Winterthur

Dorfet – oder wenn der Wolf mit der Gans tanzt

Die Wülflinger Dorfet gilt als die Mutter aller Winterthurer Dorffeste, dieses Wochenende fand sie bereits zum 42. Mal statt.

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Vor dem Schloss Wülflingen plätschert leise der Steinbrunnen von 1921. Auf der Brunnensäule sitzt der Wolf mit der gestohlenen Gans zwischen den Zähnen – das Wülflinger Wappensujet.

Es ist Samstag, 13 Uhr. In einer Stunde wird die 42. Wülflinger Dorfet offiziell eröffnet. Noch tanzt der rote Wolf nicht mit der weissen Gans: So sind die beiden auf dem verspielt-versöhnlichen Festlogo dargestellt.

Die zwei langen Fahnen am Kirchturm wehen in Rot-Weiss und Blau-Weiss, während der Wind noch graue Wolken vom Himmel wegschiebt. In einer Festwirtschaft an der Riedhofstrasse verköstigt sich ein Grüppchen Vereinsmitglieder, bevor es später die Gäste der Dorfet bekocht und bedient. Die langen, noch leeren Tische sind geschmückt mit kleinen Blumenarrangements. In anderen Beizen wird gekocht, gerüstet und der Dekoration der letzte Schliff verpasst. Mit einem Kabelbinder fixiert ein Mann noch etwas an der Festbeiz und wird von einer vorbeigehenden Bekannten mit «Guete Morge» begrüsst.

Rosafarbene Tüten und Holzköpfe

Eine andere Frau schreibt mit weissem Stift das kulinarische Angebot ihres Vereins auf eine schwarze Tafel. Die verschiedenen Düfte von Essen breiten sich allmählich aus. An einem Stand füllt ein Mann mit einem Schäufelchen Magenbrot in rosafarbene Tüten. Am Schoggifrüchte-Stand werden die Früchte fürs spätere Schokoladenbad vorbereitet und in mundgerechte Stücke geschnitten. Und wie schon seit Jahrzehnten lugen beim Stand des Skiclubs Wülflingen jene Holzköpfe hervor, die später beim Wurfspiel so einiges einstecken müssen.

Baumelnde Werbefigur

13.45 Uhr, die Wolken werden immer weniger, die Wärme nimmt zu, Kühlschränke kühlen hörbar. In der Beiz der Männerriege flimmert etwas auf einem grosser Bildschirm – bei den letzten Dorfet-Vorbereitungen blickt ein Auge nach Zug zum Eidgenössischen Schwingfest.

Fünf Minuten später auf dem Kiesplatz direkt neben der reformierten Kirche: «Chömmed alli i d’Cevi, isch uh läss!», ruft da ein Junge hoch oben. Er hängt an der gesicherten Vorrichtung für das spätere Harassenstapeln. «Wänn dich jetzt öpper ghöre wür, wär das super Werbig», ruft eines seiner Cevi-Gspänli zu ihm hoch. Vom Zuruf angespornt gibt die baumelnde Werbefigur nun alles. «Isch super, sägets allne!»

Nur noch drei Minuten, ein Mann fixiert das offizielle Nummernschild am Feststand. Dann ist sie zu hören: Die Treichlerformation «Einschellergruppe Goldingen» marschiert ein und eröffnet die Dorfet. Sieben Männer schultern je zwei Kuhglocken (Treicheln) und bringen sie im rhythmischen Gang und in angenehmer Lautstärke zum Klingen. Ihre Stickereien glitzern – jetzt ist der Himmel wolkenlos.

Erstellt: 25.08.2019, 15:00 Uhr

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