Winterthur

Blitzschnell, gescheit und sehr lustig

Im Kampf um den Schweizer-Meister-Titel im Theatersport dominiert die Freude am lustvollen Spiel und höheren Blödsinn. Heute Abend ist der Final.

Die Teams treten auch gemischt mit- und gegeneinander an. Halbfinal der Schweizer Meisterschaft im Theatersport auf der Bühne des Casinotheaters.

Die Teams treten auch gemischt mit- und gegeneinander an. Halbfinal der Schweizer Meisterschaft im Theatersport auf der Bühne des Casinotheaters. Bild: Heinz Diener

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Das fängt ja schon gut an: Mit einem funky Gitarrenriff erweist die Pocketband dem kürzlich verstorbenen Prince die Ehre – das Publikum dankt es durch begeistertes Mittun. Die Stimmung ist bereits bestens und Schiedsrichter Christian Sauter versteht es, den Saal weiter zu animieren: Da die Zuschauenden per Applaus entscheiden, müssen sie sich zunächst erheben und pathetisch – mit der Hand auf dem Herzen – den kollektiven «Theatermeisterschafts-Schwur» ablegen. Damit geloben sie, «unabhängig von kantonaler Herkunft, subjektiv und gerecht» zu entscheiden sowie «den Schiri und seine Entscheide» zu respektieren.Denn so eine Schweizer Meisterschaft ist schliesslich eine seriöse Sache: Die Teams messen sich in kurzen, improvisierten Theatersequenzen, die Themen legt das Publikum per Zuruf fest. Der Schiri strukturiert und überwacht das Ganze, er hat sogar Gelbe und Rote Karten dabei. Verweise erteilt er jedoch mit einem Augenzwinkern: Einmal trifft es den Saal, und nach einem groben Foul an seiner im Publikum zufällig ausgewählten Assistentin Miriam straft er sich sogar selber ab . . .

Eine Geschichte in vielen Sprachen

Angetreten sind zu diesem ersten Halbfinal am Donnerstag Zweierteams vom Theater Am Puls aus Bern, Improphil aus Luzern und Theater Anundpfirsich aus Zürich. Mal spielen sie als Teams gegeneinander, mal gemischt, mal als einzelne Akteure. So soll etwa mit Requisiten aus dem Publikum eine Szene auf einem Dampfschiff dargestellt werden. Doch dank der «Bordärztin» Roberta (mit starkem Damenbart) und diverser inkontinenter Passagiere gerät sie zu einer wahren «Inkontinentalfahrt».

Oder die Agierenden sollen die Geschichte vom Pinguin, der fliegen wollte, erzählen, und zwar abwechselnd und in verschiedenen Redestilen: als Sportreporter, Sexualtherapeutin, Shakespeare, Dadaismus, Wettervorhersage oder Fernsehpredigerin. Vor lauter Lachen kommt das Publikum kaum zu Atem. Denn mit den Jargons stellen die Akteure natürlich auch komplett unterschiedliche Typen dar.

Der Spielformen sind viele: Die Schauspielenden müssen auf ein bestimmtes Stichwort hin (Zebra, Ente, Zange, Sauna) auf- oder abtreten, und das in einer Szene, die in einer Kantine spielt.

Fantasie und blitzschnelles Denken sind gefragt

Aber auf die Idee, dass auch «Stud-Enten» oder «sau nah» die erforderlichen Stichworte enthalten, muss man während des Improvisierens ja erst mal kommen. Daneben gibt es auch musikalische Runden, bei denen die erstklassige Pocketband gefordert ist: Zum Thema «Der Schnee schmilzt» sollten die Teams im Elektropop-, im Reggae- und im Hip-Hop-Stil singen und performen, was sie mit Herzblut tun: Der Saal geht voll mit, stampft und klatscht bald im Takt.

Wenn es um den Schweizer-Meister-Titel geht, dominiert beim Theatersport die Freude am lustvollen Spiel und am höheren Blödsinn. Das merkt man auch daran, dass die Spielenden manchmal mitten in der Szene selber laut herauslachen müssen oder ihren Gegnern spontan applaudieren, wenn diesen ein Coup gelungen ist. Am Schluss des Abends ist der Ausgang knapp: Improphil aus Luzern haben 38 Punkte auf dem Konto, das Theater am Puls aus Bern hat 35 und das Theater Anundpfirsich 34. Die beiden besseren Teams treten heute zum Final an. Aber alle haben sie Hervorragendes geleistet. Und so ist der eigent­liche Gewinner das Publikum: Danke, Simone und Kathrin, Manuel und Niggi, Randolf und Reto.


Final: heute, 20 Uhr, Casinotheater. (Landbote)

Erstellt: 06.05.2016, 20:38 Uhr

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