Winterthur

Wenn ein «Regenmacher» die Western-Bühne betritt

Mit «Der Regenmacher» von Richard Nash eröffnet das Sommertheater die Saison anspruchsvoll, aber gelungen.

Lizzy und Bill Starbuck. Foto: Beat Märki

Lizzy und Bill Starbuck. Foto: Beat Märki

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Es ist heiss im Mittleren Westen der USA, und schon seit Wochen hat es nicht mehr geregnet. Das trifft die Farmerfamilie Curry hart: Rinder verenden, Hilfsarbeiter müssen heimgeschickt werden. Während der Vater H.C. Curry (Wolff von Lindenau) die andauernde Trockenheit abgeklärt und gelassen hinnimmt, ist sein Sohn Noah (Nick Robin Dietrich), der die Farm führt, gestresst und gereizt.

Sein jüngerer Bruder Jim (Rafael Luca Oliveira) dagegen nimmt die Sache mit jugendlicher Unbefangenheit locker, während es bei Schwester Lizzie (Marie Philipp) sowieso nur darum geht, sie endlich unter die Haube zu bringen, was kläglich scheiterte, weshalb Vater und Brüder nun den Hilfssheriff File (Marco Michel) zu sich einladen und bei Lizzie ins Spiel bringen wollen. Doch dieser ist gar nicht offen für diese Idee.

Bill Starbuck: Betrüger oder tatsächlich Zauberer?

In dieser blockierten Situation tritt ein Fremder auf den Plan. Es ist der weltmännisch und selbstsicher auftretende Bill Starbuck (Martin Krah), der sich als Regenmacher ausgibt: Für 100 Dollar will er es binnen 24 Stunden regnen lassen.

Klar, dass sein verlockendes Angebot in der Familienkontroverse Diskussionen auslöst: Während Jimmy sofort von ihm «bezaubert» ist, nennt ihn H.C. geradeheraus einen Schwindler (er anerkennt aber auch, dass Glaube viel bewirken kann). Lizzie hingegen ist hin- und hergerissen: An die Fähigkeiten von Starbuck glaubt sie kein bisschen.

Doch ihre Augen glänzen, weil dieser Mann sie als einziger (und erster) als Frau wahrnimmt. Noah hingegen hasst den Fremden und würde ihn am liebsten so schnell wie möglich vom Hof jagen. Schliesslich steigen die Currys auf den Deal ein und lassen sich von Starbuck für allerhand «magischen» Schabernack einspannen – der indessen nur dazu dient, sie zu beschäftigen, damit er sich Lizzie ungestört nähern kann.

Was ist Wahrheit, und was Lüge?

Starbuck bringt das Pulverfass, auf dem die Currys sitzen, zur Explosion. Denn die Familienmitglieder sind in ihren Rollen blockiert. Der Regenmacher aber – wie alle guten Betrüger ein grosser Menschenkenner – durchschaut diese und stellt sie infrage: Was ist Wahrheit, was ist Illusion oder gar Lüge? Wer bin ich wirklich? Und was kann der Glaube (auch an sich selber) bewirken?

Nach vielen Irrungen, Wirrungen und Szenenwechseln im raffiniert und liebevoll gestalteten Bühnenbild von Rolf Kunze kommt es zu einem zwar turbulenten, aber auch bewegend schönen Schluss. Er belohnt das Publikum reichlich fürs Ausharren (das Stück von Richard Nash ist etwas länger als üblich), und dieses bedankt sich denn auch mit einem ausgiebigen Applaus.

Obwohl offiziell als Komödie bezeichnet, wird der «Regenmacher» diejenigen vielleicht etwas enttäuschen, die sich im Sommertheater vor allem amüsieren wollen. Wer aber offen ist für den Zauber, den gutes Theater entstehen lassen kann, wird reich beschenkt. Denn die Wandlung und die Entwicklung der einzelnen Charaktere sowie die zwischenmenschlichen Prozesse reissen mit, bewegen, berühren.

Dies umso mehr, als das ganze Ensemble unter der Regie von Philippe Roussel ganz hervorragende schauspielerische Leistungen erbringt. Ein (auch von der Western-Thematik her) ungewohntes, aber starkes Stück Theater, noch dazu glänzend gespielt: Das Sommertheater wagt und gewinnt.

(Der Landbote)

Erstellt: 13.06.2019, 18:46 Uhr

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