Kunst

Am neuen Ort sollen die Kunsträume Oxyd experimenteller werden

Der verjüngte Vereinsvorstand will im Stadtzentrum ein neues Kapitel beginnen.

Der Kornhauskeller wird bald zum Ausstellungsraum.

Der Kornhauskeller wird bald zum Ausstellungsraum. Bild: pd

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Die Kunsträume Oxyd am neuen Ort, mitten in der Partymeile und in Nachbarschaft zum Salzhaus, werden anders werden. Das prophezeien Andi Fritschi, der das alte Oxyd zu seinem Lebenswerk machte, und Eve Hübscher, die die Zukunft im Keller des Kornhauses repräsentiert. Auf allen Ebenen wird zurzeit der Abschied von der Peripherie in Wülflingen und der Einzug im neuen, zentral gelegenen Domizil vorangetrieben: organisatorisch, finanziell, bautechnisch und kuratorisch.

War das Oxyd in Wülflingen organisch und kontinuierlich über zwei Jahrzehnte gewachsen, so ist das Kornhaus-Oxyd vom Start weg eine grosse Kiste. Bis diese Wunderbox im nächsten Frühjahr eröffnet werden kann, braucht es noch viele Diskussionen und Verhandlungen, Einbauten und Umbauten. Was den Vorstand an die Grenzen seiner Kapazitäten bringt. Doch Fritschi und Hübscher, die den Oxyd-Verein als Tandem leiten, haben schon wesentliche Pflöcke eingeschlagen.

Untergrund-Groove wie in Berlin-Friedrichshain

Entscheidend dafür war der Goodwill seitens der Stadt. «Ohne die Unterstützung von Stadträtin Yvonne Beutler würden wir nicht in diesem alten Lager stehen», sagt Fritschi. Der Vorstand hatte auch andere Standorte evaluiert. Die Immobilienabteilung stattete den Verein nicht nur mit einem unbefristeten Mietvertrag aus, sie steuert auch 150'000 Franken an die Umbaukosten von gegen 300'000 Franken bei. «Wir verstehen diesen Beitrag als eine Investition und generelle Wertsteigerung der Liegenschaft, unabhängig von den Mietern», sagte Beutler auf Anfrage.

Das Geld wird für die Entfluchtung, den Anschluss an die Lüftung und das Architektenhonorar verwendet. Geplant ist auch der Einbau einer Teeküche. Vom Lotteriefonds des Kantons Zürich wird bis August Bescheid über weitere 180'000 Franken erwartet.

Noch gleicht der lang gezogene, hohe Keller ohne Tageslicht eher einer Disco in Berlin-Friedrichshain als einem Ausstellungsraum. Auf den Wänden hat sich über Jahre eine Industriepatina abgelagert, ein kaltes Neonlichtband zerschneidet die Wände hälftig, und die Metall- und Betonstützenreihe entfaltet eine raumdominierende Wirkung.

Grosse Veränderungen werde es nicht geben, erläutert Fritschi: «Natürlich wird das Lager noch ausgeräumt und werden die Wände gereinigt; zusätzlich malen wir den Boden schwarz und die Decke weiss.» Voraussichtlich wird das Ausstellungsteam mit mobilen Wänden arbeiten. Zweifellos werden die Kunstschaffenden und die Kuratorinnen vor einigen Herausforderungen stehen, wobei performative Kunst und Installationen hier einen Rahmen finden, der zu vielversprechenden Experimenten einlädt. Der Untergrund-Groove und der krude Touch könnten zum Markenzeichen werden.

30 Prozent Lohn, 150 Prozent Arbeit

Die Verjüngung und die neue Aufgabenteilung im Vorstand hatten bereits vor einem Jahr stattgefunden. Mit Eve Hübscher, Pascal Mettler, Stefanie Frey und Fant Wenger wurden Leute gewählt, die in der alternativen Kunst- und Musikszene gut vernetzt sind und damit das Oxyd-Mitgliedersegment dringend über den treuen Kreis der Senioren hinaus erweitern sollen. Hübscher ist in einem 30-Prozent-Pensum angestellt, arbeitet aber 150 Prozent.

Neben der Organisation des Betriebes am neuen Standort wird die Kunstvermittlerin und Kuratorin zusammen mit dem Ausstellungsmacher Peter Grüter und mit der Unterstützung von Stefanie Frey künftig auch Ausstellungen kuratieren. Im Vorstand wird Hübscher neu in der Kommunikation durch die Kunsthistorikerin Franca Bernhart unterstützt. «Im Moment, wo uns Umzugskosten belasten, können wir uns eine Person, die ausschliesslich kuratiert, gar nicht leisten», sagt Fritschi.

Später sollen Gastkuratorinnen für Projekte temporär angestellt werden, ergänzt Fritschi, dessen Stärke das improvisierte Entwerfen und Bauen ist. Für diesen komplexen Umbau einschliesslich Bewilligungsverfahren kann er indes auf die Unterstützung von Peter Sturzenegger, Inhaber des Büros Isler Architekten AG, zählen. Er ist mit der Liegenschaft bestens vertraut.

Ankommen und experimentieren

Noch können keine konkreten Ausstellungspläne für das Oxyd Version 2.0 publiziert werden. «Für uns ist 2020 ein Pilotjahr, wo wir einmal ankommen müssen», erklärt Hübscher. «Wir sind am Planen und haben schon Zusagen, Details können wir im Moment nicht verraten.» Auf konzeptueller Ebene sind aber Neuausrichtungen angekündigt: «Wir verstehen uns mehr als Gastgeber. Wir wollen uns öffnen für experimentelle, etwa transdisziplinäre Projekte und die Schnittstellen zu anderen Kunstgattungen ausloten. Immerhin sind das Theater am Gleis und das Salzhaus unsere Nachbarn», führt Hübscher aus und betont, dass dem Team darüber hinaus die Förderung der jungen Kunstszene am Herzen liege.

Stadträtin Yvonne Beutler ist optimistisch: «Wir freuen uns sehr, dass es gelungen ist, ein neues Zuhause für das sehr geschätzte Oxyd zu finden, und wünschen ihm am neuen Ort viele Besucherinnen und Besucher», schreibt Beutler. Und Stadtpräsident Michael Künzle, zuständig für Kultur, sieht im Oxyd eine Bereicherung für die Kulturszene, wie auch ein jüngeres Winterthur eine Chance für das Oxyd darstellt.

Das alte Domizil beim Bahnhof Wülflingen wird mit einem Kunstfestival vom 13. September bis 6. Oktober gebührend verabschiedet. Beteiligt sind alle, die das alte Gewerbehaus mit Kultur und Kulinarik belebt und erfüllt haben. Eine Ära klingt aus, eine neue, ziemlich andere kündigt sich an.

Erstellt: 05.07.2019, 16:45 Uhr

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