Hallenfussball

Die Schweiz überrascht an einem Fussballfest der anderen Art

Das Schweizer Männerteam verpasste an der Gehörlosen-Futsal-WM in Winterthur den Weltmeistertitel nur knapp.

Schweizer Jubel nach einem Tor; das Publikum feiert den Erfolg der gehörlosen Athleten.

Schweizer Jubel nach einem Tor; das Publikum feiert den Erfolg der gehörlosen Athleten. Bild: Nathalie Guinand

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Viel hat nicht gefehlt, um das Märchen perfekt zu machen an dieser vierten Gehörlosen-Futsal-Weltmeisterschaft. In der vollgepackten Eulachhalle lieferte das Heimteam gegen Europameister Spanien einen beherzten Kampf ab. Noch in der Vorrunde war man gegen den gleichen Gegner mit 2:9 chancenlos geblieben. «Wir haben uns aber im Verlauf des Turniers stetig gesteigert und hatten einen tollen Lauf», sagt Teammanager Reto Thurnherr. Nach Siegen über Kroatien, Thailand und Schweden war die Mannschaft erstmals in einen WM-Final eingezogen. «Wir hätten nie gedacht, dass wir so weit kommen», so Thurnherr. Gegen Spanien verlor man nun mit 4:5 denkbar knapp.

Begeistertes Publikum

Zu Beginn herrscht noch Stille in der Halle – zumindest akustisch. Visuell hingegen ist die Stimmung schon da angeregt: Von den Organisatoren über das Publikum bis zu den Spielern unterhält man sich vorwiegend in der Gebärdensprache. Doch nach dem Anpfiff wird es zunehmend lauter unter dem Dach der Eulachhalle.

Die Schweizer haben anfänglich Mühe, die Spanier ziehen ein Passspiel auf, das sich vor dem der Fussball-Nationalmannschaft nicht zu verstecken brauchte. «Spanien ist eine Futsal-Hochburg», sagt auch Thurnherr. Doch das Heimpublikum weiss seine Mannschaft anzutreiben, springt auf, klatscht, signalisiert leidenschaftlich – und explodiert jubelnd, als der 16-jährige Kristian Zaric, der als Nachwuchsfussballer gerade von der U16 des FC Basel zur U17 von Concordia Basel gewechselt hat, mit einem platzierten Schuss die Schweiz in Führung bringt.

Von da an wiegt das Spielglück hin und her, und das auf hohem spielerischem Niveau. Auf das 1:1 der Spanier folgt deren 2:1, dann, fünf Spielminuten vor dem Pausenpfiff, das 2:2 der Schweizer. Gespielt werden zweimal zwanzig Minuten, allerdings mit gestoppter Zeit während Spielunterbrüchen. So sind denn gut 45 Minuten vorüber, als die Mannschaften bei Gleichstand in die Pause gehen. Wieder kehrt Ruhe ein in der Halle, auf den Tribünen wird mit beiden Händen diskutiert. Ob über das Spiel lässt sich nur erahnen – da scheitert die Berichterstattung an der (Gebärden-)Sprachbarriere.

Rote Karte für «Kung-Fu-Einlage»

In die zweite Hälfte startet die Schweiz dann so glücklos wie nur möglich: Sogleich fällt das 3:2 für Spanien, kurz darauf stoppt Goalie Simon Siegfried einen Stürmer mit ausgestrecktem Bein gegen die Brust und sieht für diese Kung-Fu-Einlage zu Recht die rote Karte. Der fehlbare Goalie ist damit aus dem Spiel, für das Team bedeutet es eine zeitweilige Unterzahl.

Doch auch, als man wieder zu fünft auf dem Feld steht, dreht sich das Glück nicht mehr. Aus dem 2:3 wird ein 2:5, die Schweiz nimmt nun gar den (neuen) Goalie aus dem Spiel und setzt auf fünf Feldspieler. Es lohnt sich, plötzlich heisst es 3:5 und dann, nicht einmal zwei Minuten vor Schluss, bringt ein Heber gar das 4:5. Fast gelingt der Ausgleich noch – doch eben nur fast, und so sind es kurz darauf die Spanier, die sich jubelnd in den Armen liegen und als Nachfolger des Iran, Weltmeister von 2011 und 2015, feiern lassen können, während die Schweizer sich enttäuscht zu Boden sinken lassen.

Erwartungen übertroffen

Trotz Niederlage zeigt sich Thurnherr zufrieden. «Wir haben gut gespielt und haben uns nie aus dem Konzept bringen lassen. Vizeweltmeister ist auf jeden Fall mehr, als wir anfangs erwartet hätten.» Das Heimpublikum habe viel dazu beigetragen, die Mannschaft anzutreiben. Zudem sei man stolz auf die individuellen Spielerauszeichnungen. Siegfried, der in der höchsten Schweizer Futsal-Liga spielt, wurde zum besten Goalie des Turniers erklärt, die Schweizer Frauen erhielten den Fairplay-Preis. Deren Vorrundengegner Brasilien hatte sich früher am Nachmittag mit einem 4:0 gegen Polen den Titel geholt.

Erstellt: 17.11.2019, 16:00 Uhr

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