Winterthur

Beschwingt und beglückt in den Sommerabend

In seinem traditionellen Sommerkonzert grüsste das Orchester Reto Parolari am Sonntagabend mit Operettenmelodien aus Wien.

Das Sommerkonzert wusste zu begeistern, die Zuschauer konnten das Konzert dank der Verlegung der Spielzeit im Schatten geniessen.

Das Sommerkonzert wusste zu begeistern, die Zuschauer konnten das Konzert dank der Verlegung der Spielzeit im Schatten geniessen. Bild: Facebook

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Es war sicher eine gute Idee, das Sommerkonzert diesmal auf den späten Nachmittag zu verlegen: Anders als bei den Matineen beschatteten so die grossen Bäume den Serenadenplatz des Konservatoriums, was dem Publikum einen unbeschwerten Musikgenuss bescherte und den Ausführenden eine schweisstreibende Arbeit ersparte.

Das Programm hat Dirigent Reto Parolari aufgrund seiner intensiven Beziehungen zur Musikstadt unter das Motto «Gruss aus Wien» gestellt. Mit dem gleichnamigen Marsch von Robert Stolz nimmt es gemächlich Fahrt auf, bevor die rund fünfzig Sängerinnen und Sänger der Swissair Voices und des Männerchors Embrach sowie die Sopranistin Gracia Gonzalez die Bühne betreten, um mit dem Auftrittslied der Sylvia aus «Die Csardasfürstin» einen ersten, feurigen Höhepunkt zu setzen. Die Tonalität wechselt von Dur zu Moll, die Stimmung wird «balkanisch» (oder, um den K.u.k.-Jargon zu verwenden, «transleithanisch») und schon bei der ersten Instrumentalpassage bricht die pure Lebensfreude durch: Die tänzerische, klatschende Animation der Solistin wird vom Publikum sofort begeistert an- und aufgenommen.

Zur Beruhigung gibt es den beschaulich dahinplätschernden Walzer «Darf ich bitten», bevor es danach von Wien aus direkt in die Sommerfrische geht: Mit alpenländischem Glockengebimmel beginnt das «Weisse Rössl am Wolfgangsee», ein «Gassenhauer» im besten Sinne, bei dem auch die vereinigten Chöre herzhaft mittun dürfen.

Bereichernde Solistinnen

Erfrischend kontrastiert dazu die Bearbeitung des Strauss-Klassikers «Dorfschwalben aus Österreich» für Klavier und Orchester von Boris Mersson: Mit der teilweise modernen Harmonik in den von Brigitte Vinzens bravourös ausgeführten Solopartien nimmt der Schweizer Komponist dem Walzer das allzu Liebliche. Die perlenden, kapriziösen Klavierläufe setzen spannende Akzente zu den Orchesterpartien und die Finger der Solistin fliegen dabei tatsächlich wie Schwalben über die Tasten.

Lateinamerikanisches

Auch die lebhafte junge Sopranistin Gracia Gonzales, die dank eines Sponsors eigens für das Konzert aus El Salvador eingeflogen wurde, ist eine Bereicherung für das Programm: Das Repertoire ist ihr insofern auf den Leib geschneidert, als mit der «Habanera» aus Bizets «Carmen» und dem Cha-Cha-Cha «Ja in Brasilien» von Igo Hofstetter (aus der Operette «Roulette der Herzen») auch Lateinamerikanisches im Repertoire ist. Ihren tadellosen gesanglichen Auftritt begleitet sie mit lebhafter Mimik und Gestik, was nur teilweise ihrem Temperament geschuldet ist: Bevor sie Gesang und Klavier studierte, absolvierte sie eine Ausbildung zur Balletttänzerin. In der Folge trat sie nicht nur in Musicals auf, sondern auch in «klassischen» Opern und Operetten; dementsprechend bravourös meistert sie auch die österreichisch-ungarische «Hausmannskost» von Kálmán («Csardasfürstin») und Benatzky («Weisses Rössl»).

Nach der Schnellpolka «Freikugeln» mit überraschender Sch(l)usspointe klingt die Serenade mit einem grossen Medley aus der «Maske in Blau» von Fred Raymond aus: Das Orchester Reto Parolari sorgt für dynamische und rhythmische Überraschungen und es «fägt» so richtig, was vom zahlreichen Publikum mit grossem Applaus verdankt wird.

Erstellt: 24.06.2019, 16:22 Uhr

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