Zum Hauptinhalt springen

Das Herz auf dem fetten Fleck

Das Musical «Hairspray» fügt mit Witz und Drive ein ironisches Comeback der Sixties mit einer gültigen Botschaft zusammen.

Beatrice Reece als wuchtige Draufgängerin Tracy Turnbold.
Beatrice Reece als wuchtige Draufgängerin Tracy Turnbold.
zvg

Die Geschichte der pummeligen Tracy Turnbald folgt einem gängigen Muster. Eine Benachteiligte schafft es gegen alle Widerstände, ihren Traum zu verwirklichen, hier den Traum vom Erfolg in der lokalen Fernsehshow von Baltimore. Aber «Hairspray», Mac Shaimans Erfolgsmusical von 1988 nach dem gleichnamigen Film von John Waters, visiert mit dem Glück des unaufhaltsamen Tanz-Tsunamis mehr an. Es ist ein Manifest gegen die Rassendiskriminierung und gegen die Stigmatisierung übergewichtiger Menschen. Die Moralkeule wird allerdings gepolstert mit allerlei unterhaltsamen Stoffen: Dazu gehört das augenzwinkernde Comeback der Sixties mit den Frisuren, die sich der Erfindung des Haarsprays verdanken. Dazu gehört weiter die Persiflage auf die drögen TV- Shows, deren stupides Geschwafel und Geglitzer auch schon US-Präsidenten hervorgebracht hat. Dazu gehört die Veräppelung der Rassisten, deren Vertretung sich im Stück allerdings im Wesentlichen auf ein paar Protagonisten-Tussis beschränkt, und dazu gehören schliesslich auch eine Menge Kalauer und sehr viel Retro-Pop und Tanz.

Schön schräg und aufwendig

Die Aufführung des Euro-Studio Landgraf servierte das alles im Theater Winterthur mit viel Sinn für das Schräge und mit grossem Aufwand an Kostümen und Personal. Katja Wolf (Inszenierung) und Christopher Tölle (Choregorafie) legen den Fokus auf tänzerischen Drive und auf präzis choregrafiertes Spiel überhaupt, und dass der Handlungszusammenhang im bühnenbildnerischen Format der grellsüssen TV-Show ein wenig auf der Strecke bleibt, schadet dem Spass kaum. Beeinträchtigt wurde er am Donnerstag eher durch die nicht gerade optimale Tonanlage, welche die Stimmen mehr laut als deutlich verstärkte und die hervorragend spielende Big Band des Bulgarischen Nationalen Rundfunks gar penetrant klingen liess.

Dass in allen Belangen durchwegs gewiefte Musicaldarsteller agierten, war aber zu hören wie zu sehen und ging zum grossen Teil mit komödiantischem Effekt einher, der für Lacher sorgte.

Eine Nummer für sich ist Claudius Freyer als Tracys Mutter. Aber auch afroamerikanische Inbrunst kam gross zur Geltung, so mit Monica Levis-Schmidt als Motormouth Maybelle. Und Beatrice Reece als wuchtige Draufgängerin hatte auch sehr berührend-zarte Töne für die Figur im Mittelpunkt eines Musicals, welches das Herz auf dem fetten Fleck hat.

Weitere Aufführung: Heute 19.30 Uhr, Theater Winterthur.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch