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Dramatische Zeiten

Mit je drei Eigenproduktionen und Gastspielen will das Kellertheater in der neuen Saison die Gegenwart auf die Bühne bringen.

Am Puls der Zeit: Das Leitungsduo des Kellertheaters, Udo van Ooyen und Doris Strütt, in einer Aufnahme von 2014.
Am Puls der Zeit: Das Leitungsduo des Kellertheaters, Udo van Ooyen und Doris Strütt, in einer Aufnahme von 2014.
Marc Dahinden

Bei aller Dramatik, die sich täglich in den Medien spiegelt: Sie bleibt komplex, die Gegenwart. Und der Versuch, etwas davon auf die Bühne zu bringen, ist und bleibt ein gewagtes Unterfangen. Einen schön geordneten, vermeintlich objektiven Themenabend mit Expertenmeinungen wird man vom Theater nicht erwarten dürfen. Um lebendig zu sein, muss es den Ort aufsuchen, an dem wir verletzbar sind, und dazu muss es eine subjektive Perspektive wählen.

Und das tut das Stück «Alles muss glänzen» (Originaltitel: The Homemaker) des amerikanischen Autors Noah Haidle, mit dem am Samstag die Saison im Kellertheater beginnt. Darin wird das Zerbrechen der Lebensform Familie aus der Sicht einer Frau geschildert, die in der Krise ihren vergangenen Ichs wieder begegnet. Aus der Sicht der Regisseurin Anna Bergmann, die das Stück 2015 im Staatstheater Hannover uraufgeführt hat, werden hier die grossen Fragen gestellt: Worauf warten wir? Was ist der Sinn des Lebens? Der Autor, Jahrgang 1978, sieht sich in der Tradition Tschechows und Becketts. Das Kellertheater zeigt «Alles muss glänzen», das von der Fachzeitschrift «Theater heute» zum besten ausländischen Stück des Jahres 2015 gewählt wurde, als Koproduktion mit dem Zürcher Theater Winkelwiese und dem Theater Tuchlaube Aarau; Regie führt Manuel Bürgin (ab 24.9.).

Flüchtlingstragödie

Mit dem monologischen Zwei-Personen-Stück «Lampedusa» von Anders Lustgarten nimmt das Kellertheater eines der grossen Themen der Gegenwart in seinen Spielplan, die Flüchtlingstragödie im Mittelmeer. Im Zentrum steht die Gegenüberstellung von Stefano und Doris; der ehemalige Fischer holt im Auftrag der Regierung Überlebende und Tote aus dem Wasser, die Angestellte einer Kreditfirma treibt Schulden sein. Der 39-jährige amerikanische Autor arbeitet in England für Theater, Radio und Fernsehen. Zur deutschsprachigen Erstaufführung im März 2016 in Bochum fielen die Meinungen der Kritik geteilt aus. Die einen sahen ein ergreifendes Stück über Mitgefühl und Humanität, andere beklagten den Anspruch, unbedingt aktuell sein zu müssen, der das Theater lähme. Die Flüchtlingskrise prägte auch zahlreiche Stücke des diesjährigen Zürcher Theaterspektakel. Regie bei «Lampedusa» führt Theaterleiter Udo van Ooyen (ab 14.1.2017).

Zurück zur Beziehungsfrage führt «Virgin Wool» von Beate Fassnacht. Die 1962 geborene deutsche Autorin zeigt hier ein Paar, das aus den Erinnerungen ein klares Bild ihrer Vergangenheit zu gewinnen sucht. „Ein abgründig-komischer Text irgendwo zwischen Loriot, Jon Fosse und dem absurden Theater“, befand die „Süddeutsche Zeitung“. Auch hier führt Udo van Ooyen Regie (ab 6.5.2017).

Gastspiele

«Kurz vor der Erlösung» ist ein eigenwilliger, mit Assoziationen und Wortspielen experimentierender Text des 1982 geborenen Schweizer Autors Michael Fehr. Die Gruppe Matterhorn Produktionen bringt ihn ins Kellertheater (ab 19.11.). Fehr wird ausserdem Ende Oktober im Rahmen von «Zürich liest» Texte von zwei Auszubildenden des Schweizerischen Literaturinstituts Biel kommentieren und eigene Texte lesen (26.10.).

Die weiteren Gastspiele sind «Kosovo für Dummies», eine Komödie von Jeton Neziraj (ab 2.3.2017), und «5 Gründe, warum Delfine böse Tiere sind» (ab 11.3.2107). Im Format «Wortort» zeigen ausserdem die «Gebirgspoeten» ihr neues Programm «Radio Alpin», Literaturexperte Peter Morf interviewt die Schriftstellerin Dorothea Elmiger, und die Autorengruppe «Netz» stellt neue Stücke vor. Dazu kommen weitere Stücke, Lesungen und Konzerte. Und jeden Montag wird im Kellertheater oder im Barocksaal zwei Stockwerke höher Tango getanzt.

Alles muss glänzen: Premiere am Samstag, 24.9., 20 Uhr, Kellertheater, Marktgasse 53.

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