Winterthur

Aufs Glatteis, um zu wachsen

Über fünfzig Konzerte in der ganzen Schweiz gab die Zürcher Band Soybomb in einem Jahr. Jetzt zieht das Trio nach Berlin. Der Winterthurer Frontmann Beda Mächler sagt, warum.

Weg vom grossen Pathos: Soybomb mit Andreas Achermann, Beda Mächler und Linus Gmünder (von links).

Weg vom grossen Pathos: Soybomb mit Andreas Achermann, Beda Mächler und Linus Gmünder (von links). Bild: zvg

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Im Sommer haben Songschreiber und Gitarrist Beda Mächler (25), Keyboarder Andreas Achermann (28) und Schlagzeuger Linus Gmünder (26) ihr Studium an der Zürcher Hochschule der Künste abgeschlossen. Nun machen sie sich auf, um neues Publikum zu erobern.

Wie sieht bei Ihnen ein Arbeitstag aus?
Beda Mächler: Morgen beginnen wir um 10 Uhr und proben bis etwa 18 Uhr. Abends spielen wir dann auch noch ein Konzert in Luzern. Danach folgen Auftritte in Basel, Winterthur und Zürich. Ich bemerke bei mir eine Tendenz zu festen Strukturen, geregelte Arbeitszeiten liegen mir. Neben der Band unterrichte ich Gitarre und arbeite als Velokurier, auch als Ausgleich zum Musikeralltag. Ich verstehe mich als Berufsmusiker.

«Neben der Band arbeite ich als Velokurier»

In diesem Jahr sind Sie schon durch die ganze Schweiz getourt, das Medienecho war gross für eine Newcomer-Band. Jetzt zieht Soybomb nach Berlin. Weshalb?
Es war von Anfang an unser Plan. Wenn man sein gewohntes Umfeld aufgibt, erhöht das die Konzentration auf die Musik und auch den Druck, etwas zu erreichen. Wir gehen nicht nur nach Berlin, um unser erstes Album zu machen, wir wollen dort auch ein Publikum finden. Die Möglichkeiten sind viel grösser als hier. Dazu müssen wir an uns arbeiten, den Kern von Soybomb herausschälen. Unsere Mentalität wird sich sicher ein Stück weit ändern. Um zu wachsen, muss man sich aufs Glatteis wagen.

Sie beschreiben Ihren Stil als «70’s Psychedelic Rock mit urbanen Grooves». Ich höre in den Songs auch die Beatles. Einverstanden?
Absolut. Die Beatles sind die Wurzel sowohl meines Musikhörens wie auch meines Musikmachens. Aber jeder von uns bringt sich ein, man findet in unserer Musik auch Funk, Hip-Hop und Soul.

Sie sind der Songschreiber der Band. Wie entsteht ein Song?
Von mir kommt der Text und ein erster, einfacher Input für die Melodie. Den Song erarbeiten wir dann zusammen.

«Wenn ich Zeit habe, nehme ich die Gitarre und spiele, bis ich eine Stimmung finde, die mir gefällt.»

Was ist zuerst da, Text oder Melodie?
Bei mir geht es immer über die Melodie. Ich gehe das recht trocken an. Wenn ich Zeit habe, nehme ich die Gitarre und spiele, bis ich eine Stimmung finde, die mir gefällt.

Sie haben alle drei in diesem Jahr Ihr Studium abgeschlossen. Was ist nun Ihr Ziel?
Es geht uns nicht ums Geld oder um den Erfolg. Es ist ein Riesenprojekt mit vielen Facetten, und wir brennen dafür. Wie finanziert man das, was muss man beim Organisieren beachten? Auch solche Fragen treiben uns um, wir machen ja alles selber. Man lernt auch, wenn man stolpert.

Zum Beispiel?
Wir haben gemerkt, dass es schwierig werden kann, wenn man aus Gefälligkeit Kooperationen eingeht und sich zu früh auf andere verlässt. Dann wagt man es weniger, Forderungen zu stellen und die eigenen Vorstellungen durchzusetzen. Bevor wir andere um Hilfe bitten, müssen wir herausfinden, was wir selber wollen.

«Ich mag es, wenn man spürt, dass eine Energie da ist, eine Ehrlichkeit und Direktheit. Perfekt muss es nicht sein.»

Haben Sie Vorbilder als Gitarrist?
In der Jugend waren das George Harrison und David Gilmore. Jetzt sind es Leute, die ihren eigenen Weg gehen, Neil Young zum Beispiel. Ich mag es, wenn man spürt, dass eine Energie da ist, eine Ehrlichkeit und Direktheit. Perfekt muss es nicht sein.

Sie wollen keinen stromlinienförmigen Design-Pop machen.
Eine Tendenz dazu herrscht heute in weiten Teilen der Popmusik. Mein Lernprozess bestand oft darin, dass ich eine Gegentendenz verfolgte zu gewissen Dingen, die an der Schule gelehrt wurden. Viele scheitern daran, dass sie alles ernst nehmen, statt etwas aus sich heraus zu entwickeln.

Wohin wird sich der Sound von Soybomb entwickeln?

Darüber diskutieren wir oft. Unsere EP war stilistisch sehr breit aufgestellt. Jetzt kommen wir weg vom grossen Pathos. Es tut auch sehr gut, bestehende Songs komplett neu zu instrumentieren, wie wir das kürzlich für den akustischen Auftritt im Portier getan haben. Es fördert die Kreativität, wenn das Material begrenzt ist. Die immensen technischen Möglichkeiten, die heute zur Verfügung stehen, hemmen sie hingegen.Für einen Song kann es ebenfalls wichtig sein, dass man Dinge weglässt.
Absolut. Komponieren heisst, sich gegen andere Möglichkeiten zu entscheiden. Ich setze mir ein Zeitlimit von zwei Stunden pro Song. Wenn ich länger mache, versandet die Stimmung. Und die hast du nur einmal, dann ist sie weg.

Morgen Samstag, 0.45 Uhr, Helvti, Wildbachstrasse 2. Ferner 16.11., Helsinki, Zürich

Erstellt: 10.11.2017, 15:59 Uhr

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