Musikfestwochen

Das Zirkus-Orchester aus Brooklyn

Die spannendste Band des diesjährigen Festivals heisst Beirut, kommt aus New York und verschmilzt europäische Einflüsse zu einem farbigen Panorama-Sound.

Zach Condon ist der Kopf der Folkpop-Band Beirut.

Zach Condon ist der Kopf der Folkpop-Band Beirut.

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Beirut spielen im August am letzten Abend der Musikfestwochen in der Steinberggasse. Der Verein Musikfestwochen gab gestern das Programm bekannt.

«Gallipoli», das im Februar erschienene fünfte Album von Beirut, ist klanglich so gut abgestimmt und präzise produziert, dass man es zunächst für das Produkt von amerikanischen Hochschulabsolventen hält. Aber das Gegenteil ist der Fall: Zach Condon, der Kopf von Beirut, hat die Einflüsse seiner Musik sozusagen auf der Strasse aufgelesen.

«Beirut» live in der Late Show mit Stepehn Cobert. Video: PD via Youtube

Nach dem Abgang von der Highschool in New Mexico reiste er durch Osteuropa und sog dort besonders den Sound der Brassbands auf dem Balkan auf. Er selber nennt zudem The Smiths und The Magnetic Fields als Einflüsse. «Gallipoli» ist auch der Name einer Stadt in Apulien, am Absatz des italienischen Stiefels gelegen: Dort sowie in Berlin und New York wurden die zwölf Stücke des neuen Albums aufgenommen. Anders als beim Balkanpop aus der Schweiz und Deutschland stehen die «ethnischen» Elemente bei Beirut nie im Vordergrund. Das Trio verschmilzt sie vielmehr zu einem fantasievollen, farbigen und experimentierfreudigen Folk-Pop, der manchmal an Zirkus-Orchester erinnert. Die Vielfalt wird ausbalanciert durch einen zuweilen fast minimalartigen Einsatz süffiger Melodien, die Condon mit seiner weichen, flexiblen Stimme in die Endlosschlaufe schickt.

Landslide von Beirut. Video: PD via Youtube

Als Anspieltipp zu empfehlen ist das sinfonische «Landslide», eine Hymne, die eingängig und volkstümlich klingt und mit sanft vorwärts treibenden Rhythmen unterlegt ist.

Die anderen Headliner der Hauptkonzerte sind zwei Bands, die bereits einmal am Festival spielten. Madrugada aus Norwegen lösten sich nach ihrem Auftritt 2008 auf, seit letztem Jahr sind sie nun auf Reunion-Tour. Das Trio mit den Gründungsmitgliedern, dem Sänger Sivert Høyem, Bassist Frode Jacobsen und Drummer Jon Lauvland Pettersen, produziert einen eindringlichen, dunkel getönten Sound, dem die sonore Stimme von Høyem zu Spannung verhilft.

Strange Colour Blue (Live 2018) von Madrugada. Video: PD via Facebook

Bereits bekannt war der Auftritt von Annen May Kantereit. Die Band aus Köln spielte bereits 2014 auf der kleinen Kirchplatzbühne. Wie immer beginnt das Festival mit einem achttägigen kostenlosen Programmteil, in dem es viel kaum Bekanntes zu entdecken gibt.

Marie von Anan May Kantereit. Video: PD via Youtube (Landbote)

Erstellt: 20.03.2019, 10:39 Uhr

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