Winterthur

Das Fuchs-Sein hat einen Haken

Die Beginner und Tocotronic brachten mit Käptn Peng und dessen Band «Die Tentakel von Delphi» den Soundtrack einer Generation auf die Steinberggasse.

«Ich komm mit grossem Herz, mit Pauken und Trompeten.» Das Publikum sang bei jeder Textzeile der Beginner mit.

«Ich komm mit grossem Herz, mit Pauken und Trompeten.» Das Publikum sang bei jeder Textzeile der Beginner mit. Bild: Enzo Lopardo

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Fuchs sein fetzt! Vor allem wenn das Rudel tollt. Daran liessen die Füchse von der Elbe, wie sich die Beginner selbst nennen, keinen Zweifel: Gleich bei ihrem ersten Song «Ahnma» schwappte am Freitagabend der Übermut der Hamburger Crew auf die Fans in der ausverkauften Steinberggasse über und verwandelte die Altstadt für 90 Minuten in einen rauschenden Festplatz: «Winterthur ist die richtige Adresse» für alle «mit Interesse an Beats und fetten Bässen».

Denyo, DJ Mad und Jan Eissfeldt alias Eizi Eiz, auch bekannt als Jan Delay, machten zudem bereits zu Beginn des Auftritts klar: «Ich komm mit grossem Herz, mit Pauken und Trompeten für die Obernerds und die saufenden Proleten; die Messdiener, Crackdealer, Alt-68er, alle sind happy, denn der Testsieger rappt wieder.» Und happy, das waren die Fans in der Steinberggasse tatsächlich. Umso ausgelassener sangen sie bei jeder, ja wirklich jeder Textzeile mit.

Songs mit Kultstatus

Dass die Beginner geübte Partymacher sind, haben sie in den letzten zwei Jahrzehnten mehrfach bewiesen. Die Pioniere des deutschen Sprechgesangs haben zwar nur gerade vier Alben veröffentlicht, dafür gilt ein Album wie das 1999 veröffentlichte «Bambule» als Soundtrack einer Gene­ration. Dazu gehören Songs wie «Füchse», der vor allem wegen seiner Textzeile «Ein Fuchs muss tun, was ein Fuchs tun muss» Kultstatus hat. Genauso wie «Hammerhart» und «Liebeslied» oder das Cover von Nenas «Irgendwie, irgendwo, irgendwann».

Die Beginner holten ihr Publikum aber nicht nur mit Klassikern ab: Ihr Album «Advanced Chemistry» aus dem Jahr 2016 ist eine Retrospektive auf den deutschsprachigen Rap, benannt nach einen der ersten deutschen Rapgruppen überhaupt. Weil deren Mitgründer Torch, der als der Übervater des deutschen Hip-Hops gilt, später am Abend noch im Salzhaus auflegte, holten die Hamburger ihn ebenfalls auf die Bühne und performten mit ihm «Wir waren mal Stars».

Als Tocotronic im Zelt auftrat

Ja, «Fuchs sein fetzt», wenn die Helden der Jugend auf der Bühne stehen. Die Textzeile aus dem Song «Sie mögen sich» vom Berliner Rapper Robert Gwisdek alias Käptn Peng könnte den Musikfestwochen-Abend vom Freitag kaum treffender zusammenfassen. Doch der wortgewandte Poet Käptn Peng mahnte bereits am frühen Abend: Das Fuchs-Sein hat einen Haken!

Käptn Peng und seine Band «Die Tentakel von Delphi» sind bekannt dafür, dass sie in ihren sozialkritischen Texten gerne mal dem Publikum den Spiegel vorhalten. Wie bereits vor vier Jahren schafften sie es auch dieses Mal, die Musikfestwochen-Besucherinnen und -Besucher mit ihren Reimspielereien in den Bann zu ziehen. Songs wie «Sockophobie», in dem die Socke zum Ursprung des Ursprungs des Ursprungs, ja zur «Quelle» zur «Socke des Lebens» wird, sind ein Spektakel für alle Fans von klugen, ausgefuchsten Texten. Ein super Einstieg in den Abend. Denn gleich danach spielten Tocotronic, die Helden des deutschen Kopfpops, die mit Song­zeilen wie «Sag alles ab», «Im Zweifel für den Zweifel», «Bitte os­zillieren Sie» ebenfalls den Soundtrack einer Generation geschrieben haben.

Doch der Funke wollte nicht aufs Publikum überspringen. Die eher nachdenklichen und unaufgeregten Songs von Tocotronic wollten die Leute nicht so recht packen. Die eher dumpfe Abmischung war zudem nicht förderlich. Da halfen auch die Versuche von Sänger Dirk von Lowtzow nicht, das Publikum zu animieren. «Aber hier leben», rief er dem Publikum zu. Die Antwort «Nein danke» kam nur zögerlich. «Das ist noch nicht das Winterthur, wie ich es kenne», meinte der Sänger – in Erinnerung an den Auftritt im Jahr 1996. Damals traten Tocotronic während der Musikfestwochen in einem kleinen Zelt auf. Es wird erzählt, dass Besucherinnen und Besucher begeistert auf den Biertischen gestanden und ein paar Teenager Teddybären und andere Kuscheltiere auf die Bühne geworfen haben sollen.

Derartige Liebesbeweise für Tocotronic, ebenfalls alte Füchse von der Elbe, blieben am Freitagabend definitiv aus. Oder wie Käptn Peng bereits zu Beginn des Abends anmerkte: «Dinge machen keinen Spass ohne Liebe.» Denn das Fuchs-Sein fetzt nur dann, wenn alle Füchse zusammen tollen. (Landbote)

Erstellt: 20.08.2018, 09:09 Uhr

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