Ausstellung

Vom Schaffen und vom Heiligen Geist

Melanie Mock ist Szenografin. Ihr jüngstes Werk: die Ausstellung «Zeit. Zeugen. Arbeit» im Museum Schaffen. Was eine antreibt, die sich ständig neu erfinden muss, um Wissen weiterzu­geben, und was dies mit der tätowierten Taube auf ihrem Unterarm zu tun hat.

Melanie Mock ist die künstlerische Leiterin der aktuellen Ausstellung im Museum Schaffen.

Melanie Mock ist die künstlerische Leiterin der aktuellen Ausstellung im Museum Schaffen. Bild: Enzo Lopardo

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Melanie Mock interessieren letztlich zwei Dinge im Leben. Die Frage danach, wie wir leben, und jene, wie wir besser leben könnten. Nicht besser im Sinne von mehr Wohlstand, grad im Gegenteil: «Unser Wohlstand verlangt eine strenge Selbstbefragung», sagt sie, lehnt sich zurück im Sessel des lauschigen Gartens der Coalmine und denkt nach. Denkt nach, als würde sie sich zum ersten Mal überlegen, was Wohlstand mit dem Menschen macht; wo er uns, wo er sie hingeführt hat.

Jeder Auftrag eine neue Welt

Der Wohlstand hat Melanie Mock in die Szenografie getrieben. Er hat ihr ermöglicht, dem Beruf ihrer Wünsche nachzugehen, Wissen zu vermitteln, Themen weiterzugeben, für die sie einsteht. Sie möchte verstehen, warum andere Menschen in Lebensumständen stecken bleiben, die ihnen eigentlich nicht behagen: «Wohl oft auch aus Angst bleiben grosse Handlungsspielräume ungenutzt», sagt sie.

Ihre eigenen Handlungsspielräume empfindet sie als gross: Jeder Auftrag sei eine neue Welt, in die sie eintauche während tage- und nächtelanger Recherchen, während des Skizzierens und des Anleitens, beim Aufbau und auf Sponsorensuche. Letztere gehört nicht zu ihren Lieblingsarbeiten. Geld steht sie kritisch gegenüber, auch wenn es die wichtigste Anerkennung sei, die unsere Gesellschaft als Wert für Arbeit kenne. Dies und viele Aspekte zum Thema hat sie als künstlerische Leiterin ergründet in der vielschichtigen, wunderbaren Ausstellung im Museum Schaffen, die in diesen Tagen zum letzten Mal vor der Sommerpause geöffnet ist.

Ringen um das Wachbleiben

Sie, ein Arbeiterkind, eines, dem es an nichts fehlte: immer habe sie entscheiden dürfen, was als Nächstes im Leben drankommen soll. Selbstbestimmt und frei. Aufgewachsen in Bauma, seit vielen Jahren in Winterthur-Töss daheim, in einer Genossenschaftssiedlung zwischen den Bahngleisen, da, «wo die Gentrifizierung noch nicht gegriffen hat», wie sie sagt.

Sie, die Winterthurerin durch und durch, 35-jährig, verbunden mit der Stadt wie die Heiliggeisttaube mit dem Himmel. Die Heiliggeisttaube hat sie sich vor ein paar Jahren auf den Unterarm tätowieren lassen: «Die Verbindung von hier nach oben, die mich daran erinnert, dass ich getragen bin. Immer.» Den Weg in den Glauben hat sie Anfang zwanzig über eine Freikirche gefunden, heute trifft sie sich mit Gleich­gesinnten in Gesprächsrunden: «Wir reden über alles, was uns bewegt», sagt sie. «Ein Ringen um das Wachbleiben», beschreibt sie die Idee dieser Treffen.

Nie wollte Melanie Mock weg, selbst dann nicht, als die Jahre die letzten Bewohner der Nachbarschaft weiterziehen liessen. Leute gingen, andere kamen, Melanie Mock ist geblieben. Geflogen ist sie zum ersten Mal mit 23. Sie fühlt sich der Umwelt verpflichtet: «Früher schmerzte mich jeder Tropfen Wasser fast körperlich, wenn er vergeudet war», sagt sie. Heute ist sie weniger radikal, erlaubt sich aber noch immer nur alle paar Jahre einen Flug, wo sie doch mit ihren Ausstellungen schon so viel Abfall produziere.

Melanie Mock ist keine, die drauflosplappert. Sie wiegt Worte vorsichtig ab, hört hin und antwortet letztlich in einem sprachlichen Schliff, den sie sich auch beruflich zunutze macht: Mock schreibt für das Magazin «Bart. Kunst, Geist und Gegenwart», das religiöse Aspekte in der bildenden Kunst herausschält. Steht ihr die Religiosität nicht im Weg, wenn es darum geht, spannende Aufträge zu gewinnen? «Nein», sagt sie, für einmal prompt und ohne jedes Zögern. «Ein jeder Auftraggeber hat einen Werterucksack, ein jeder Auftragnehmer auch. Die sorgfältige Erarbeitung eines Themas verlangt verschiedene, auch widersprüchliche Perspektiven.» Jeder guten Idee liege eine Haltung zugrunde. (Landbote)

Erstellt: 11.07.2018, 10:34 Uhr

Ausstellung

«Zeit. Zeugen. Arbeit.» im Museum Schaffen: Letzte Tage vor der Sommerpause. Do, 12. Juli, 17–20 Uhr/Sa, 14. Juli, 15–21 Uhr/So, 15. Juli, 14–17 Uhr. Lokstadt Halle Rapide, vis-à-vis Zürcherstrasse 42, Winterthur.

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