Winterthur

Das ganze Alphabet der Pianistin

Mit Klaviermusik von A bis Z ist die Winterthurer Pianistin Luisa Splett auf Tournee. Sie spielt kostbare Miniaturen und Raritäten in zwei Programmen.

Hellhörig und neugierig: Die Pianistin Luisa Splett.

Hellhörig und neugierig: Die Pianistin Luisa Splett. Bild: zvg

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In bester Erinnerung ist Luisa Spletts Debüt mit einem Mozart-Konzert beim Musikkollegium 2014. Winterthur ist die Stadt, in der sie geboren wurde und ihre erste pianistische Ausbildung erhielt. Schon auf ihrer musikalischen Lehr- und Wanderschaft durch Länder und Kontinente hat sie die Heimatstadt hinter sich gelassen. Doch sie hat sie nicht vergessen. Seit 2012 lebt und arbeitet sie in Berlin, mit Konzertprojekten ist sie aber öfters auch in der Schweiz unterwegs, und der Bezug zu diesem Land ist auch im künstlerischen Sinn eng und direkt. Luisa Splett pflegt zwar ein universelles Repertoire, aber sie engagiert sich auf vielfältige Weise auch für das Schweizerische Musikschaffen. Dazu gehören Beziehungen zu zeitgenössischen Komponisten wie Alfred Felder, eigentliche Forschungsarbeit, die sie dem Komponisten und Pianisten Emil Frey widmet, und schliesslich auch die Präsenz eher vergessener Klavierliteratur der Romantik und des 20. Jahrhunderts mit Schweizer Bezug in ihren Programmen.

Workshops für Flüchtlingskinder

Auch die aktuelle Tournee durch sieben Orte der Schweiz zeigt diesen Bezug. 26 Komponistennamen, für jeden Buchstaben des Alphabets einen, sind in den beiden Programmen aufgeführt, darunter mit Schweiz Bezug Ernest Bloch, Emil Frey, Hermann Götz und Paul Juon.

Eine weitere Intention, die Luisa Splett bei der Suche nach den «Trouvailles Pianistiques» von A bis M und von N bis Z leitete, war ein Thema, das sie im Alltag begleitet: «Flucht und Vertreibung». In Berlin leitet sie Workshops für Flüchtlingskinder. Reisen und dem Herkunftsort ferne Lebensstationen prägen viele Musikerbiografien, auch Exil, Vertreibung und Schlimmeres. So gehören auch Komponistenschicksale wie dasjenige von Viktor Ullmann oder Mieczylaw Weinberg zum künstlerischen Alphabet von Luisa Splett.

Dieses Alphabet spiegelt auch das eigene Unterwegssein, die Beziehung zu Südamerika mit dem Chilenen Luis Advis, die St. Petersburger Zeit mit der Präsenz der grossen Russen Tschaikowsky, Rachmaninow, Prokofjew. Dass es auch Zufälligkeiten gibt, leugnet die Wahlberlinerin nicht. Beim Q-Komponist, der ja auch vorkommen musste, half, wie sie erzählt, Wikipedia mit dem Hinweis auf Alfred Quidant. Er war der «Show-Pianist» der Pianofabrik Érard und hat süffige Klaviermusik für den Salon hinterlassen – gerade passend für ihre Sammlung.

Denn auch wenn ernste Töne angeschlagen werden, ihr Rezital sollte nicht als übergewichtiges Lexikon daher kommen. Sie betont, dass es ihr um Abwechslung und Beziehungsreichtum, um Anregung, Hellhörigkeit und Neugier zu tun ist. Locker blättert sie durch Jahrhunderte und Stile, und vielfach ist den Miniaturen, die sie zusammengestellt hat, das Poetische und tänzerisch Leichte eingeschrieben – am Schluss steht das «Käferlied» von Alexander Zemlinsky.


Programm I: Sonntag, 19.11., 19.30 Uhr, Neuwiesenhof, Winterthur. Programm II: 24.11., Bürgerasyl, Stein am Rhein, und 30.11., ZKO-Haus, Zürich, je 19.30 Uhr. ()

Erstellt: 14.11.2017, 15:47 Uhr

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