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«Du musst die Pizza im Herzen finden»

Zwei Schauspielerpaare traten am Montag mit ihrem Improvisationstalent gegeneinander an. Wer besser war, entschieden die Fans.

Wie gut war das jetzt? Schiedsrichter Miro Hintermüller zählt die Stimmen für die «Roten» und die «Blauen».
Wie gut war das jetzt? Schiedsrichter Miro Hintermüller zählt die Stimmen für die «Roten» und die «Blauen».
Nathalie Guinand

Es ist wirklich wie beim Sport. Zwei Teams treten gegeneinander an: «Die Redaktion» aus Winterthur in Rot und das «Impro-Theater Konstanz» in Blau. Schiedsrichter spielt – obwohl Mitglied der «Redaktion» – Miro Hintermüller. Er legt sich voll ins Zeug und verwandelt das Publikum kurzerhand in Hooligans. Man übt grölen und Wellen bilden. Das geht umso flotter, als das Theater am Gleis an diesem Montagabend bis auf den letzten Platz besetzt ist. Doch bei aller Bombenstimmung – Hintermüller führt ein strenges Regiment.

Das ist nötig, denn auf der Bühne geschieht alles aus dem Stegreif. Insgesamt werden sieben Stücke aufgeführt, oder eben, in der Sprache des Sports, sieben Disziplinen ausgetragen. Ideen und Stichworte dazu liefert das Publikum. «Pilot», ruft es aus den hinteren Reihen der Fankurve. Beide Teams zusammen, also vier Schauspieler, entwickeln daraus eine Geschichte mit einer im wörtlichen Sinn abgehobenen Handlung: Ein Caterer serviert während einer Flugstunde im Cockpit Käse. Wegen des Platzmangels klemmt sein Fuss auf dem Beschleunigungspedal. Das Flugzeug schiesst in den Weltraum.

Nach diesem Sketch schliesst das Publikum einen Schauspieler aus. Jetzt spielen nur noch drei die Geschichte durch, dann zwei und schliesslich eine. Der Sketch wird mit jedem Mal prägnanter und besser. Am Schluss bestreitet Andrea Leutert von der «Redaktion» alles ganz allein. Die Fans lachen sich krumm dabei, wie sie sich gewissermassen vierteilt und von einer Rolle in die andere hüpft. Die Fans sind sich einig: Diese Runde geht eindeutig an die Roten aus Winterthur.

Natürlich kennen die Schauspieler des Improvisationstheater auch ein paar Tricks. So betten sie jedes Thema in ein Beziehungsdrama ein. Wenn möglich in ein schon mehrfach erprobtes. Das wird klar, als die Kontrahenten in einer kurzen Handlung von einer kleinen Panne in eine Katastrophe geraten müssen.

Die Latte liegt hoch

«Die Redaktion» spielt eine herzzerreissende Liebesgeschichte zwischen zwei Schülern. Die Latte liegt hoch. Überdies haben die Konstanzer eine knifflige Aufgabenstellung. Wegen eines verstopften Klos müssen die Weltmeere austrocknen. Doch die Blauen legen eine fulminante Aufholjagt hin. Roberto Hirche nutzt Kunstgriffe wie Zeitsprünge und Zeitlupe. Als er mit seiner Spielpartnerin Nika Erichsen am trockenen Meeresgrund als Fisch zappelt, ahnt man schon: Das wird der Anschlusstreffer für Konstanz.

Die beiden Paare spielen in den unterschiedlichsten Konstellationen gegeneinander und auch miteinander. Das Duell bleibt spannend. Doch es wird deutlich, dass der Sieg nicht im Vordergrund steht. Man spürt vielmehr die Freude, frech und spontan Figuren und Geschichten auf die Bühne zu bringen. Jemand findet einen Handlungsfaden.

Roberto Hirche ist Pizzaiolo. This Wachter von den Roten nimmt den Faden auf: «Deine Pizza sieht eher aus wie Spaghetti.» Der Pizzaiolo wird weggeschickt und zieht in die Welt hinaus. «Du musst die Pizza im Herzen finden», ermutigt ihn Nika Erichsen. Die Einfälle greifen wie Zahnräder ineinander. Manchmal gerät ein Schauspieler zwar ins Abseits und weiss sich nicht mehr einzubringen. Doch die andern nehmen ihn, gleich von welcher Mannschaft, sofort wieder aufs Spielfeld. Mit echt sportlichem Geist.

Die Fankurve blickt gebannt

Trotzdem gibt es auch Fouls zu ahnden. Zum Beispiel Faxen machen hinter dem Rücken des strengen Schiedsrichters. Dieser zieht die gelbe Karte und verteilt Minuspunkte. Nika Erichsen wischt sie heimlich wieder von der Schiefertafel. So entspinnt sich ein Spiel zwischen Publikum, Bühne und Moderator. Quirlig und quicklebendig zieht es die Fankurve in den Bann. Es zeigt sich dabei, dass die Konstanzer schauspielerisch mehr Erfahrung mitbringen als die junge «Redaktion» aus Winterthur. Dass die Gäste am Ende gewinnen, macht trotzdem keinen Fan traurig. Es überwiegt die Vorfreude auf den nächsten Match.

Der nächste Theatersport-Abend im Theater am Gleis findet am 8. Mai statt.

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