Casinotheater

Champagner muss her, tralalala

Das Losungswort heisst: Amüs’ment, Amüs’ment. Die Operette «Die Rache der Fledermaus» ist im Casinotheater Winterthur ein grosser Spass und hält der vergnügungssüchtigen Gesellschaft den Spiegel vor.

Einer hat sich einen Spass ausgedacht, und alle machen mit: Stefan Kurt, Christoph Marti, Tobias Bonn.

Einer hat sich einen Spass ausgedacht, und alle machen mit: Stefan Kurt, Christoph Marti, Tobias Bonn. Bild: Michael Bigler

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Eigentlich ist es ja ungerecht. Dem Publikum wird gesagt: «Bitte keine offenen Getränke in den Saal mitnehmen.» Für das Personal auf der Bühne aber gilt: «Trinke, Liebchen, trinke schnell.» In der «Rache der Fledermaus», der neuen Eigenproduktion des Casino­theaters Winterthur, wird auch recht gesoffen.

Doch das Publi­kum bekommt etwas ab von diesem Rausch der Operette. Uns ist vor Glück ganz leicht geworden, wie nach zwei, drei Gläschen Champagner. Und fast hätten wir aus lauter Begeisterung den Nachbarn geküsst.

«Lasst uns das traute Du uns schenken, für die Ewigkeit» – und auf einmal haben alle Sex

Dann würde man sagen, was Rosa­linde sagt: «Der Cham­pagner hat’s verschuldet, tralalalala.» Lustig ist im Grunde genommen die «Fledermaus»-Ge­schichte­ nicht, es geht um Rache und Betrug, auch wenn am Ende alles nur ein Spiel ist.

Einer hat sich einen Spass ausgedacht, die anderen haben mitgemacht, niemand kommt ernsthaft zu Schaden. Und doch könnte sich das Personal auf der Bühne manchmal an den Kopf greifen und sich fragen: Himmel, was haben­ wir da angestellt?

Verlorene Unschuld

Sie haben zum Beispiel Party gemacht und das schöne Lied «Brüderlein, Brüderlein und Schwesterlein» gesungen: «Lasst uns das traute Du uns schenken, für die Ewigkeit» – und auf einmal haben alle Sex: der Araber mit der ungarischen Gräfin, der Marquis mit der Schauspielerin, der russische Prinz mit dem Amerikaner. Ein Lied, das so harmlos tönt, hat seine Unschuld verloren. Und so ist es auch mit der ganzen Operette. Es geht zur Sache, Liebchen.

«Die Fledermaus» sei eine maxi­male Operette, hat einmal Niko­laus Harnoncourt gesagt, turmhoch den anderen überlegen. «Die Rache der Fledermaus» ist die Steigerungsform von maximal. Denn Regisseur Stefan Huber und sein musikalischer Leiter Kai Tietje gehen in ihrer Bearbeitung über die Grenzen der Operette hin­aus. Weg mit dem Plüsch, her mit schrägen Tönen, heisst das Programm.

Da singt schon mal Tenor Alfred «Goodbye, My Love, Goodbye». Minimal ist aber die Besetzung. Neun Schauspielerinnen und Schauspieler stehen auf der Bühne, die auch Sängerinnen und Sänger sind. Die Musik machen die Zucchini Sistaz, Francesco Carpino und Kai Tietje. Und auf einmal swingt dieser Johann Strauss.

Die Operette hält uns den Spiegel vor: Was passiert, wenn Menschen ein bisschen vergessen wollen, wer sie sind? Der Marquis Renard, der mit der ungarischen Gräfin auf einem Ball poussiert, ist eigentlich kein Marquis, sondern Gabriel von Eisenstein, ein Rentier. Und die Gräfin ist auch keine Gräfin, sondern Rosa­linde, seine Frau.

Der hüpfende Frosch

Dieses Spiel mit den Masken und der Verführung könnte  in einer Katastrophe enden. Scheidung ist aber kein Thema. Denn im Tralalalala-Land ist an allem nur der Champagner schuld.

Christoph Marti und Tobias Bonn, die sonst Geschwister Pfister sind, spielen dieses Paar grandios. Sie tun so, als ob eine Trennung sie schmerzte. Und jubi­lieren im selben Augenblick über ihre neuen Freiheiten.

Gross­artige Verwandlungs­künst­ler sind Gabriela Ryffel als Dienstmädchen Adele mit Liza-Min­nelli-Potenzial oder Rolf Som­mer als Gefängnisdirektor, der es gerne auch lustig hat.

Alle auf der Bühne sind überhaupt famos, vom Helden­tenor Alen Hodzovic über Max Gertsch und Katja Brauneis bis zur feinen Stefanie Dietrich als Prinz Orlofsky.  

Und da ist natürlich Stefan Kurt. Als Dr. Blind und Ali-Bey ist der grosse Schauspieler vorher durchs Stück gewuselt, im dritten Akt hat er dann seinen Solo-Auftritt: als Frosch, Gefängniswärter, ewig betrunken. Eine Glanznummer.

Stefan Kurt spielt mit allem, was um ihn ist, und singt den ganzen «Kiosk» von Polo Hofer plus ein paar Noten von Bob Marley. Dann beginnt die ganze Welt um ihn herum zu tanzen.

Bis 30. Sept. (Der Landbote)

Erstellt: 31.08.2018, 13:19 Uhr

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