Zum Hauptinhalt springen

Die Farben des Alten Testaments

Eine Aufführung von Arthur Honeggers «Le Roi David» ist in Winterthur ein Heimspiel. Musikkollegium und Oratorienchor haben das eindrücklich in Erinnerung gerufen.

Neue Visitenkarte: Das Musikkollegium umgeben von den Meisterwerken im Museum Oskar Reinhart "am Römerholz".
Neue Visitenkarte: Das Musikkollegium umgeben von den Meisterwerken im Museum Oskar Reinhart "am Römerholz".
Regina Jäger

In kontrastierenden Klangbildern von alttestamentarischer Wucht hat Arthur Honegger die Geschichte des Königs David in Musik gesetzt. Sie fasziniert mit archaisierendem Unisono und impressionistischer Koloristik, mit protestantischer Strenge und sinnlicher Lyrik, mit Pathos und Raffinesse, und sie ist in dieser Vielfalt und Dichte eine Herausforderung.Unter der energetischen Leitung von Thomas Zehetmair war nun das farbige Werk in zwei Aufführungen zu erleben (die Rede ist hier von der Aufführung am Donnerstag). Mit grossem Erfolg: ein Höhepunkt der Saison, die an die Ära Reinhart erinnert und an die Komponisten, die damals «Winterthur in Bezug auf die Pflege moderner Musik zur führenden Schweizer Stadt» machten, wie die «Neue Zürcher Zeitung» 1925 feststellte.

Von Mézières nach Winterthur

Als Theatermusik, die weder Ballett noch Oper war und auf einem abgelegenen Schauplatz 1921 im waadtländischen Mézières uraufgeführt wurde, hätte «Le roi David» leicht ins Abseits geraten können. Aber als Oratorium verschaffte das Werk ihm den Zugang zum grossen Konzertpublikum, nach Winterthur folgte Paris, Rom und so weiter. Die Umarbeitung geschah auf Anregung und mithilfe Werner Reinharts, des Chorleiters Ernst Wolters und Hans Reinharts, der die Übersetzung der Texte von René Morax ins Deutsche besorgte.

Die Uraufführung dieser Konzertfassung im Dezember 1923 im Stadthaussaal ist lange her, die Namen haben gewechselt, aber Geschichte verpflichtet nach wie vor. Blicken wir auf die aktuelle Aufführung, die spannend genug war. Da war der von Beat Fritschi bestens vorbereitete Chor. Das kompakte Unisono des Psalms «Lob sei dem Herrn» war die Visitenkarte, die prägnante Deklamation des rhythmisch anspruchsvollen Psalms «In deinem Zorne . . .» die effektvolle Bestätigung für den engagierten Einsatz.

Eindrückliche Chorleistung

Dass in den enormen Crescendi der Chor vom Orchester bedrängt werden konnte, war zumindest in den hinteren Reihen da und dort festzustellen, aber ausdrucksstarke Präsenz zeigte er vielfach, Tenöre und Bässe etwa, untermalt vom Tamtam, im düsteren «Gesang der Propheten», die Frauenstimmen mit den orientalisierenden Melismen der «Klage von Gilboa».

Honeggers Musik hätte mit ihren Fanfaren und Märschen auch als Soundtrack eines biblischen Monumentalfilms dienen können. Das Orchester spielte das Martialische mit bestens disponiertem Blech und Paukendonner aus. Soll man sagen, prachtvoll oder -schaurig schön? In guter Balance formte es aber auch sensible Soli, der Bratsche zum Beispiel oder gerade auch der Trompete, und mischte mit Harfe und Celesta schillernde Farben.

Der Sprecher Walter Kreye verzichtete auf Bibel-Pathos (für die Verständlichkeit nicht immer von Vorteil), Wiebke Lehmkuhl gestaltete den Auftritt der Hexe von Endor sehr suggestiv, und während Werner Güra als Tenor eher monochrom wirkte, liessJulia Bauer ihren Engelssopran mal lieblich, mal trompetenhaft strahlen, im Halleluja-Finale über alles Tutti-Forte hinweg.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch