Musikkollegium

Wuchtige Klänge von Guilmant, dem «Liszt der Orgel»

In der Stadtkirche kam der grosse Farbenreichtum der französischen Sinfonik zum Zug.

Die Orgel in der Stadtkirche Winterthur.

Die Orgel in der Stadtkirche Winterthur. Bild: HD Archiv

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Das 1. Orgelkonzert des zu Lebzeiten einflussreichen Franzosen Félix Alexandre Guilmant (1837-1911) stand im Zentrum des Hauskonzerts vom Donnerstag in der Stadtkirche. Guilmant stammte aus einer bekannten Orgelbau- und Organistenfamilie und war eine Art Wunderkind auf diesem Instrument. Man kann ihn durchaus als «Liszt der Orgel» bezeichnen, er war ein grandioser Virtuose und der erste Organist überhaupt, der international auf Tournee ging und dabei auch in Russland und in den USA auftrat. Guilmant war zudem ein gefragter Orgellehrer am Konservatorium, heute bekannte Namen wie Nadia Boulanger oder Marcel Dupré stammen aus seiner «Schule». Die insgesamt acht Orgel-Sonaten, die er komponierte, sind typische Zeugen seiner Zeit und sehr sinfonisch gedacht.

Die französischen Orgelkomponisten haben jeweils die Registrierung ihrer Stücke, also die Farbgebung, präzise mitkomponiert und vorgeschrieben. Ansonsten sind Organisten frei, dem Stil entsprechende Farben zu geben. Zum Glück steht in der Stadtkirche Winterthur eine grosse deutsche Walcker-Orgel von 1888, auf der man den französischen Farbenreichtum vor allem im vielfachen 8‘-Register umsetzen kann.

Effektvolles Stück mit eleganter Melodieführung

Tobias Frankenreiter, Organist der Stadtkirche, spielte das Konzert ohne Registrier-Gehilfen. Er zeigte in diesem effektvollen Stück eine echte Lust an der virtuosen Klangwucht, ohne dabei die Eleganz in der Melodieführung zu vernachlässigen. Sein Spiel war leicht und flüssig und – ganz im Sinne Guilmants – auch gut durchhörbar. Das Orchester begleitete ihn oben auf der Empore, wo die Orgel steht, mit nobler Zurückhaltung.

Man kann sagen, dass die französische Sinfonik insgesamt stark von der Orgel geprägt ist. Die meisten grossen Komponisten Frankreichs waren auch Orgel-Virtuosen. So auch César Franck (1822-1890), dessen Sinfonie d-Moll zum Inbegriff der französischen Sinfonie geworden ist. Thomas Zehetmair wählte zum üppigen, doppelt besetzten Bläsercorps eine eher schlanke Streicherbesetzung mit zwei Bässen und fünf Celli, dennoch gelang eine gute Balance zwischen den «Registern».

Franck arbeitet stark mit orgelähnlichen Wechseln von Bläsern und Streichern, aber auch mit terrassenartigen dynamischen Kontrasten. Die Sinfonie hat nur drei Sätze, formal besonders interessant ist der mittlere Satz, ein «Allegretto». Hier schieben sich die Tempi eines Andante und eines Scherzos übereinander, alles wirkt sehr kompakt. Das Musikkollegium spielte die Farbwechsel mit tollen Bläsereinsätzen virtuos aus, und Zehetmair spannte einen agilen Bogen über die gedrängte Form. Akustisch ging diese Sinfonie jedoch an die Grenzen des Kirchenraums.

Erstellt: 08.11.2019, 13:39 Uhr

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