Kino Cameo

Die direkte Demokratie als Filmstar

«Läppisch» hätten sich die Befürworter der Gripen-Kampfjets im Abstimmungskampf verhalten. Dies sagte in der Diskussion über den Dokumentarfilm «Ein Volk auf der Höhe» im Kino Cameo nicht etwa ein Armeegegner, sondern Ex-Luftwaffenchef Markus Gygax.

Regisseur Frédéric Gonseth, Ex-Luftwaffenchef Markus Gygax, SP-Nationalrätin Chantal Galladé und Moderator Jakob Bächtold vom «Landboten» (v.l.) diskutieren im Kino Cameo über den Film «Ein Volk auf der Höhe».

Regisseur Frédéric Gonseth, Ex-Luftwaffenchef Markus Gygax, SP-Nationalrätin Chantal Galladé und Moderator Jakob Bächtold vom «Landboten» (v.l.) diskutieren im Kino Cameo über den Film «Ein Volk auf der Höhe». Bild: Liliane Hollinger/Kino Cameo

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Ein Milizoffizier a. D. wettert gegen die unpatriotischen Armeeabschaffer, ein Aktivist der «Gruppe für eine Schweiz ohne Armee» fordert weniger Rüstungsausgaben. Die Frage nach der Schweizer Armee ist nach wie vor hoch emotional. Das zeigte sich auch am Freitagabend im Kino Cameo. Über den Film «Ein Volk auf der Höhe», der die Abstimmung über den Kauf der Gripen-Kampfjets im Frühling 2014 dokumentiert, entwickelte sich nach kurzem eine engagierte Diskussion, mit flammenden Voten aus dem Publikum.

Mit dem Riecher für die grosse Geschichte

Der Film ist ein Glücksfall. Regisseur Frédéric Gonseth begann neun Monate vor dem Abstimmungstermin mit den Dreharbeiten, lange bevor feststand, dass sich ein so spannender Abstimmungskampf entwickeln würde. «Der Entscheid für den Film fiel sehr kurzfristig», erklärte Gonseth in der Diskussion im Kino Cameo. Nach der langen Vorgeschichte des Gripenkaufs habe man jedoch ahnen können, dass die Abstimmung aussergewöhnlich verlaufen würde.

Nachdem er 2003 den Film «Mais im Bundeshuus» gesehen habe, in dem Regisseur Jean-Stéphane Bron den Parlamentsbetrieb in Bern unter die Lupe nimmt, habe er einen ähnlichen Film über eine Volksabstimmung realisieren wollen, sagte Gonseth. «Dazu brauchte ich aber ein spannendes Thema, eine normale Abstimmung wäre im Film zu langweilig gewesen.» Er hatte ein gutes Gespür: Die Gripen-Abstimmung ist bislang die einzige, in der sich das Schweizer Volk gegen die Armee ausgesprochen hat.

«Ein Volk auf der Höhe» kam beim Winterthurer Publikum gut an: Gonseth erhielt am Freitag mehrmals Applaus dafür. Der Dokumentarfilm ist eine Hommage an die direkte Demokratie. Eine der Lieblingsszenen des Regisseurs: Politologe Michael Hermann zeigt einer äthiopischen Delegation die Landsgemeinde in Glarus. «This is real, this is a real vote», betont der Schweizer. Die ausländischen Politikerinnen und Politiker können es kaum glauben. Und als sie hören, dass das Schweizer Volk demnächst über den Kauf von Kampfjets abstimmt, brechen sie in Gelächter aus.

Zu viele Details fürs Volk

In der Frage, ob die Stimmbürger über einen Kampfjet-Typ abstimmen sollten, waren sich die Podiumsteilnehmer in der anschliessenden Diskussion einig. «Es ist wichtig, dass das Volk mitreden kann, gerade bei Rüstungsfragen», sagte SP-Nationalrätin Chantal Galladé. Die Frage, welcher Kampfjet denn nun der beste sei, könnten Experten aber besser beantworten. Markus Gygax, ehemaliger Chef der Luftwaffe, zeigte sich zwar vom Film und von der direkten Demokratie begeistert. Doch auch er erklärte, das Volk solle eher über den Kredit für die Luftabwehr abstimmen, als über das Kampfjet-Modell.

Engagierte Diskussion auch nach dem Podium: Regisseur Frédéric Gonseth, SP-Nationalrätin Chantal Galladé und Ex-Luftwaffenchef Markus Gygax in der Cameo-Bar.

Uneinig waren sich Gygax und Galladé bei der Frage zu den Rüstungsausgaben. Der ehemalige Offizier setzte sich vehement für höhere Investitionen in die Verteidigung ein: «Dafür gibt die Schweiz im Vergleich mit anderen Staaten viel zu wenig aus.» die SP-Nationalrätin sagte hingegen: «Investitionen in die Bildung sorgen langfristig für mehr Sicherheit für unsere Gesellschaft als Geld für die Armee.»

Auch die nächste Kampfjet-Debatte wird nicht langweilig

Letzte Woche hat Verteidigungsminister Guy Parmelin (SVP) ein neues Rüstungsprogramm für Kampfflugzeuge und eine Raketenabwehr vorgestellt. Sowohl Gygax als auch Galladé erklärten, diesmal werde die Diskussion sicher anders verlaufen. «Beim Gripen haben wir Befürworter uns läppisch verhalten», sagte Gygax und spielte damit auf den ehemaligen Verteidigungsminister Ueli Maurer (SVP) an, der im Film ganz flach wegkommt. So etwas werde nicht noch einmal passieren. Galladé sagte, die SP habe grundsätzlich nichts gegen neue Kampfjets. Es sei notwendig, die in die Jahre gekommenen FA-18 zu ersetzen, nur schon um die luftpolizeilichen Aufgaben erfüllen zu können. Trotzdem dürfte auch die nächste Kampfjet-Debatte nicht langweilig werden: Aus dem 50-köpfigen Publikum kam sofort Fundamentalopposition. Die Diskussion im Kinosaal hätte gut eine weitere Szene im Dokumentarfilm hergegeben – oder eine für den nächsten Film «Ein Volk auf der Höhe, Teil 2».

Wummernder Bass von nebenan

Zum Schluss noch eine lokalpolitische Randbemerkung: Das Kino Cameo wurde am Freitagabend vom wummernden Bass einer Party erschüttert, die gleich nebenan in einem Zelt stattfand. Die Veranstalter liessen sich offenbar auch durch gutes Zureden nicht dazu bewegen, die Musik etwas herunterzudrehen. Das sonst so gut laufende Mit- und Nebeneinander auf dem Lagerplatz hat für einmal nicht reibungslos funktioniert. (Der Landbote)

Erstellt: 16.09.2017, 07:40 Uhr

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