Konzert

Langsam geht die Welt zugrunde

Die Musikkünstler Bohren & der Club of Gore setzen sich über musikalische Konventionen hinweg. Das einnehmende Ergebnis präsentiert die Band am Freitag im Salzhaus.

In ihrer Musik verdichten sich Jazz, Doom und Ambient: Bohren & der Club of Gore.

In ihrer Musik verdichten sich Jazz, Doom und Ambient: Bohren & der Club of Gore. Bild: PD

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Aus einer Dunkelheit lassen sie Töne entstehen, die einen umgeben, einhüllen, manchmal gar einlullen. Sie lassen sich Zeit. So viel Zeit, dass sich Melodien entfalten können. Dass Musiklandschaften entstehen. Jeder Ton, jede Pause ist sorgfältig platziert, alles ist reduziert, zurückhaltend, etwas zögerlich. Aber diese Langsamkeit transportiert eine Spannung. Die Musikkünstler Bohren & der Club of Gore verstehen es, das Publikum auf Draht zu halten und mit Erwartungen zu spielen. Ist das Jazz? Ist das Doom Metal? Oder ist das elektronischer Ambient? Bei Bohren & der Club of Gore ist die Genre-Zuordnung schwierig. Die Musiker setzen sich über Konventionen hinweg. Am Freitag spielt die Band aus Deutschland im Salzhaus.

Es ist noch einer übrig

Bohren & der Club of Gore haben einst als Metalband angefangen. Das letzte heute noch verbliebene Gründungsmitglied Morten Gass hatte mit drei Schulfreunden eine Band gestartet, die sich ihren bevorzugten extremen Musikstilen Grindcore, Hardcore, Death- und Doom Metal widmete. Sie wollten aber zugleich einen eigenen Stil entwickeln. So gründeten sie die Band Bohren, um, wie sie es selbst nannten, «doom-getränkte Jazz Musik» zu spielen und sich dabei auf Instrumentalmusik zu konzentrieren. So erzeugten sie sphärische, meditative Klangwelten, die einem Film-Noir-Soundtrack alle Ehre machen würden.

Im Laufe von 27 Jahren Bandgeschichte haben Bohren denn nicht nur das stilistische, sondern auch das instrumentale Repertoire erweitert. Ein Saxofon säuselt im neuen Stück «Sollen es doch Alle wissen» vor sich hin und erzeugt New York-Stimmung. Ein Piano übernimmt das Melodienspiel, erinnert an späte Abende in schummrigen Keller-Bars und Heimwege in lauen Sommernächten, an nächtliche Taxifahrten, die ziellos zwischen Melancholie und Wahnsinn balancieren, an Golden-Gate-Brücken, die im Nebel verschwinden. In anderen Lieder spielen Vibrafon, Bass und Geigen mit den Erwartungen der Hörer. Auf mittlerweile acht Alben loten sie das Spektrum düsterer Emotionen aus, von leichter Traurigkeit bis hin zu kompletter Verzweiflung, Mutlosigkeit und Resignation.

Eintauchen in die Dunkelheit

Die Reduktion als zentrales Stilmittel prägt auch die Liveauftritte der Band. Indem die Bühne in Schummerlicht getaucht wird, das Bühnenbild neutral ist und die Musiker in zurückhaltenden Anzügen gekleidet auftreten, wird die Musik zur Hauptfigur. So kann sich das Publikum ohne Ablenkung auf die Wirkung dieser flüchtigen Klänge konzentrieren und eintauchen in eine musikalische Dunkelheit, die einen hypnotisch wohlig-warm einlullt.

Erstellt: 04.12.2019, 15:46 Uhr

Konzert

Bohren & der Club of Gore (DE). 6. Dezember, 20 Uhr. Salzhaus Winterthur.

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