Winterthur

Das Zusammenleben ist eine Baustelle

Die reformierte Kirche Wülflingen feiert die Einweihung ihres Kirch­gemeindehauses mit einem Musical. Die junge Produktion vereint beste Unterhaltung mit einigem Tiefsinn.

Die Laiendarsteller im Musical «Baustelle 2.0» spielen, singen und tanzen mit sichtlichem Vergnügen.

Die Laiendarsteller im Musical «Baustelle 2.0» spielen, singen und tanzen mit sichtlichem Vergnügen. Bild: Marc Dahinden

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Fünfzehn Laiendarsteller aus der Region Winterthur plus Band spielen eine farbenfrohe, lebendige Geschichte im frisch renovierten Kirchgemeindehaus Wülflingen. Die Story spielt vor etwa hundert Jahren in einer Kolonie: Die Kulturunterschiede seien damals ausgeprägter gewesen, deshalb eigneten sie sich besser für die Bühne, begründet Seraphin Schlager (Ko-Regie und Libretto) die Wahl.

Zu hören gibt es bekannte Melodien.Situationskomik, witzige Dialoge, ein kompakter Bandsound und professionelle Leistungen der Darsteller: Das Musical bietet beste Unterhaltung. Leichte Kost ist es jedoch keineswegs. Im Zentrum steht Major Maximilian Forsch, der als Vertreter einer Kolonialmacht in einem südlichen Land einen irrwitzigen Turmbau realisieren soll – mit preussischer Disziplin.

Ein Ausschnitt aus dem musikalischen Programm – Small Town - John Mellencamp gesungen von Tamara Benedetto. Quelle: facebook

Dass die südländischen Menschen, die das Projekt ausführen, komplett anders ticken, dass sie das Leben (und folglich auch die Arbeit) leichter nehmen und ihnen andere Werte wichtig sind, das passt nicht in seinen Kopf. Diese Konstellation treibt Forsch beinahe in den Wahnsinn. Zugleich ist sie eine Steilvorlage für viele humoristische Szenen.

Eine Katastrophe folgt der nächsten, bis zur letzten, allergrössten: dem Totaleinsturz der Bauten kurz vor dem Besuch des preussischen Inspektors . . .

Das Ende ist ein Anfang

Genauso streng und verknöchert geht Forsch mit seinen drei Töchtern um. Es kommt, wie es kommen muss: Sie rebellieren und brechen aus ihren Rollen aus. Der Zusammenbruch des Turms steht auch für den Untergang einer Epoche und ihrer Werte: Maximilian Forsch scheitert beruflich als Offizier und auch als Vater und Mann.

Am Schluss sind es ausgerechnet die leichtlebigen Südländer, die ihn unterstützen und ihm einen Ausweg zeigen. Die Moral: Erst der tiefe Fall ermöglicht den Neubeginn.

Musicals haben im Kirchgemeindehaus Wülflingen Tradition. Früher studierte hier ein Pfarrer mit seinen Konfirmanden solche Produktionen ein, dann übernahm ein junges Dreierteam mit Dorien Wijn (musikalische Leitung), Mike Dumitrescu (Regie) und Seraphin Schlager. Sie sind jetzt auch für das Einweihungsmusical verantwortlich.

Heute, 19.30 Uhr und Sonntag, 17.30 Uhr, Kirchgemeindehaus Wülflingen. Eintritt frei, Kollekte. (Der Landbote)

Erstellt: 23.03.2018, 16:53 Uhr

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