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Drei gewichtige Abgänge beim Musikkollegium

Das Musikkollegium Winterthur sucht nicht nur einen Nachfolger für seinen Direktor. Auch der erste Konzertmeister und der Chefdirigent verlassen das Orchester.

Thomas Zehetmair, hier in einer Aufnahme vom Juni 2015 in der Villa Rychenberg, verlässt das Musikkollegium auf Ende der kommenden Saison.
Thomas Zehetmair, hier in einer Aufnahme vom Juni 2015 in der Villa Rychenberg, verlässt das Musikkollegium auf Ende der kommenden Saison.
Marc Dahinden

Im Musikkollegium kommt es gleich zu drei gewichtigen Abgängen. Bereits bekannt war der Wechsel von Direktor Samuel Roth, der im August neuer Direktor von House of Winterthur wird (Ausgabe vom 29.2.). Nun ist zu erfahren, dass auch Chefdirigent Thomas Zehetmair und der 1. Konzertmeister Roberto González Monjas das Orchester verlassen, beide gehen auf Ende der Saison 2020/21. Zehetmairs Mandat laufe dann aus, González Monjas habe gekündigt, teilt Mediensprecher Gustavo de Freitas mit.

Zehetmair ist 59 Jahre alt und zählt zu den besten Geigern der Gegenwart. Seit 2019 leitet er zudem das Kammerorchester Stuttgart. Seit er 2016 Chefdirigent des Musikkollegiums wurde, wurde das Programm von seiner künstlerischen Handschrift zu geprägt. Er hat das Orchester massgeblich weiterentwickelt. In Erinnerung bleiben wird besonders der Brahms-Schwerpunkt der Saison 2018/19: In den vier Sinfonien setzte er auf eine freiere Interpretation als üblich und hatte damit auch beim Publikum Erfolg. In den letzten Jahren konnte man dem Musiker hin und wieder begegnen, wenn er mit dem Fahrrad durch die Altstadt fuhr; seinen Hauptwohnsitz hat er in Berlin. In der kommenden Saison wird er acht Konzerte leiten.

Kurze Amtsdauer ist üblich

Es sei üblich, dass es nach fünf bis sieben Jahren zu einem Wechsel komme, sagt de Freitas: Das Orchester brauche von Zeit zu Zeit neue Impulse.

Tatsächlich zeigt der Vergleich mit den fünf Vorgängern seit 1987, dass Zehetmairs Amtsdauer von fünf Jahren dem Durchschnitt entspricht. Jac van Steen (2002-2008) und Heinrich Schiff (1995-2001) brachten es auf sechs Jahre, János Fürst (1990-1994) hingegen nur auf vier und Franz Welser-Möst (1987-1990) gar nur auf drei. Zehetmairs direkter Vorgänger Douglas Boyd blieb sieben Jahre (2009-2016).

Beim Zürcher Tonhalle-Orchester sieht es ähnlich aus. Hier läge die durchschnittliche Verweildauer sogar nur bei rund vier Jahren, würde sie von David Zinman, der neun Jahre blieb, nicht nach oben gedrückt. Der Grund für die vergleichsweise kurzen Amtszeiten: Beide Orchester sind für die Dirigenten in der Regel nur Zwischenstationen, im Gegensatz zu Orchestern wie den Berliner Philharmonikern, die zur Weltspitze zählen. Wer einmal dort angekommen ist, der bleibt.

Mehr Dirigieren

Für die Stelle des Chefdirigenten kann man sich nicht bewerben, aussichtsreiche Kandidaten werden direkt angefragt und als Gastdirigenten eingeladen. Die Stelle des 1. Konzertmeisters ist auf der Webseite des Musikkollegiums bereits ausgeschrieben. Der 32-jährige spanische Geiger Roberto González Monjas, der in Winterthur als Publikumsliebling gilt, wird laut de Freitas weiterhin mit dem Orchester zusammenarbeiten, sowohl als Gastdirigent wie als Solist. Er habe die Stelle gekündigt, weil er sich stärker auf das Dirigieren, das Solospiel und die Kammermusik konzentrieren wolle. Gegenwärtig absolviere er mit dem Orchester 15 bis 20 Konzerte pro Saison.

Das Musikkollegium verfügt über drei Konzertmeister: Ralph Orendain bekleidet eine Hundertprozent-Stelle, während sich González Monjas und Rahel Cunz eine Stelle teilen.

Hempel hat Verständnis

War Heinrich Hempel, Präsident des Musikkollegiums, überrascht vom Wechsel seines CEO Samuel Roth zu House of Winterthur, der Organisation, die für Tourismus und Standortförderung zuständig ist? Das sei eine schwierige Frage, meint Hempel. Mit Wechseln in Führungspositionen müsse man immer rechnen. «Ich bedaure es, verstehe es aber auch.»

Nicht überrascht habe ihn, dass Roth nochmals eine neue Herausforderung suche. Dass Roth seinen Chef nicht über seine Bewerbung informiert habe, sei «courant normal», das mache kein Angestellter. Es sei alles «absolut korrekt» abgelaufen, sagt Hempel, der es schön findet, dass Roth der Stadt Winterthur und der Kulturszene erhalten bleibt. Der 51-Jährige ist seit 2014 Direktor des Musikkollegiums.

Die Bewerbungsfrist für das Direktorium läuft bis 2. April. Danach werde man die Stelle «zügig» neu besetzen. Hempel erwartet, dass viele Bewerbungen eingehen, auch von gut Qualifzierten. Ganz leicht dürfte die Suche nach einer Nachfolgerin oder einem Nachfolger für Roth aber nicht werden. Roth verfügt über kaufmännisches Geschick und viel Erfahrung im Kulturbetrieb. Er hat unter anderem das Classic Openair im Rychenbergpark zum Erfolg geführt und das Orchester finanziell wieder auf Kurs gebracht.

Der neue Direktor oder die neue Direktorin sollte zudem über musikalisches Wissen verfügen, und zu den Aufgaben gehört auch die Beziehungspflege mit den Sponsoren. Das Ziel sei, die Nachfolge bis zum Beginn einer neuen Saison geregelt zu haben, sagt Hempel. Aber entscheidend sei die Qualifikation. Für einen valablen Bewerber würde man allenfalls eine Vakanz in Kauf nehmen.

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