Musikfestwochen

Die Kulturstadt sichtbar machen

Am Mittwoch beginnt das grosse Sommer-Musikfestival in der Altstadt. Was ist dieses Jahr neu? Ein Gespräch mit Co-Geschäftsleiterin Laura Bösiger.

An den Musikfestwochen werden insgesamt 50 000 Besucherinnen und Besucher erwartet.

An den Musikfestwochen werden insgesamt 50 000 Besucherinnen und Besucher erwartet. Bild: Nathalie Guinand

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Neu sind natürlich die meisten Bands, bei denen es auch dieses Jahr an den Musikfestwochen viel zu entdecken gibt. Was jedoch vor allem auffällt, ist der Ausbau des kulturellen Angebots abseits des Kerngeschäfts der Musik: Erstmals gibt es auch literarische Kurzlesungen und eine Kunstausstellung. Verstärkt wird ferner der direkte Kontakt mit dem Publikum, das sich auf sogenannten «Backstage-Führungen» durch das Gelände über die Arbeit der Organisatoren informieren kann (siehe Kasten). Lesungen und Kunst – was hat das mit dem Musikfestwochen zu tun? Damit wolle man die Kulturstadt Winterthur sichtbar machen, sagt Co-Geschäftsleiterin Laura Bösiger. Für die Bevölkerung, aber auch gegen aussen für die Gäste aus der ganzen Schweiz und dem Ausland. Erwartet werden an insgesamt zwölf Tagen rund 50 000 Besucherinnen und Besucher. Ihnen wolle man zeigen, was Winterthur zu bieten habe, sagt Bösiger.

«In den nächsten Jahren werden einige Festivals eingehen»

Zeigen wollen die Musikfestwochen auch, was sie sind und machen. Anders als grosse Festivals wie etwa das Openair St. Gallen, die eng mit Agenturen verflochten seien, seien die Winterthurer Musikfestwochen ein unabhängiges Festival, erklärt Bösiger. Um in einem umkämpften Markt mit ständig steigenden Band-Gagen eine Nische besetzen zu können, sei man darauf angewiesen, dass das Publikum darüber Bescheid wisse, was da geboten werde und wie es zustande komme. «In den nächsten Jahren werden einige Festivals eingehen», sagt Bösiger. «Wir wollen nicht dazu gehören.»

Verbreitet sei etwa die Ansicht, die Musikfestwochen würden weitestgehend von der Stadt finanziert. Die städtischen Kultursubventionen machen jedoch nur zehn Prozent des Budgets aus. Den grössten Teil erwirtschaftet das Festival selbst, über Festwirtschaft, Ticketverkauf für das Hauptwochenende und Spenden. Dies obwohl neun Tage lang ein kostenloses Programm geboten wird.

«Kein Unternehmen wäre bereit, dieses Risiko auf sich zu nehmen.» Laura Bösiger

Der Erfolg des Festivals mit ständig steigenden Besucherzahlen kann leicht über das Risiko hinwegtäuschen, das die Veranstalter jedes Jahr eingehen. Bei einem Budget von etwas über zwei Million Franken betrage die Risikospanne rund eine Million, sagt Bösiger. Was heisst das? Der maximale Gewinn liege bei 400 000 Franken, der maximale Verlust bei 600 000. «Kein Unternehmen wäre bereit, dieses Risiko auf sich zu nehmen.» Um alle Gagen und Rechnungen zu bezahlen, müsse man über 400 000 Franken Cashflow verfügen.

Erfolg vom Wetter abhängig

Um das Bewusstsein der eigenen Identität zu stärken, hat der Verein Musikfestwochen im zurückliegenden Jahr ein Leitbild ausgearbeitet, das auf der der Webseite des Festivals aufgeschaltet ist. Das Leitbild sei zum einen organisationsintern wichtig, wenn strategische Entscheide gefällt würden, aber auch gegen aussen, für andere Kulturinstitutionen und mögliche Sponsoren. «Die Leute sollen wissen, was wir machen, und sich eine Meinung dazu bilden», sagt Bösiger und fasst dieses Anliegen mit dem Begriff der Teilhabe zusammen: «Das ist das Wichtigste.»

Der wirtschaftliche Erfolg des Festivals ist nicht zuletzt vom Wetter abhängig. Wünscht sich Bösiger trotzdem, dass bald der Regen kommt? «Ja, nur lieber nicht an dem Tag, an dem wir unsere Programmplakate aufkleben.» Während des Festivals würde ein Tag Regenwetter drinliegen.

Erstellt: 07.08.2018, 12:15 Uhr

Laura Bösiger, Co-Geschäftsleiterin (Bild: Madeleine Schoder)

Kultur an den Musikfestwochen

Kunst, Lesungen und ein Podium

Die Kurzlesungen dauern jeweils eine halbe Stunde. Sie werden zusammen mit der Reihe «lauschig» veranstaltet. Eingeladen wurden sechs Autorinnen und Autoren, darunter der Bündner Arno Camenisch, Träger des Schweizer Literaturpreises 2012, und die Berner Poetry-Slammerin Sandra Künzi; der Zürcher Jens Steiner liest aus seinem ersten Kinderbuch. Den Anfang macht am Freitag der Winterthurer Dominik Dusek im Hof der Stadtbibliothek. Gelesen wird auch im Hof des Gewerbemuseums und auf dem Kirchplatz.

Die Ausstellung um und auf der «Schlemmerei», dem Verpflegungszentrum des Festivals, wurde von der Kulturzeitschrift Coucou, dem Salzhaus und den Musikfestwochen zusammen kuratiert. Zu sehen sind Werke von zehn Künstlerinnen und Künstlern aus Winterthur und der Schweiz, darunter der bekannte Fotograf Milad Ahmadvand. Die Künstlerin Stefanie Kägi und die Schriftstellerin Daniela Janjic stellen ein gemeinsames Projekt vor. Die Werke können am Ende des Festivals erworben werden.

Am Sonntag, 12. August, wird zudem eine Performance von Riccarda Naef und Klarissa Flückiger zu sehen sein – Ort und Zeitpunkt werden nicht bekannt gegeben. An einer Podiumsdiskussion der Reihe Diskuthek im Musikclub Albani geht es um Kooperationen in der Musikbranche (Samstag, 11.8., 16 Uhr). Die Gäste sind Yvonne Dünki, Präsidentin des Vereins OnThur der Winterthurer Musikclubs, Jennifer Jans von B-Sides-Festival in Luzern und Fabienne Schmuki vom Lausanner Plattenlabel Irascible. (dwo)

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