthur Sonderklasse. Illustrator Jan Zablonier feiert die Schützenwiese in herbstlicher Melancholie.

Das aktuelle Plakat des FCW.

Das aktuelle Plakat des FCW. Bild: PD

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Jan Zablonier passt nicht so recht in den lauten Fanhaufen der Bierkurve auf der Schützenwiese. Er schwingt auch nicht das grosse Wort unter dem Sonnensegel beim Salon Erika. «Ich bin eher ein Beobachter», sagt der 50-jährige Illustrator, der vor drei Jahren noch eine Lehre als Velomechaniker begann.

Seit Jahren fallen Zabloniers Werbeplakate für den FC Winterthur (FCW) auf. Sie heben sich ab vom Trendigen und sind im Stil sowie in der Technik eher bezogen auf den kontrastreichen Holzschnitt. Das schenkt ihnen einen Retro-Groove und dem FCW ein ganz eigenes Image, das FCW-Geschäftsführer Andreas Mösli, von manchen als «Seele des Clubs» bezeichnet, in langjähriger Zusammenarbeit mit ­Zablonier kultiviert hat.

Die klassische Tourismuswerbung stand beispielsweise Pate bei der grandiosen Zugseinfahrt in Bern, als 2017 der FCW die Berner Young Boys sensationell aus dem Cup warf. Auch Comics oder revolutionäre politische Agitationskunst haben markante Spuren auf Plakaten und Fanartikeln hinterlassen. Wunderbar ist der Bildwitz in den Würsten, welche die Tessiner Fussballwoche ankündigten.

Menschenleer

Der jüngste Coup des Duos: ein Herbstbild von der Schützenwiese. Ja, Sie haben richtig gelesen! Eine melancholisch gestimmte Stadtlandschaft mit der alten Tribüne von der Rückseite; rechts rückt ein Stück der Pappelallee ins Bild, und im Hintergrund steigt das farblich fein verschattete Sulzer-Hochhaus hoch, eingefasst von weissen Wolkensilhouetten, und darüber ein blassblauer Himmel. Im Vordergrund liegen braune Blätter auf einem mattgrünen Rasen. Weitere fallen zu Boden und künden schon die kommenden Schneeflocken an.

Streng durchkomponiert ist das lineare Gerüst von Vertikalen und Horizontalen, und die dezente Farbpalette vermittelt die farbliche Ermattung der Natur nach der grünen Kraft des Sommers. Das ist alles sehr abstrakt und flächig gesehen, und dennoch spürt man den starken räumlichen Sog, der den Betrachter in die menschenleere Tiefe der Fussball­arena zieht.

Und über allem liegt der Hauch des letzten Jahrhunderts, als die Grossväter und Väter, aber auch Mütter und Grossmütter der heutigen jüngeren FCW-Fans noch für Sulzer im weissen Bürokittel Details für die weltweit exportierten Dieselschiffsmotoren zeichneten.

Erstellt: 20.10.2018, 11:19 Uhr

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