Winterthur

Wenn Fussballfans lesen

Eine solche Stille herrscht wohl selten in der Libero-Bar: Am Freitag lasen die Autoren Bernd Sautter und Mämä Sykora wundersame Geschichten aus der Welt des Fussballs.

Mämä Sykora (links) liest aus seinem Fussballmagazin «Zwölf». Bernd Sautter schrieb ein Buch über deutsche Stadien.

Mämä Sykora (links) liest aus seinem Fussballmagazin «Zwölf». Bernd Sautter schrieb ein Buch über deutsche Stadien. Bild: Heinz Diener

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Die wichtigsten Erfindungen im Fussball stammen aus Baden-Württemberg, sagt Bernd Sautter in breitem schwäbischem Dialekt. Sautter, der am Freitagabend in die Libero-Bar kam, um aus seinem Buch «Heimspiele» vorzulesen, tritt sogleich den Beweis an: «Sepp Maier hat die Goalie-Handschuhe erfunden.»

In den 60er-Jahren habe Torwart Maier, der damals als einer der Weltbesten galt und unter dem Spitznamen «Katze Maier» bekannt war, noch mit den Regen aufsaugenden Wollhandschuhen nach dem runden Leder gegriffen. Mit der Erfindung eines Latexeinsatzes habe er die Goaliewelt revolutioniert und vor nasskalten Händen bewahrt. Maier ist zwar ein Bayer, gibt Sautter dann zu, doch hätten die Schwaben aus seiner Erfindung ein Geschäft gemacht. Als Sautter von weiteren Erfindungen erzählt, tönt ein Kichern aus dem Publikum. Es werden Schwabenwitze gerissen.

Gespräche zwischen Fans

Der süddeutsche Buchautor wechselt sich beim Lesen ab mit Mämä Sykora, Chefredaktor des Schweizer Fussballmagazins «Zwölf». Dabei hören ihm rund drei Dutzend Fussballfans zu, von denen weniger als ein Drittel grauhaarig ist und mindestens zwei Drittel ein grosses Glas Bier vor sich auf dem Tisch stehen haben. Sie erfahren von Sykora, wie man über Fussball spricht: am besten nämlich gar nicht, da die Diskussionen «nicht nur ermüdend, sondern auch zwecklos» seien. Wenn das Ge­gen­über Fan einer anderen Mannschaft sei, komme jedes Wort falsch rüber.

Der Funke ist noch nicht aufs Publikum übergesprungen. Eine Zuhörerin in schwarzer Trainingsjacke und zwei Piercings im selben Nasenflügel beginnt damit, Zigaretten vorzudrehen. Nach kurzer Zeit liegen gleich viele Glimmstängel vor ihr auf dem Tisch, wie sich Zuhörer in der Libero-Bar eingefunden haben.

Wieso Fussball so beliebt ist

Während ein Barmann mit liebenswürdigem, von Tattoos umrahmtem Gesicht Sykora ein weiteres Bier serviert, unterbreitet Bernd Sautter den Zuhörern seine These zur Beliebtheit des Fussballs: «Der Fuss als ungebildetes Organ hat wenig Kontrolle über den Ball.» Daraus resultierten schnelle Ballwechsel und deutlich weniger Tore als etwa beim Basketball oder Handball.

Während sich das Glück bei Sportarten mit vielen Toren im Laufe des Spiels ausgleiche, könne es beim Fussball dazu führen, dass eine Unterliga-Mannschaft gegen eine aus der Oberliga gewinne. «Fussball ist so beliebt, weil er nicht so berechenbar ist.» Kurz dar­auf liefert Sautter die Antithese zur Torarmut im Fussball: Sein Text «Gipfeltreffen der Gurkentruppen» handelt von Mannschaften, die mit so schlechten Resultaten wie eins zu achtzig verlieren.

Dann übernimmt wieder der Chefredaktor des «Zwölf» und berichtet, dass er Josef Zindel als Kolumnist gewinnen wollte, als dieser noch Medienchef des FC Basel war. Sykora liest Zindels Absage vor: Er würde sich gerne ironisch zur Fussballberichterstattung im Schweizer Fernsehen oder zu seinem Arbeitgeber äussern, schreibt Zindel. Doch «dann werde ich sofort gefeuert».

Der Blick der Trainingsjacken-Trägerin ist auf Sykora geheftet. Ab und zu nimmt sie einen Schluck aus ihrem Cüpliglas. Ihr Grinsen weicht einem lauten Lachen, in das auch alle anderen Zuhörer einstimmen. (Landbote)

Erstellt: 22.02.2016, 11:22 Uhr

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