Winterthur

Fest der Farben und coole Autobahnnatur

Fotografie und Malerei bilden unter dem Titel «Remis» ein bestechendes Paar im Raiffeisenkunstforum am Bahnhofplatz. Christian Schwagers grossformatige Fotos meditieren über Unterholz, Simone Monstein brilliert mit ihrer Farbexotik in Öl.

Die beiden Gattungen behaupten sich in ihrer Eigenheit: Malerei von Simone Monstein und Fotografie von Christian Schwager.

Die beiden Gattungen behaupten sich in ihrer Eigenheit: Malerei von Simone Monstein und Fotografie von Christian Schwager. Bild: Nathalie Guinand

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Winterthurer Malerin Simone Monstein malt eigentlich immer das Gleiche: Gartenszenen, Pflanzen und Interieurs. Dennoch erscheinen die Bilder niemals gleich. Denn die Künstlerin malt ihre Motive, als würde sie diese jedes Mal neu entdecken. So beglückt ihre wache koloristische Licht- und Schattenmalerei mit einer seltenen sinnlichen Expressivität.Bei Christian Schwager verhält es sich ein bisschen anders. Der Fotograf, Mitglied der Künstlergruppe, macht ganz Unterschiedliches, und zwischendurch verarbeitet er auch eine Idee seiner Kinder wie bei der Serie der Fussballer-Collagen. Bekannt geworden ist er mit seinen Fotos von als Chalets getarnten Geschützstellungen, mit seiner Reportage zu den Gräberfeldern in Bosnien oder mit einer Auftragsarbeit über die Normalität und Alltäglichkeit des suburbanen Winterthurs. Seine Fotos sind meist mit feiner Ironie unterfüttert, lassen den Betrachter fragend über den Zustand unserer Welt zurück.

Schönheit der Randgebiete

Und nun diese vier grossformatigen Fotos von dichtem Unterholz im lichten Frühlingsgrün. Sie sind aus einer 1999 entstandenen Diplomarbeit hervorgegangen und werden erstmals in diesem beeindruckenden Format gezeigt. Die Arbeit trägt den Titel «Unterholz» (Autobahnanschluss Winterthur-Ohringen). Vermittelt dieser eine nüchterne Sachlichkeit, so spricht das Bild selbst noch eine andere Sprache, die über die Erfassung und Darstellung von künstlicher «Natur» an der Autobahn hinausgeht. Da ist zwar die Schärfe der Details, doch Schwager hat gleichzeitig das Ganze im Blick – in einem ästhetischen und atmosphärischen Allover, das schon beinahe meditativ wirkt.

Die Kamera führt den Betrachter ganz nahe an das Dickicht der Stämmchen und Ästchen. Das Auge verliert sich in diesem dichten linearen Netz von sich überlagernden Bewegungen. Daran besticht die Balance zwischen Abstraktheit und Realismus. Je nach Fokus liegt ein frühlingsgrüner oder lichtgrauer Schleier über dieser Nutznatur, die zwischenzeitlich wohl längst vom Häcksler geschreddert worden ist. So sind Schwagers Aufnahmen eine versteckte Hommage an die Schönheit des Unbeachteten.

Persönliche Farbexotik

Kuratiert hat die Doppelausstellung die Kunsthistorikerin Katja Baumhoff. Sie hatte mit der Kombination von Foto und Malerei, von Schwager und Monstein, eine glückliche Hand; selten hat man im Kunstforum der Raiffeisenbank eine so schöne und überzeugende Hängung gesehen.

Zweimal in engster Nachbarschaft präsentiert, behaupten sich die beiden Gattungen je in ihrer Eigenheit: die Beschaffenheit der Fotografie legt eine Art gläserne Barriere zwischen Motiv und Betrachter; nichts Hermetisches eignet der Ölmalerei, sie zieht einen ins Bild rein. Mon-steins farbiger Pinselstrich ist schnell, sicher und präzise im Setzen von Lichtern und Schatten, von Hell und Dunkel, im pauschalen Erfassen von Blattwerk oder windgepeitschten Topfpflanzen.

Eigenständige Malerei

In den sonoren Blautönen und den Grünschattierungen hat die Künstlerin ihre persönliche Farbexotik entdeckt. Und wie sie einen Farbakkord von Blau, Rosa, Schwefelgelb und Frühlingsgrün auf der profilierten Wand eines Schopfes als Rhythmus von vertikalen Streifen meistert und gleichzeitig eine künstliche Lichtquelle und natürliches Abendlicht hinter Bäumen in einem Bild vereint, ist nicht nur beeindruckend. Darin wird Malerei als ein eigenständiges Medium aufs Schönste bestätigt.

Es sind auch die direkten Eingriffe, die dem Fotografen verwehrt sind, die aber eine spezifische materielle Sinnlichkeit auf der Leinwand erzeugen: wenn sich etwa an den Rändern einer schmutzgrünen Pinselspur dunkle Pigmente im flüssigen, transparenten Bindemittel ablagern. – Man darf nach diesem Auftakt gespannt sein auf die nächsten drei Paarungen in diesem «Remis» genannten Zyklus, der von der Künstlergruppe Winterthur organisiert wird.


Bis 30. August, Raiffeisen Kunst-forum, Bahnhofplatz, Mo-Fr 13.30-16.30 Uhr, am Bankschalter melden. (Der Landbote)

Erstellt: 04.07.2017, 14:57 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Paid Post

Soforthilfe für Smartphones

Ob Displaybruch, defekte Kamera oder Wasserschaden – Wintek Swiss hat meist eine Lösung.