Winterthur

«Sönd willkomm!»

Sie sind traditionsverbunden und dennoch kein bisschen angestaubt. Spielerisch kombiniert der Hitzige ­Appenzeller Chor Sprachen und Musikstile zu einem ­erfrischenden Crossover.

Der Hitzige Appenzeller Chor bringt das Dorf in die Stadt und die Musiktradition des Appenzellerlandes in eine Symbiose mit Rock und Hip-Hop.

Der Hitzige Appenzeller Chor bringt das Dorf in die Stadt und die Musiktradition des Appenzellerlandes in eine Symbiose mit Rock und Hip-Hop. Bild: pd

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Das Appenzellerland: wunderbare Blumenwiesen, grasende Kühe, Felsengipfel und Bergbahnen, Streusiedlungen und kleine Dörfer. Alles ausser den Bergen ist klein und gut verteilt. Selbst Appenzell, Kantonshauptort von Innerrhoden, hat weniger als sechstausend Einwohner. Hier halten sich Traditionen nicht nur, sie werden gepflegt. Auch dem Tourismus zuliebe, der eine Haupteinnahmequelle bildet. Wanderwege und beliebte Ausflugsziele wie der Seealpsee und die Eben­alp sind mit Begrüssungen im Appenzeller Dialekt beschriftet. Die Freundlichkeit der Bevölkerung, die echt ist, wird längst von Werbeagenturen verwertet: «Sönd willkomm!», heisst es dort auf Schritt und Tritt.

Ohne Heimatabend-Groove

Doch die Appenzeller importieren nicht nur Touristen. Auch der Export floriert. Nebst dem berühmten Käse kommt von hier ein ungewöhnlicher Kammerchor, der so mit den Traditionen jongliert, dass man sie geniessen kann, ohne gleich das ungemütliche Gefühl zu verspüren, in einen Heimatabend geraten zu sein. Erstmals stand der Hitzige Appenzeller Chor 2006 an der Olma in St. Gallen auf der Bühne, wo die beiden Halbkantone zu Gast waren. Zusammengestellt vom bekannten Volksmusiker Noldi Alder und dirigiert von Martin Ulrich, begeisterten die vier Sängerinnen und fünf Sänger das Publikum. Seit 2011 werden sie geleitet von Raphael Holenstein, der auch selbst mitsingt.

An ihrer Echtheit kann man schon aufgrund von Namen wie Dörig, Broger und Fässler nicht zweifeln. Ausserdem jodeln sie vollkommen regelkonform und postkartentauglich. Aber dann vertauschen sie die Trachtenhosen mit den Baggy Pants der Hip-Hopper und beginnen zu rappen. Französisch, Deutsch und Englisch gehen eine Symbiose mit dem Appenzeller Dialekt ein, die so natürlich wirkt, wie man es nicht für möglich gehalten hätte; Innerrhoder Naturjodel, freches Ratzliedli, Gospel und Rocksong folgen sich Schlag auf Schlag.

Das Ganze wird witzig inszeniert, «You Rise Me Up» als Singspiel geht über in «By the Rivers of Babylon» mit Beatboxen. Und alles mit einer Frische, der man das Vergnügen der Ausführenden anmerkt. Denn jede Sängerin und jeder Sänger bringt seine Ideen ein, die zusammen ausprobiert und vom Leiter mit Akkorden ergänzt werden.

Entdeckung der Grossstädte

Seit 2012 sind die Hitzigen mit ihrem ersten abendfüllenden Programm «Joli-Yo» unterwegs durch Schweizer Dörfer und Städte, am Samstag singen und spielen sie im Casinotheater, wo sie bereits vor einem Jahr bei der traditionellen Benefizgala aufgetreten sind. Der Aufstieg des En­sem­bles hält an: «Hitziger Appenzeller Chor entdeckt Grossstädte» heisst es in der Web-Chronik für das laufende Jahr.

Mischung und Qualität stimmen und funktionieren auch auf CD, wie das Album «Ruggrooveli» – ein Zusammenzug aus «Rug- guusseli» und «Groove» – zeigt, das 2012 erschienen ist. Die Idee – Tradition mit Neuem zu verbinden – ist einfach, die Umsetzung bestechend. «Das Traditionelle ist unser Boden und wird es bleiben», sagt Meinrad Koch, der von Anfang an dabei war.

Erstellt: 20.06.2015, 15:40 Uhr

Konzert

Hitziger Appenzeller Chor Heute, 20 Uhr, Casinotheater. www.hitziger.ch

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