Winterthur

Der Zauber von Papierarbeiten

Zum Abschied von Direktor Dieter Schwarz haben dem Kunstmuseum lokale und internationale Künstler Arbeiten auf Papier geschenkt.

Thomas Schütte: «Remember you – remember me», 2016. © 2018 Pro Litteris, Zürich.

Thomas Schütte: «Remember you – remember me», 2016. © 2018 Pro Litteris, Zürich. Bild: pd

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Was als Geheimaktion vor zwei Jahren begann, dann als exklusiver Kurzevent in der Kunsthalle im letzten Mai über die Bühne ging, ist nun an seinem richtigen Ort angekommen – im Museum beim Stadthaus, wo Dieter Schwarz bis letzten Sommer als Direktor wirkte.Als Hommage internationaler und regionaler Kunstschaffender an sein knapp dreissigjähriges ­erfolgreiches Wirken war die Schenkung gedacht.

Die Idee ­dazu war im inneren Zirkel von Galerieverein und Kunstverein geboren worden und sollte nicht nur Ausdruck der Wertschätzung sein, sondern auch einen Eindruck von der intensiven Zu­sammenarbeit vermitteln, die Schwarz mit den Künstlerinnen und Künstlern pflegte. Sie wurden um ein Werk auf Papier als Geschenk für die Sammlung des Kunstvereins gebeten.

Fünfunddreissig reagierten mit beeindruckenden Blättern. Nun ist daraus die Ausstellung «Auf Papier. Künstlerschenkungen zum Abschied» geworden. Die einzelnen Arbeiten sind in der schönen Begleitpublikation «Kunst/Arbeit/Dieter Schwarz im Kunstmuseum» dokumentiert.

Dazu gestellt sind Texte, worin viele Kunstschaffende sich beim international geschätzten Museumsmann für die geglückte Zusammenarbeit bedanken.

Auch Winterthurer Künstler schenkten

Die Herausgeberin und Kuratorin Simona Ciuccio listet zudem sämtliche Ausstellungen sowie die umfangreiche Buch-, Katalog- und Artikelproduktion von Schwarz auf. Aus dem Fotoalbum des Museums stammen Aufnahmen, welche Schwarz beim Einrichten von denkwürdigen Ausstellungen zeigen. Als junger Direktor trug er noch zusammen mit dem englischen Meister der Pop-Art, Richard Hamilton, ein grosses Bild herum.

Über zwanzig Mitglieder der Künstlergruppe Winterthur schenkten Schwarz aus eigener Initiative Grafiken, Fotos und Zeichnungen. Sie gehen ebenfalls in die Sammlung des Kunstvereins ein. In einer sympathischen, zwischen internationaler und ­regionaler Kunst vermittelnden Geste hat Ciuccio diese Arbeiten in die Ausstellung integriert. Zusätzlich in die erwähnte Publikation Eingang gefunden haben jene Winterthurer, für die Schwarz Ausstellungen ausrichtete, also Bendicht Fivian, Werner Hurter, Thomas Rutherfoord, Mario Sala, Georg Aerni und Werner Ignaz Jans.

Die Ausstellung beansprucht zwei Säle auf zwei Stockwerken. Dabei wurden einzelne Werke mit Arbeiten aus den Sammlungsbeständen zu einer kleinen Gruppe erweitert, was die Ausstellung zu einem einzigartigen Echoraum macht. Her­aus­gehoben aus der Fülle seien die frühen Blätter von Thomas Schütte, die Blütenzweige zeigen.

Wie ironisch sie gemeint sind, muss offenbleiben. Aber auch ganz unironisch betrachtet begreift man, warum Schwarz die so bescheidene Gattung der Arbeiten auf Papier wiederholt ins Zentrum von grossen Ausstellungen gerückt hat. Es hat mit Berührung zu tun, mit der mate­riellen Berührung des Stifts, des Pinsels, der Kreide oder Feder auf dem Papier, was sich in einer wunderbaren Sinnlichkeit und Unmittelbarkeit manifestiert.

Beides wird über die Augen dem Hirn und Herzen vermittelt, wo die Gesten und Zeichen, Linien und Flächen, Gegenstände und Figuren als schöne Erinnerung aufgehoben sind – und zwar unabhängig davon, ob es sich um international Gefeierte wie Gerhard Richter, Joel Shapiro oder Robert Mangold handelt.

Die internationalen Grössen repräsentieren die drei Sammlungsschwerpunkte, die lose mit ausgewählter amerikanischer und deutscher Kunst sowie der italienischen Arte povera zu bezeichnen wären und der Sammlung ein international anerkanntes Profil verliehen haben. In dieses passen aufs Schönste die privaten Geschenke von Tina und Kurt Münger sowie Rainer Michael Mason, die dem Museum und Dieter Schwarz sehr ver­bunden sind. Es handelt sich um Papierarbeiten von Richard Artschwager und Michele Zaza.

StarkeAusstrahlung

Mögen die Blätter der Lokalen in diesem Kontext eher Nebenrollen einnehmen, über eine starke Ausstrahlung verfügen sie unbestritten. Die grazile «Baumschule» von Thomas Rutherfoord ist ein Beispiel. Martin Schwarz überrascht mit der ironischen Tusch-/Fotocollage «Für Dich, Dieter Schwarz, von mir, Martin Schwarz»; und beim Anblick von Katharina Henkings «Daily Mirror» (2007) bedauert man ihre lange malerische Absenz. Werner Hurters Aquarell «Maloja» schliesslich ist ein ganz besonderes Abschiedsgeschenk. Darin schaute der Künstler bereits dem Tod in die Augen.

Kunstmuseum Winterthur, beim Stadthaus, bis 6. Mai. Die Publikation ist im Museum für 29 Franken erhältlich. (Der Landbote)

Erstellt: 09.01.2018, 17:19 Uhr

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