Psych Rock

Ein dunstiges, verschwommenes Universum

Tess Parks singt mit fast schon obszöner Nonchalence. Am Montagabend tritt die Kanadierin im Albani auf.

Gelangweilte Coolness in Perfektion: Tess Parks.

Gelangweilte Coolness in Perfektion: Tess Parks. Bild: PD

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Es ist der anonyme Klang der nächtlichen Grossstadt, der regennassen Strassen, in denen sich Strassenlampen und Nachtbusse spiegeln, der Klang von Kellerbars, eine Stunde vor Betriebsschluss, von auch drinnen getragenen Sonnenbrillen, von einem torkelnden, fröstelnden Spaziergang im kühlen Morgengrauen.

Kaum eine zeitgenössische Sängerin mag die Stimmung nach dem Ausgang und vor dem Aufwachen so bitterschön einzufangen, wie die Kanadierin Tess Parks. Am Montagabend spielt die Sängerin ein einziges Schweizer Konzert im Winterthurer Albani.

Viel Blues, viel Sphärisches

Tess Parks hat im Oktober zusammen mit Anton Newcombe, dem Sänger von Brian Jonestown Massacre, dieser kultigen, verkorksten kalifornischen Rock’n’Roll Band, ein Album veröffentlicht: «Tess Parks & Anton Newcombe» heisst es schlicht, es ist bereits die zweite Veröffentlichung der beiden dieser Art. Viel Gitarre ist auf diesem Album zu hören, viel Bluesiges, viel Sphärisches. Die Musik wirkt launisch und perfektioniert eine gelangweilte Coolness, sie ist gleichzeitig hypnotisch und trägt einen mit in das schrammel-trunkene Universum von Parks und Newcombe.

Teils erschreckend morbid

Langsam winden sich die Songs dahin, einnehmend repetitiv sind die Melodien, es tönt nach schleppenden Drei-Akkorde-Jam-Sessions zu später Stunde.

Ein verschwommener, dunstiger Klangteppich legt die Grundlage für die rauchige Stimme von Parks. Es ist eine Stimme, die manchmal mehr lallt als sing, die mehr haucht als spricht, die fast schon obszön nonchalant wirkt.

Psych Rock kann man das nennen, oder Garage Rock, oder Shoegaze oder düsterer Folk. Die Musik erinnert an The Kills von der Attitüde her, an LA Witch vom Drive, und an Patti Smith von der eindringlichen Stimme her.

Die Songs pendeln zwischen eingängig-angepasst und erschreckend morbid. Der Verlust von Menschen, die einem nahestehen, ist ein wiederkehrendes Motiv in den Liedern. «I don’t feel a thing» (Ich fühle nichts). singt Parks im Lied «French Monday Afternoon», und «Please never die» haucht sie in einem anderen Stück, die Orgel säuselt melodramatisch, und man wippt zum leichten, radiofreundlichen Beat mit dem Fuss.

Von Toronto nach London

Die Sängerin und Songwriterin Parks wurde in eine Musikerfamilie geboren, ist mit siebzehn von Toronto nach London gezogen, begann Fotografie zu studieren und entdeckte dann doch die Musik.

Sie nennt Oasis, Led Zeppelin und Nirvana als ihre frühsten musikalischen Erinnerungen, Oasis gar als ihre Lieblingsband, zu deren Songs sie sich elfjährig das Gitarrespielen beibrachte.

2013 gab sie 24-jährig ihr erstes Album «Blood Hot» heraus und zog mit dessen bereits sehr reifem, eigenen Stil die Aufmerksamkeit der Musikpresse auf sich. Es folgte 2015 das Album «I Declare Nothing» mit Anton Newcombe, und dann im letzten Oktober die zweite gemeinsame Platte.

Parks ist eine Frontfrau, die während ihrer Auftritte ganz im Moment da zu sein scheint und gleichzeitig zu Tode davon gelangweilt. Die gleichzeitig verwundbar wirkt und trotzdem maximale Lässigkeit ausstrahlt.

Einen Auftritt dieser aussergewöhnlichen Künstlerin sollte man sich insbesondere im intimen Rahmen der kleinen Albani-Bühne nicht entgehen lassen.

Tess Parks: Heute, 21 Uhr, Albani, Steinberggasse. (Der Landbote)

Erstellt: 14.04.2019, 18:02 Uhr

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