Winterthur

«Eva kann’s nicht lassen»

Das Tanztheater 55 plus zeigt im Konservatorium sein siebtes Stück. Die Bewegungspädagogin Dorothea Kellermüller leitet die Gruppe, deren Zusammen­setzung wechselt, seit 2004.

Sich selber neu erleben: Mitglieder des Tanztheaters 55 plus.

Sich selber neu erleben: Mitglieder des Tanztheaters 55 plus. Bild: zvg

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Ihr Stück heisst «Eva kann’s nicht lassen». Und was ist mit Adam?
Dorothea Kellermüller: Es sind jetzt zwölf Frauen in der Gruppe, deshalb kam eine Teilnehmerin auf die Idee mit Eva. Es geht nicht um die biblische Geschichte, aber ein Apfel kommt vor: Unser Thema ist alles rund ums Essen: Verführung, Gier, Reue, Verzicht und Genuss. Männer haben wir im Moment keine. In der letzten Aufführung war einer dabei, einmal waren es sogar drei.

Weshalb spielen so wenige Männer mit?
Das liegt vielleicht daran, dass wir Theater und Tanz kombinieren. Auch bei den Bewegungskursen, die ich am Konsi gebe, kommen wenige Männer. Das Besondere an unserer Gruppe ist, dass wir in der Improvisation alles von Grund auf selber entwickeln. Das Resultat ist keine Geschichte, sondern eine bewegte Bilderfolge. Dazu kommen auch Filmsequenzen, die Annamarie Kellenberger mit uns an verschiedenen Orten gedreht hat, unter anderem im Supermarkt und in einem Restaurant.

. Ich finde es sehr bereichernd, mit älteren Menschen zu arbeiten. Da kommt so viel Lebenserfahrung zum Ausdruck und Mut, sich so zu zeigen, wie man ist.

Weshalb legen Sie die Grenze gerade bei 55 Jahren? Was passiert da Besonderes?
Früher war es für Leute ab 60, dann habe ich das Alter etwas gesenkt. Frauen und Männer in diesem Alter haben eher Zeit für einen Kurs am Freitagmorgen. Und in diesem Alterssegment gibt es, denke ich, auch ein Bedürfnis, sich wieder auf Neues einzulassen. Die Altersgrenze wird nicht streng ausgelegt, es hat auch eine Teilnehmerin, die 44-jährig ist. Ich selber bin jetzt 56. Früher habe ich oft gesagt, ich mache Theater mit alten Leuten. Das sage ich jetzt nicht mehr.

Was ist die Motivation der Teilnehmerinnen, geht es in erster Linie ums Vergnügen oder dient es auch der Gesundheit?
Sich zu bewegen, tut immer gut, speziell auch tanzend in einer nicht alltäglichen Art. Ich bin überzeugt, eine wichtige Motivation ist zudem, sich neu zu erleben und die Freude, an einem kreativen Prozess in einer Gruppe teilzuhaben. Aufführungen machen wir jedes zweite Jahr. Ich arbeite zum vierten Mal mit der Tanzpädagogin Franzisca Schaub zusammen und diesmal neu mit der Theaterregisseurin Delia Dahinden.

Was machen Sie, wenn sich jetzt zwanzig neue Teilnehmerinnen melden?
Das wäre wunderbar, dann gäbe es eine zweite Tanztheatergruppe. Die ideale Grösse liegt für mich bei 14 Teilnehmern. Ich liebe diese Arbeit, weil man etwas aus dem Nichtwissen erschafft: Langsam entsteht etwas Neues. Zudem mag ich es, die Stärken der Teilnehmerinnen herauszulocken und sie entsprechend inder Aufführung einzusetzen. So spricht die eine einen Monolog, die andere macht ein Tanzsolo. Ich finde es sehr bereichernd, mit älteren Menschen zu arbeiten. Da kommt so viel Lebenserfahrung zum Ausdruck und Mut, sich so zu zeigen, wie man ist.

Fr/Sa, 29./30. 9., 19.30 Uhr, Rhythmiksaal Konservatorium. Weitere Aufführungen am 6./7. 10. Eintritt frei, Kollekte. Premiere ausgebucht.

(Der Landbote)

Erstellt: 27.09.2017, 12:53 Uhr

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