Winterthur

Die Seele der Maschine. Was?

Unter dem Titel «I, Robot.» startet das Kino Cameo am Sonntag mit einer kleinen, aber erlesenen Filmreihe in die neue Saison: Gezeigt werden Filme, die der Frage nachgehen, ob Maschinen ein Bewusstsein entwickeln.

Entwickeln Maschinen irgendwann ein Bewusstsein? Und was unterscheidet sie dann noch von den Menschen?

Entwickeln Maschinen irgendwann ein Bewusstsein? Und was unterscheidet sie dann noch von den Menschen? Bild: pd

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«I’m Hoghart» – «You’re Robot»: Mensch und Maschine treten im Film «The Iron Giant» in einen Dialog. Mit dem Film von 1999 hat sich ein waschechter Kinderfilm in die Cameo-Filmreihe eingeschlichen. Kein grossprächtig 3D-animierter, in dem einem – wie etwa in der «Transformers»-Reihe, wo Roboter sich in Autos verwandeln – im Kinosessel zünftig die Fetzen um die Ohren fliegen.

Szene aus «The Iron Giant», dem Animationsfilm von Brad Bird von 1999.

Nein, es ist im Gegenteil ein klein-fein-2D-getrickter, der sich besser als jede komplexe Abhandlung zu erklären eignet, worum es den Kuratorinnen der Filmreihe «I, Robot.», Virginia Rusch und Kathrin Schönholzer, geht: Die Ausmarchung zwischen Mensch und Maschine.Um die Frage, ob Maschinen, als von Menschen geschaffene Werkzeuge, irgendwann eventuell ein Bewusstsein entwickeln, und was sie dann noch vom Menschen unterscheidet.

Aber die Seele lebt weiter

Damit stellt sich auch die Frage, wie der Mensch mit solch von ihm geschaffenen «Ungeheuerlichen» umzugehen hat. Ausgangspunkt der Überlegungen ist der Roman «I, Robot» von Isaac Aimov von 1950, der in neun kurzen Geschichten exakt solchen Fragen nachgeht.

Der eingangs erwähnte Hoghart ist ein neunjähriger Junge. Man trifft ihn in «The Iron Giant», er wohnt mit seiner Mutter irgendwo in Amerika in einer Kleinstadt namens Rockwell und begegnet eines Nachts einem aus dem All auf der Erde gestrandeten Riesenroboter.

Derweil die ebenfalls auf den Eindringling aufmerksam gewordene Regierung diesen ewig lang vergeblich sucht, freundet sich Hoghart mit ihm an, bringt ihm sprechen bei und erklärt ihm die Welt. Alles was lebt, sagt Hoghart einmal, stirbt irgendwann. Aber die Seele, fügt er zögernd bei, lebt weiter.

Und auf die Seele, die Frage, ob der Riesenroboter, der sich Hoghart gegenüber freundlich und friedlich verhält, letztlich aber eine auf Vernichtung programmierter Kampf-Maschine ist, denn eine solche Seele hat, spitzt sich «The Iron Giant» schliesslich zu.

1999 von Brad Bird nach dem Kinderbuch von Ted Hughes gedreht, findet sich darin alles, was Roboter und Filme um Roboter so ungemein beliebt und populär macht: Die verführerische Faszination, die von den oft menschenähnlichen Maschinen ausgeht, als Kehrseite davon das Schaudern davor: Für mich persönlich die faszinierendste Roboter-Filmfrau ist die Maria aus Fritz Langs Klassiker «Metropolis» (1927); die, wenn sie sich den Menschen zeigt, das ebenmässige Gesicht von Brigitte Helm hat.

Exemplarische Auswahl

«Metropolis» wird in Winterthur leider nicht gezeigt. Überhaupt umfasst die Reihe bloss acht, zwischen 1956 und 2016 entstandene Filme: zwei Trickfilme, einen Dokumentarfilm, fünf Spielfilme.

Das ist in Anbetracht des grossen, komplexen und topaktuellen Themas, dem sich derzeit auch eine im Gewerbemuseum Winterthur gezeigte Ausstellung widmet, eine sehr geringe Anzahl. Doch die Auswahl ist exemplarisch überaus erlesen – und punktet nach System.

Als Beispiel für die sich vor allem an der (menschenähnlich-) schönen Gestalt der Roboter entflammende Faszination dient Alex Garlands «Ex Machina» (2014), in dem ein talentierter junger Programmierer eine Cyborg-Frau als Maschine enttarnen soll und dieser (welcher Mann kann denn schon Alicia Vikander widerstehen?) mit Haut und Haar verfällt.

Auch «Westworld» – nicht die derzeit angesagte TV-Serie, sondern Michael Crichtons SF-Western von 1973, der der Serie zu Grunde liegt – spielt mit der Menschähnlichkeit von Androiden: Als im grossangelegten Vergnügungspark, in dem die Gäste ihre Alter-Ego-Phantasien ausleben, zwei Freunde nach einer Schiesserei erschöpft in der Wüste hocken, reden sie darüber, wie «verdammt echt» sich das alles anfühlt und ob das tatsächlich echter Fake sei.

Mensch gegen Maschine

Das ist der Wendepunkt. Der Moment, in dem man in «Westworld» im Maschinenraum feststellt, dass sich die Roboter nicht mehr nach Programm verhalten und gegen die Besucher in den Kampf ziehen. «You’ve got no chance, die Roboter sind dir immer ein Schritt voraus», sagt ein Programmierer zu einem Gast. Doch: «Ich habe sehr wohl eine Chance», sagt der Mensch, und nutzt diese auch.

Auch das ist ein wiederkehrendes Motiv: Die vom Menschen geschaffene Maschine, die sich gegen ihren Schöpfer wendet. Es ist in «Westworld», aber auch in Fred M. Wilcox‘ «Forbidden Planet» von 1956 anzutreffen, einem der Meilensteine der SF-Filmgeschichte: Robby heisst der Maschinendiener, den man darin trifft; er gilt, weil er in verschiedenen späteren Filmen Gastauftritte hat, als «the hardest working robot in Hollywood».

Vaters Pflegeroboter

De facto sieht Robby, so wie auch der Roboter in «Robot & Frank» (Jake Schreier, 2012) irgendwie niedlich aus. «Robot & Frank», in dem ein Sohn seinem demenzkranken Vater einen Pflegeroboter besorgt, ist – gerade auch mit dem Nebenschauplatz einer Bibliothek, in der es keine Bücher, und abgesehen von der Leiterin keine Angestellte, sondern nur noch Computer und E-Books gibt – der realitätsnächste Film der Reihe. Er zeigt sehr schön, dass, was im Film zuerst als Phantasie auftaucht, oft eine Vorwegnahme künftiger Wirklichkeit ist.

Einer Wirklichkeit, in der eine Frage übrig bleibt. Werner Herzog geht ihr in «Lo an Behold. Reveries of the Connected World» (2016) nach: Ob Maschinen sich von ihren Schöpfern auf immer unterscheiden werden – oder nicht.

Die Filmreihe «I, Robot.» läuft vom 2.9. bis 13.10. im Kino Cameo, Lagerplatz. – Die Ausstellung «Hello, Robot.» ist bis 4.11. im Gewerbemuseum zu sehen.

(Der Landbote)

Erstellt: 28.08.2018, 16:51 Uhr

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