Winterthur

Das Lächeln der Aussenseiter

Über zwanzig Klage- und Protestlieder ­sangen Dodo Hug und Efisio Contini im Theater am Gleis. Ein berührendes Programm über das Schicksal der Arbeiterklasse.

Die Musik löst zwar keine Probleme, sie kann aber Hoffnung machen. Dodo Hug und Efisio Contini im Theater am Gleis.

Die Musik löst zwar keine Probleme, sie kann aber Hoffnung machen. Dodo Hug und Efisio Contini im Theater am Gleis. Bild: Marc Dahinden

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Auf der Bühne stehen über zehn Instrumente. Von der Gitarre über das Cuatro bis hin zum Xylofon reicht das Spektrum. Knapp dreissig Zuhörerinnen und Zu­hörer warten am Donnerstag im Theater am Gleis auf die sprachbegabten Musiker: Seit über vierzig Jahren steht Dodo Hug auf der Bühne, die Hälfte davon mit ihrem Lebenspartner Efisio Contini. Das Duo bringt sein neues Bühnenprogramm «Sorriso clandestino» (auf Deutsch «das Lächeln des Aussenseiters») mit.

Den Nerv der heutigen Zeit getroffen

Wortgewandt erzählen Hug und Contini vom Leben und Schicksal der Arbeiterklasse, von der Industrialisierung bis zur Gegenwart. Damit treffen sie den Nerv der heutigen Zeit, wie man es sich nicht besser vorstellen könnte. Die Themen Ausbeutung, Unterdrückung, Arbeitslosigkeit, Kinderarbeit und Migration sind in den Medien allgegenwärtig.

Hug und Contini erinnern aber auch an Schicksale, die längst in Vergessenheit geraten sind. Und dies mehrsprachig: Auf Hochdeutsch, Spanisch, Sardisch/Korsisch, Französisch, Italienisch, Englisch und Schweizerdeutsch präsentieren die beiden die schweren Themen. Sie tun es auf bewegende Art und Weise.

«Lösungen für all die Probleme auf der Welt haben wir zwar keine, aber Musik kann einem immer Hoffnung machen», meint Dodo Hug zwischen den Liedern. Auch wenn man als Zuhörerin nicht jedes Lied versteht, die Botschaft der Texte berührt dennoch, dank der emotionalen Kraft der Musik und des Gesangs.

Das verlorene Lächeln

Seit über fünf Jahren ist das ­Musikerehepaar mit diesen Klage- und Protestliedern unterwegs, anfangs unter dem Titel «Sorriso amaro» mit einem rein italienischsprachigen Programm. Die Ausweitung auf mehrere Sprachen bringt auch eine Erweiterung des Horizonts mit sich. In über zwanzig Liedern machen Hug und Contini auf Schicksale von Menschen aufmerksam, die vieles verloren haben, und spielen sich damit in die Herzen der Zuhörer.

Auch eigene Songs sind darunter, zum Beispiel ein Lied über das Schicksal von Continis Grossonkel in Sardinien. Und sie leiten auch eine Botschaft für die Menschen ab, die im Wohlstand leben: «Man sieht immer wieder Bilder von vollen Flüchtlingsbooten. Dar­auf schauen die Flüchtlinge in den Himmel und lächeln. Uns hier geht es sehr gut, das Lächeln aber haben wir verloren», erklärt Dodo Hug und leitet über zum nächsten Lied, «Sorriso clan­destino».

Die beiden Künstler möchten auf spielerische Art und Weise die ernsten und schweren Themen unserer Zeit vermitteln; das Publikum soll seinen Horizont erweitern und nicht mehr wegschauen. Das gelingt ihnen ausgezeichnet. Sympathisch führen die beiden geborenen Geschichtenerzähler durch das Programm und stellen dabei ihre musikalische und sprachliche Vielfältigkeit immer wieder unter Beweis. Ein Programm, das aufrüttelt und nachdenklich macht.

Erstellt: 12.03.2016, 09:06 Uhr

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