Jazz

Es muss nicht New York sein

Der 30-jährige Sänger und Pianist Raphael Jost ist schon an grossen Festivals aufgetreten. Jetzt ist die CD «Moosedays» mit eigenen Songs erschienen, sie knüpfen an die Swing-Ära an.

Die gute Laune von Raphael Jost ist ansteckend.

Die gute Laune von Raphael Jost ist ansteckend. Bild: PD

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Der Gesamtklang aus Blechbläsern und Klavier stammt aus einer anderen Zeit. Es ist der Big-Band-Sound, verbunden mit Namen wie Duke Ellington und Frank Sinatra. Im Showgeschäft und an den Musikhochschulen sind solche Formationen bis heute beliebt. Das Oktett von Raphael Jost unterscheidet sich von ihnen durch seine Beweglichkeit: Die Band Lots of Horns ist zwar grösser als die üblichen Jazz-Formationen, aber kleiner als ein Orchester und besteht aus potenziellen Solisten. Und mit dem Zürcher Saxofonisten Christoph Grab ist ein bekannter Jazzmusiker mit an Bord.

Die Songs von Raphael Jost bilden Gefühlslagen ab, sind launige Momentaufnahmen. Als Sänger beherrscht er das Tempo und die Tonlage, die solche Songs haben müssen. Das Wichtigste daran ist, dass sie einen mitnehmen an einen besonderen Ort. Es muss nicht New York sein. «Wheat Field» ist ein Lob auf das Land­leben. Da atmet man tief ein und fühlt sich jeden Morgen wie neugeboren; vom Kühemelken könne er gar nicht genug bekommen, singt Jost: Wie in der Popmusik dürfen alle Klischees bedient werden, wenn die Musik sich nur elegant durchs Gras schlängelt, dann geht alles. Witz und Wendigkeit sich wichtiger als Originalität.

Gelungene Ballade über das Liebesglück Geht an einem scheinbar perfekten Tag am Ende doch alles den Bach runter, dann muss es ein Dienstag sein: In «Tuesdays» spielt Jost mit dem Charme des Scheiterns, das in diesem Fall wenigstens nicht unberechenbar erscheint. An einem Dienstag kommt man gar nicht erst auf die Idee, das «perfekte Mädchen» zum Bleiben zu überreden. Aber so unangenehm es sein kann, etwas Begehrtes nicht zu bekommen, es ist vermutlich immer noch leichter, daraus einen guten Song zu machen als einen guten Song, der vom Glück handelt: Die Ballade «Magical, My Love» versucht genau das, und mit Erfolg – weil Jost mit der nötigen Nonchalance zu Werk geht.

Zum Jazz kam Jost, der in seiner Jugend Popmusik von Elton John und Michael Jackson bevorzugte, über den singenden Jazzpianisten Jamie Cullum. Der Dreissigjährige ist in Basadingen im Kanton Thurgau aufgewachsen, studierte Jazzpiano und Gesang an der Zürcher Hochschule der Künste und war noch nie in New York. «Moosedays» ist sein zweites Album, das erste erschien 2014. Jost ist bereits an grossen Festivals aufgetreten, so 2011 in Montreux; auch am Jazzfestival Schaffhausen und an den Winterthurer Musikfestwochen hat er schon gespielt. Vor drei Jahren erhielt er den Swiss Jazz Award. Seit April 2018 lebt er in Winterthur.


CD: Moosedays (Enja/Musikvertrieb). Live: Sonntag, 23. 12., 19 Uhr, Moods im Schiffbau, Zürich.

Erstellt: 24.11.2018, 11:02 Uhr

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