Winterthur

Lieder, die aus der Leere kommen

Jawhar Basti zeigt uns, wie musikalisch die arabische Sprache sein kann.

Jawhar ist Musiker, Schauspieler und Dramatiker. Foto: Alexis Gicart

Jawhar ist Musiker, Schauspieler und Dramatiker. Foto: Alexis Gicart

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«Habibi» ist ein Kosewort, es heisst soviel wie Freund oder Liebling. In der Popmusik in arabischer Sprache ist es oft zu hören. «Habibi» heisst auch die kleine Konzertreihe mit Musik aus dem arabischen Raum im Musikclub Albani, die heute (vorerst) zu Ende geht; die Chance, dass sie im September fortgesetzt wird, stehen den Vernehmen nach gut. Drei Musiker sind heute eingeladen, darunter der Singer/Songwriter Jawhar Basti.

Jawhar, wie er sich meist nennt, kombiniert Rhythmen aus der nordafrikanischen Tradition des Chaâbi mit einem an Nick Drake orientierten Songwriting – dass ihn der grosse englische Liedermacher stark beeinflusst hat, ist bis in die Diktion seiner Stimme zu hören.

Die meisten seiner Lieder singt Jawhar auf Arabisch. Wer die Sprache nicht versteht, kann sich an ihrem Wohlklang erfreuen, der hier besonders deutlich wird. Das Sensorium dafür wurde dem in Tunis aufgewachsenen Musiker in die Wiege gelegt: Seine Mutter ist Professorin für arabische Literatur. Geprägt haben ihn auch die Gedichte von Emily Dickinson und William Blake.

Das neuste Album von Jahwar heisst «Winrah Marah».

Mit zwanzig ging Jahwar nach Frankreich, um in Lille englische Literatur und Theater zu studieren. Heute pendelt er zwischen Belgien und Tunis und arbeitet als Musiker, Schauspieler und Theaterautor. Sein zweites Album «Qibla Wa Qobla» erschien 2013 und wurde in Belgien als bestes Weltmusik-Album des Jahres ausgezeichnet.

Was an den zwölf Songs auffällt, ist die beschwingte Gelassenheit, die auf den Hörer übergreift. In einem Interview sagte Jawhar, seine Musik komme aus der Leere. Kritiker haben sie als eine Mischung aus arabischer Sufi-Mystik und Pop bezeichnet.

Das jüngste Album «Winrah Manrah» erschien vor einem Jahr und experimentiert stärker als sein Vorgänger mit verschiedenen Rhythmen und elektronischen Klängen. Als Pendler zwischen den Welten beschäftigt sich Jawhar auch mit politischen Fragen, so schrieb er Songs für ein Theaterprojekt in Tunis, in dem es auch um das arabische Verhältnis zu Liebe und Sex geht.

Musik und Politik

Vor seinem Konzert beantwortet Jawhar heute die Fragen von Barbara Tribelhorn. Die Kulturmanagerin, die auch Co-Präsidentin der Literarischen Vereinigung Winterthur ist, möchte, wie sie vorab verrät, von Jawhar wissen, wie sich Musik und Politik aus islamischer Sicht verbinden lassen. Denn im Islam gelte die Musik, wie das Vergnügen generell, als «haran», als unrein.

Auch zur Sprache kommen soll die Frage, wie es in Tunesien mit der «arabischen Revolution» weitergehen könnte. Diese habe hier 2010 ihren Anfang genommen, sei aber inzwischen versandet. Auch aus Tunesien versuchten Tausende Jahr für Jahr übers Meer nach Europa zu gelangen, weiss Tribelhorn. Welchen Einfluss hat da ein Künstler wie Jawhar?

Nach Jawhar spielt Hello Psychaleppo aus Syrien seinen Electro-Tarab, in dem er arabische Popmusik aus den 1950er und 1960er Jahren mit elektronischer Musik verwebt. Wie sein Name andeutet, stammt der Musiker aus der vom «Islamischen Staat» weitgehend zerstörten syrischen Stadt Aleppo. Von da kommt auch das House-Duo Boshoco mit Nihad Alabsi und Philippe Zarif, das zum Schluss auftritt.

Habibi: Heute ab 21 Uhr (Gespräch). 22 Uhr: Konzert mit Jawhar. 23 Uhr: Hello Psychaleppo. 2 Uhr: Boshoco.

(Der Landbote)

Erstellt: 10.05.2019, 13:31 Uhr

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